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Niederlande: Leitender ABN Amro-Banker begeht Selbstmord

Der hochrangige ABN Amro-Banker Chris Van Eeghen soll Selbstmord begangen haben. Van Eeghen stammte aus einer berühmten niederländischen Bankiers-Familie. Seine Arbeits-Kollegen wollten sich zum Vorfall nicht äußern.

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Der ABN Amro-Banker Chris Van Eeghen soll sich am 19. Januar in Overveen das Leben genommen haben. Er war Syndikatschef bei ABN Amro Corporate Finance & Capital Markets. Sein unerwarteter Tod schockierte viele Bekannte in der Finanz- und Nightlife-Szene von Overveen, berichtet das niederländische Magazin Quote.

Seine Arbeits-Kollegen äußerten sich nicht zu dem Vorfall. Van Eeghen stammte aus einer berühmten niederländischen Bankiers-Familie. Vor seiner Anstellung als arbeitete er bei Rabo Securities und der Investment-Bank Kempen.

In diesem Zusammenhang sind zwischen dem 8. März 2013 und dem 19. Januar 2015 insgesamt 57 Banker, Banken-Versicherer und Investoren verstorben. Bei einigen handelte es sich um Selbstmord. Andere wiederum sind tödlich verunglückt. Mit dem Ableben des Bankers Van Eeghen sind es nun 58 Tote:

März 2013: David Rossi, Monte DeiPaschi. Selbstmord durch Sprung aus dem Fenster, berichtet der Business Insider.

April 2013: David William Waygood, HSBC Bank – National Westminster Bank. Selbstmord durch Sprung vor einen fahrenden Zug, berichtet Seven Oaks Chronicle.

Juni 2013: Rob Evans, VizeChef Bank of America. Verunglückt beim Iron Man Triathlon in Frankreich, berichtet der London Evening Standard.

Juli 2014: Michael Burdin, Bank of America: Selbstmord durch Sprung vor einen fahrenden Zug, berichtet The Daily Mail.

Juli 2013: Sascha Schornstein, Royal Bank of Scotland: Mit Privat-Flugzeug im Ärmelkanal abgestürzt. Die Leiche wurde nicht gefunden, berichtet die Ostsee-Zeitung.

Juli 2013: Carsten Schloter. Chef der Telekommunikationsfirma Swisscom und Vorstandsmitglied Swiss American Chamber of Commerce in Zürich. Selbstmord. Abschiedsbrief vorhanden, berichtet der Tagesanzeiger.

Juli 2013: Hussein Najadi, Gründer der Arabisch-Malaysischen Bankengruppe, Wurde auf einem Parkplatz in Kuala Lumpur von einem Schützen aus nächster Nähe erschossen. Ein Verdächtiger wurde im September 2013 festgenommen, berichtet The Star.

August 2013: Pierre Wauthier, Ex-JP Morgan Mitarbeiter, Finanzchef des Schweizer Versicherers Zürich. Selbsttötung im eigenen Haus. Er hinterließ zwei Abschiedsbriefe, berichtet das Manager Magazin.

September 2013: Guy Ratovondrahona, Chef der Notenbank von Madagaskar. Plötzlicher Tod mit unbekannter Todesursache, meldet die Notenbank von Madagaskar.

Oktober 2013: Ezdehar Husainat, Ex-JP Morgan Bankerin. Sie ist in ihrer Garage von ihrem eigenen Fahrzeug zerquetscht worden, berichtet The Daily Mail.

November 2013: Venera Minakhmetova, Ex-Finanzanalystin von Bank of America. Sie wurde in London von einem Bus überfahren, berichtet der London Evening Standard.

November 2013: Patrick Sheehan, Wells Fargo New York. Bei Autounfall in New York tödlich verunglückt, berichtet Bloomberg.

Dezember 2013: Joseph M. Ambrosio, Finanz Analyst bei JP Morgan. Plötzliche Atemwegserkrankung mit Todesfolge, berichtet Bloomberg.

Dezember 2013: Benjamin Idim, Banker der Diamond Bank in Nigeria. Bei einem Autounfall in New York tödlich verunglückt, berichtet Reuters.

Dezember 2013: Jason Alan Salais, Technologieanalyst von JP Morgan. Herzinfarkt mit Todesfolge, meldet Bloomberg.

Dezember 2013: Susan Hewitt, Ex-Vizepräsidentin der Deutschen Bank. Ertrank in einem Fluss am walisischen Bergpass Nant Ffrancon, berichtet BBC.

Dezember 2013: Robert Wilson, HedgeFondsmanager aus New York. Sprang aus seiner Wohnung in Manhattan aus dem 16. Stock, berichtet die Washington Post.

Januar 2014: Tim Dickenson, Kommunikations- und Marketing Chef der Versicherungsgesellschaft Swiss Re AG. Plötzlicher Tod. Doch die Todesursache ist unbekannt, berichtet The Australian.

Januar 2014: William „Bill“ Broeksmit, Ex-Risikomanager der Deutschen Bank. Wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Todesursache unbekannt, meldet Bloomberg.

