Katzen als Geigerzähler: Farbe des Fells warnt vor Atom-Müll

Radioktiver Müll wird auch in tausend Jahren noch in Endlagern zu finden sein. Doch wie weist man die zukünftigen Menschen darauf hin, dass dort gefährlicher, radioaktiver Müll liegt. Vielleicht werden unsere Schilder und Sprachen in 10.000 Jahren nicht mehr verstanden werden. Ein Lied und Katzen, die bei Radioaktivität ihre Farbe wechseln, könnten zukünftige Menschen vor radioaktivem Müll schützen.

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Wie Menschen in 10.000 Jahren miteinander kommunizieren und, was sie über Radioaktivität bzw. radioaktiven Müll wissen, ist unklar. Umso drängender stellt sich angesichts des wachsenden radioaktiven Mülls die Frage, wie man diesen nicht nur sicher lagern, sondern auch zukünftig davor warnen könnte. Eine Kombination aus dem Verhältnis von Tier und Mensch sowie der Kultur-Überlieferung wird derzeit als interessanteste Lösung für das Problem angesehen.

So schlagen die französischen Autoren Françoise Bastide und Paolo Fabbi die Züchtung von so genannten Strahlenkatzen vor. Diese Katzen sollen die Farben wechseln, sobald sie mit Radioaktivität in Verbindung kommen, heißt es im US-Wissensmagazin Method Quarterly. Katzen sind seit langer Zeit ein domestiziertes Tier und könnten es auch zukünftig noch sein. Zusätzlich dazu müsste man jedoch auch sicherstellen, dass die Menschen in der Zukunft auch wissen, dass es nicht gut ist, wenn Katzen die Farbe ihres Felles ändern. Über einen so langen Zeitraum wie beispielsweise 10.000 Jahre gestaltet es sich jedoch schwierig, sich zu merken, welche Farbe das Fell ursprünglich hatte. Und falls dies klappen sollte, dann am ehesten über Kultur, Folklore. Eine Art Gedicht oder Lied könnte von Generation zu Generation weitergegeben werden. Ein Lied, in dem davor gewarnt wird, dass Katzen ihre Farben ändern und, dass es dann besser ist, wegzulaufen.

Der in Berlin ansässige Künstler Chad Matheny (Emperor X) hat sich diese Idee zu eigen gemacht und einen entsprechenden Ohrwurm komponiert.

Françoise Bastide und Paolo Fabbi hatten sich mit dieser Problematik auseinandergesetzt, weil sie Teil einer amerikanischen Arbeitsgruppe waren, der Human Interference Task Force. 13 Ingenieure, Physiker, Verhaltensforscher, Anthropologen und Sprachwissenschaftler waren 1981 vom US-Energieministerium engagiert worden. Sie sollten überlegen, wie man verhindern könnte, dass Menschen in Zukunft das atomare Endlager Yucca Mountain in Nevada betreten. Die USA hatten Yukka Mountain, einen flachen Bergrücken in Nevada ausgewählt, um zukünftig dort ein Endlager entstehen zu lassen.

Mit ihrer Idee mittels Folklore und Ritualen etc. zur Wissensvermittlung etwas ins kollektive Gedächtnis zu verankern,  griffen Françoise Bastide und Paolo Fabbi auf einen Ansatz Linguisten Thomas Sebeok zurück. Denn 1984 veröffentlichte das deutsche Magazin „Zeitschrift für Semiotik“ hinsichtlich der Problematik der Kennzeichnung von Atommüll für Generationen in 10.000 Jahren zahlreiche Vorschläge von Akademikern. Auch Sebeok war darunter. Sebeok dachte an eine Art „atomare Priesterschaft“, die das Wissen um Atommüll und Radioaktivität bewahren sollten. Die übrigen Menschen sollten mit Mythen und Ritualen von atomaren Endlagern abgehalten werden.

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