Vorfreude auf Draghis QE: Börse Frankfurt mit Rekord

Die Börse in Frankfurt hat in Erwartung der neuen Geldschwemme durch die EZB einen Höhenflug erlebt. Die Anleger haben die Abkoppelung des Schweizer Franken offenkundig als sicheres Indiz gesehen, dass Mario Draghi neue Billionen in die Märkte drücken wird.

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In der Erwartung der neuen EZB-Geldschwemme haben Anleger am Freitag erneut europäische Aktien gekauft. Der Dax kletterte zeitweise auf ein Rekordhoch von 10.207,97 Punkten und verabschiedete sich mit einem Plus von 1,3 Prozent bei 10.167,77 Punkten in den Feierabend. Im Vergleich zur Vorwoche gewann er 5,4 Prozent – das ist das größte Plus seit gut drei Jahren. Der EuroStoxx50 gewann am Freitag 1,4 Prozent auf 3202,24 Zähler. Im Gegenzug fiel der Euro zeitweise auf ein Elf-Jahres-Tief von 1,1459 Dollar.

Die Züricher Börse litt immer noch unter dem überraschenden Rückzug der Schweizer Notenbank aus dem Kampf gegen die Aufwertung des Franken und verlor sechs Prozent. „Der Markt interpretiert die gestrige Kapitulation der SNB als schwerwiegendes Indiz für die Einführung eines EZB-Staatsanleihen-Kaufprogramms nächste Woche“, sagte Marktanalyst Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets.

NOTENBANK-POLITIK BESTIMMT DIE KURSENTWICKLUNG

Die SNB hatte am Vortag überraschend die Verteidigung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken aufgegeben und damit einen knapp 20-prozentigen Kurssturz der Gemeinschaftswährung ausgelöst. Am Freitag pendelte sie um die Parität – kostete also etwa einen Franken.

Gleichzeitig heizte die unverändert niedrige Inflation Spekulationen weiter an, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag umfassende Wertpapierkäufe – im Börsenjargon Quantitative Easing (QE) genannt – ankündigt. Sollte sie allerdings nicht wie gewünscht liefern, würde dies nicht nur einen Kurssturz auslösen, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Notenbank beschädigen, warnte Paciorek.

WALL STREET HINKT HINTERHER – GOLDMAN SACHS ENTTÄUSCHT

Die US-Aktienindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 notierten dagegen nur knapp im Plus. Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black begründete dies mit der bislang durchwachsenen Bilanzsaison. Nach den Konkurrenten JPMorgan, Bank of America und Citigroup enttäuschte auch die US-Großbank Goldman Sachs mit ihren Zahlen. Ihre Aktien verloren 1,3 Prozent.

Andere Börsianer verwiesen als Begründung für die schwache Wall Street auf die Belastung der US-Wirtschaft durch die Dollar-Aufwertung. So hat er zum Euro seit dem Sommer knapp 20 Prozent zugelegt. Da zudem der Ölpreis -Verfall auch die die Verbraucherpreise in den USA fallen lässt, spekulierten einige Anleger sogar auf eine Verschiebung der geplanten Zinserhöhung.

RWE IM AUFWIND – EINSTIEG DER TELEKOM BEI KPN?

Im Dax war RWE mit einem Kursplus von 4,4 Prozent Spitzenreiter. Der Versorger will nach einer monatelangen Zitterpartie seine Öl- und Gasförder-Tochter Dea bis März für fünf Milliarden Euro verkaufen. Wegen des Ölpreis -Verfalls der vergangenen Monate gewährte das Unternehmen der Investorengruppe um den russischen Oligarchen Michail Fridman einen Rabatt von 100 Millionen Euro. Im RWE-Windschatten legten E.ON um 1,8 Prozent zu.

In Amsterdam stiegen KPN sogar um 3,8 Prozent. Insidern zufolge hatte die Deutsche Telekom im Herbst eine Übernahme des niederländischen Konkurrenten durchgespielt, die Pläne aber zunächst verworfen. Die Telekom-Aktie stieg kurz vor Börsenschluss um 1,3 Prozent auf ein Sieben-Jahres-Hoch von 14,10 Euro.

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