Januar 2014: Karl Slym, Manager von India Tata Motors. Beging durch Sprung aus seinem Hotelzimmer in Bangkok Selbstmord, berichtet The Telegraph.

Januar 2014: Gabriel Magee, Vizechef für Investment und Technologie JP Morgan. Sprang vom Dach des 33-stöckigen europäischen Zentralgebäudes von JP Morgan in London aus dem Fenster, berichtet The Daily Mail.

Januar 2014: Mike Dueker, stellvertretender Vizepräsident der Fed in St. Louis und Chefökonom bei Russel Investments. Soll von einer Brücke in Washington gesprungen sein, meldet Bloomberg.

Februar 2014: Ryan Henry Crane, Aktienhändler bei JP Morgan. In seiner Wohnung in Connecticut tot aufgefunden. Die Todesursache wurde nicht veröffentlicht, berichtet Bloomberg.

Februar 2014: John Ruiz, Analyst bei Morgan Stanley. Zu Hause in New Jersey tot aufgefunden. Die Todesursache wurde nicht veröffentlicht, meldet Bloomberg.

Februar 2014: Richard Talley, Gründer von American Title Services in Centennial, Colorado. Soll sich selbst mit einer Nagelpistole getötet haben: Er hat sich mehrmals in den Oberkörper und in den Kopf geschossen, berichtet The Denver Post.

Februar 2014: Li Junjie, Buchhalter bei JP Morgan. Sprang von dem Dach des 30-stöckigen JP Morgan-Gebäudes in Hongkong, berichtet The Daily Mail.

Februar 2014: James Stuart Junior, Ex-Chef der National Bank of Commerce. In seinem Haus in Arizona tot aufgefunden. Die Todesursache wurde nicht veröffentlicht, meldet Journalstar.com.

Februar 2014: Autumn Radtke, Chef von First Meta – Handel mit Bitcoins. In seiner Wohnung in Singapur tot aufgefunden. Selbstmord wird vermutet, meldet The Daily Mail.

März 2013: Edmund Reilly, Aktienhändler bei Midtown’s Vertical Group. Sprang in New York vor einen fahrenden Zug, berichtet die New York Post.

März 2013: Mohammed Hamwi, IT-Spezialist der Finanzfirma Trepp in New York. Wurde auf offener Straße drei Mal in den Kopf geschossen, meldet die New York Post.

März 2014: Kenneth Bellandro, Ex-Banker von JP Morgan. Selbstmord durch Sprung aus seinem Wohnungs-Fenster in New York, berichtet The Daily Mail.

März 2014: Joseph Giampapa, JP Morgan Anwalt. Er starb in Columbus Ohio bei einem Unfall, berichtet das Economic Policy Journal.

April 2014: Jan Peter Schmittmann, Ex-Chef der Dutch Bank ABN Amro. Schnittmanns Leiche und die Leichen seiner Frau und Tochter wurden in seiner Wohnung in Amsterdam aufgefunden. Die Todesumstände sind ungeklärt, berichtet Bloomberg.

April 2014: Amir Kess, Mitgründer und Manager der Markstone Capital Group. Er war mit dem Fahrrad unterwegs und wurde in der Nähe der israelischen Ortschaft Hod Sharon überfahren, berichtet Haaretz.

April 2014: Jürgen Frick, Direktor der Liechtensteiner Bank Frick & Co. AG. Es auf ihn in der Nähe seiner Garage drei Mal geschossen. Er starb an den Folgen der Attacke. Der Schütze war Jürgen Hermann. Doch der begann nach der Tat Selbstmord. Seine Leiche wurde in einem Fluss gefunden, meldet Bloomberg.

April 2014: Tanji Dewberry Vizepräsidentin von WL Ross Investment in New York und stellvertretende Vizepräsi von Credit Suisse. Sie verbrannte mit ihrem Sohn in ihrem Haus in New Jersey, berichtet The Daily Mail.

April 2014: Benedict Philippens, Director der Bank Ans-Saint-Nicolas, wurde zusammen mit Frau und Kind von Unbekannten in seinem Haus erschossen, berichtet Reuters.

April 2014: Li Jianhua, Direktor der CBRC AfDB. Er starb an einer Herzattacke, meldet der Business Insider.

April 2014: Eine Französin namens Lydia von der France’s Bred-Banque-Populaire sprang in Paris aus einem Bürogebäude, berichtet International Business Times.

April 2014: Andrew Jarzyk, stellvertretender Vizepräsident der Commercial Banking der PNC Financial Services Group. Seine Leiche wurde im Hudson River aufgefunden. Ursprüngliche Todesursache ungeklärt, berichtet das New Jersey Journal.

Mai 2014: Thomas Schenkman, Manager von Global Infrastructure Engineering, JP Morgan. In seiner Wohnung tot aufgefunden. Er soll an einer Herzkrankheit gelitten haben, meldet das US-Lokalnachrichten-Portal Smithtown Matters.

