Währungskrieg: Japan überrascht mit neuer Geldschwemme

Die Japanische Zentralbank hat überraschend die Geldschwemme beschleunigt. Die Börsen reagierten erfreut. Zu der Maßnahme könnte Tokio von Washington ermutigt worden sein: Die Amerikaner hatten erst vor wenigen Tagen angedeutet, dass sie eine weitere Schwächung des Yen im internationalen Währungskrieg zulassen werden.

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Der Nikkei-Index stieg nach der Ankündigung der Zentralbank um über 6 Prozent auf 16.809 Zähler. (Grafik: <a href="http://www.ariva.de/nikkei-225-index/chart?boerse_id=30&amp;t=week" target="_blank">ariva.de</a>)

Der Nikkei-Index stieg nach der Ankündigung der Zentralbank um über 6 Prozent auf 16.809 Zähler. (Grafik: ariva.de)

Eine Lockerung der Geldpolitik der japanischen Notenbank haben an den internationalen Aktienmärkten am Freitag Kurssprünge ausgelöst. Dax und EuroStoxx50 legten in der Spitze um fast zwei Prozent auf 9284 und 3091 Zähler zu, der Nikkei-Index in Tokio kletterte auf den höchsten Stand seit sieben Jahren. „Die Wünsche und Hoffnungen vieler Anleger wurden erfüllt, nach dem Ende der Anleiheaufkäufe der US-Notenbank tritt nun eine andere Notenbank geldpolitisch aufs Gaspedal“, schrieb Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM.

Um die Wirtschaft anzukurbeln und die Teuerung in Schwung zu bringen, wollen die Zentralbanker nun bis zu 80 Billionen Yen (572 Milliarden Euro) pro Jahr an Wertpapieren aufkaufen. Bislang waren nur 60 bis 70 Billionen Yen geplant. Der Yen geriet daraufhin deutlich ins Rutschen: Der Dollar kletterte um bis zu 2,3 Prozent auf 111,66 Yen und markierte damit den höchsten Stand seit fast sieben Jahren.

Regierung und Zentralbank wollen Japan so von der langjährigen Deflation befreien. Ob ihr das mit der weiteren Lockerung der Geldpolitik gelinge, erscheine allerdings mehr als zweifelhaft, urteilte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz in einem Kommentar. „Auch bisher haben die Käufe nicht die gewünschte Wirkung gehabt. Die heutige Entscheidung war mehr eine Verzweiflungstat, als eine neue Strategie.“

Tatsächlich dürfte die neue Geldschwemme ein weiterer Akt im globalen Währungskrieg sein: Die FT berichtet, dass ein aktueller Bericht des US-Finanzministeriums die schwachen Währungen von China und Südkorea kritisiert habe, ohne Japan zu erwähnen. Der unabhängige Analyst Ryoji Musha sagte der Zeitung, der Bericht sei „ein klarer Hinweis, dass die USA erlauben werde, dass der Yen sogar noch schwächer wird.“

Im Dax sorgte der Aufwärtstrend für deutliche Kursausschläge bei den Aktien. Zwischenzeitlich mussten sich die Anleger allerdings in Geduld üben – technische Probleme legten den Xetra-Handel am Vormittag vorübergehend lahm. Größter Gewinner im Dax waren die Aktien des Chipherstellers Infineon mit einem Plus von 4,8 Prozent. Händler führen die Gewinne auf den optimistischeren Ausblick des Mitbewerbers Microchip Technology zurück. Das US-Unternehmen geht davon aus, dass die befürchtete Nachfrageschwäche im Halbleiterbereich nicht so stark ausfallen wird wie befürchtet. Dessen Aktien legten im nachbörslichen US-Handel vier Prozent zu.

 


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