Ungleichheit bei Einkommen schadet dem Wirtschafts-Wachstum

Die OECD berichtet in einer Studie, dass eine ungleiche Einkommensverteilung das Wirtschaftswachstum behindere. Denn je ungleicher die Einkommensverteilung ist, desto weniger investieren die unteren 40 Prozent in die Bildung ihrer Kinder. Die Organisation plädiert für eine Umverteilung.

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In 16 von 21 untersuchten OECD-Länder ist die Einkommensverteilung seit Mitte der 80er Jahre deutlich ungleicher geworden.

Dies gilt auch für Deutschland. Noch stärker als hierzulande ist allerdings die Ungleichverteilung in Ländern wie Finnland, Israel, Schweden, Neuseeland und den Vereinigten Staaten gestiegen. Kaum gewachsen sind dagegen die Einkommensunterschiede in Deutschlands westlichen Nachbarländern: den Niederlanden, Belgien und Frankreich. In der Türkei ist die Einkommensverteilung sogar gleichmäßiger geworden.

Insgesamt haben in den OECD-Ländern die reichsten 10 Prozent heute ein Einkommen, das 9,5 mal so groß ist wie das der ärmsten 10 Prozent. Mitte der 80er Jahre lag das Verhältnis nur bei 7:1. Wenn das schon von sich aus nicht brisant genug ist, so kommt eine heute, am 9.12., veröffentlichte Studie der OECD zu dem Ergebnis, dass eine ungleiche Einkommensverteilung das langfristige Wirtschaftswachstum vermindert. Die größere Ungleichverteilung seit Mitte der 80er Jahre hat also negative Auswirkungen für alle.

In Deutschland wäre die Wirtschaft ohne die gewachsene Ungleichverteilung zwischen 1990 und 2010 nicht um 26 Prozent gewachsen, sondern um fast 32 Prozent. Noch stärker betroffen sind allerdings Mexiko und Neuseeland, wo die gestiegene Ungleichheit insgesamt 10 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum seit 1990 gekostet hat. Auch in Großbritannien und Finnland lagen die Verluste mit 9 Prozentpunkte sehr hoch. In den USA, Italien und Schweden betrugen sie zwischen 6 und 7 Prozentpunkte.

Doch wie kann größere Ungleichheit das Wirtschaftswachstum beeinflussen? Immerhin gibt es auch einige Ökonomen, die genau das Gegenteil behaupten. Da reiche Leute mehr sparen können und mehr Ersparnisse mehr Investitionen bedeuten, sei es gut, wenn es viele Reiche gibt, auch auf Kosten einer gleichmäßigeren Einkommensverteilung. So lautet verkürzt die Argumentation dieser Ökonomen.

Die aktuelle OECD-Studie setzt klar dagegen. Das Hauptproblem bei einer großen Ungleichheit sei, dass dann die unteren Einkommensschichten kaum die materiellen Möglichkeiten hätten, ihren Kindern eine angemessene Bildung zu finanzieren. Eine größere Ungleichheit führe darum zu weniger Bildung in der Bevölkerung und weniger Bildung bedeute langfristig weniger Wirtschaftswachstum.

Federico Cingano, der Forscher, der die Untersuchung für die OECD geleitet hat, empfiehlt den Staaten Umverteilungsmaßnahmen, um das Wirtschaftswachstum anzuregen. Doch nicht jede Maßnahme, die zu einer gleicheren Verteilung der Nettoeinkommen führe, sei sinnvoll.

So ist es für Cingano nicht so wichtig, wie groß der Abstand der reichsten 10 Prozent zum Durchschnitt ist. Sich über das Einkommen einiger Superreicher aufzuregen, bringt also zumindest für das Wirtschaftswachstum nichts. Wichtig ist dagegen, dafür zu sorgen, dass der Abstand der gesamten unteren 40 Prozent vom Durchschnitt nicht zu groß wird. Für ein langfristig höheres Wirtschaftswachstum sorgen hier vor allem solche Maßnahmen, die dazu führen, dass die Kinder dieser unteren 40 Prozent mehr Chancen auf eine bessere Ausbildung bekommen.

Geht man in die Details der OECD-Untersuchung, sind allerdings die Zusammenhänge noch verwickelter. So stellt die Studie fest, dass eine große Ungleichheit nur bei den Kindern die Chance auf einen Hochschulabschluss vermindert, deren Eltern selbst keine höhere Schulbildung haben. Klar, diese Eltern befinden sich vor allem in den unteren Einkommensschichten und haben so die negativen Folgen einer großen Ungleichheit direkt zu tragen. Andererseits deutet das auch darauf hin, dass in den OECD-Ländern Eltern mit guter Ausbildung selbst dann viel Wert auf die Bildung ihrer Kinder legen, wenn sie materiell nicht zu den Bessergestellten gehören.

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