Mai 2014: Naseem Mubeen, stellvertretender Präsident der ZBTL Bank, Islamabad. Sprang aus dem Fenster des Hauptquartiers seiner Bank, berichtet Pakistan Today.

Mai 2014: Nigel Sharvin, Manager bei der Ulster Bank in Belfast. Er war in Spanien auf einem Jungesellenabschied und verschwand im Laufe der Party. Am nächsten Tag wurde seine Leiche gefunden. Er soll ertrunken sein, berichtet der Belfast Telegraph.

Mai 2014: Daniel Leaf, Ex-Manager bei Bank of Scotland und Manager von Saracen Fund Managers. Beim Klettersport im schottischen Hochland tödlich verunglückt, berichtet Edinburgh News.

Juni 2014: Richard Gravino, Teamleiter für Anwendung und Entwicklung bei JP Morgan. Vertarb in Tampa Florida in seinem Haus. Die Todesursache ist unbekannt, berichtet der Herald Tribune.

Juli 2014: Julien Knott, Direktor bei JP Morgan. Er soll sich und seine Frau in seinem Haus in New Jersey erschossen haben, meldet die International Business Times.

Juli 2014: Nicolas Valtz, Chefmanager bei Goldman Sachs. Seine Leiche wurde an der Küste von Long Island gefunden. Er soll von seinem Surfbrett gefallen und ertrunken sein, berichtet Bloomberg.

August 2014: Steven Dowd, Chef der Finanzabteilung der CMS Bancorp in White Plains. Er ist plötzlich verstorben, meldet legacy.com. Es gibt keine weiteren Angaben zur Todesursache.

Oktober 2014: Calogero Gambino, Manager bei der Deutschen Bank. Wurde von seiner Frau erhängt aufgefunden. Er soll Selbstmord begangen haben, meldet Reuters.

November 2014: Shawn D. Miller, Citigroup-Geschäftsführer. Seine Leiche wurde in der Badewanne seiner Wohnung gefunden. Der Hals von Miller war komplett aufgeschnitten.

Dezember 2014: Geert Tack, Top-Banker der ING Group. Seine Leiche wurde an der Küste der belgischen Hafenstadt Ostende entdeckt. Todesursache ist ungeklärt. Tack wurde seit dem 5. November 2014 vermisst.

Dezember 2014: Der britische Investor Scot Young ist am 8. Dezember aus dem Fenster seines Londoner Penthouses gefallen und verstorben. Die Nachricht über sein Ableben wurde zwei Tage später bestätigt.

Januar 2015: Der US-amerikanische Hedgefonds-Manager Thomas Gilbert wurde in seiner Wohnung von seinem Sohn erschossen. Gilbert war Gründer des US-Hedgefonds Wainscott Capital Partners.

Januar 2015: Die Leiche des Bankers Michael Flanagan wurde am Donnerstag im Gebirge des britischen Lake District-Nationsparks aufgefunden. Es gab keine Anzeichen auf Fremdeinwirkung. Die Todesursache ist unklar.

Januar 2015: Der Banker Kirt Adlam wurde in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston in seinem PKW erschossen. Adlam war Banker bei der First Global Bank. Nach Angaben der Polizei handelt es sich offenbar um einen Auftragsmord.

Januar 2015: Der AIG-Banker Omar Meza wurde tot in einem Teich im kalifornischen Palm Desert gefunden. Er wurde seit acht Tagen vermisst. Er war Vize-Präsident der Abteilung Financial Services.

Januar 2015: Ein anonymer Banker der DZ Privatbank soll Selbstmord begangen haben. Der Banker soll in den vergangenen Jahren viele Kunden aus Deutschland betreut haben. Er arbeitete in der Offshore-Branche.

Es ist unbekannt, ob sich die Banker, die Selbstmord begangen haben, einer entsprechenden Therapie unterzogen haben. Solche Therapien sind vor allem im Fall von Depressionen mittlerweile sehr erfolgreich und können das Risiko eines Selbstmords deutlich senken (siehe dazu Informationen der Deutschen Depressionshilfe).

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Drohungen gegen Bundespräsident: FPÖ-Chef ruft Fans zur Ordnung
Drohungen gegen Bundespräsident: FPÖ-Chef ruft Fans zur Ordnung
Zahlreiche Internet-Nutzer haben auf der FPÖ-Website zur Gewalt gegen den gewählten Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen aufgerufen. FPÖ-Chef Strache rief die User und Anhänger zur Mäßigung auf.
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Nobert Hofer und Heinz-Christian Strache. (Foto: dpa)

Nobert Hofer und Heinz-Christian Strache. (Foto: dpa)

Nach zahlreichen Gewaltaufrufen gegen den gewählten österreichischen Bundespräsidenten auf Facebook hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache die User und Anhänger zur Besonnenheit und verbalen Abrüstung aufgerufen.

Strache schreibt auf Facebook:

Liebe Freunde und User!

Ich habe großes Verständnis dafür, dass viele von euch nach dem sehr knappen Wahlausgang enttäuscht sind. Und ich verspreche, dass wir Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Wahl sachlich prüfen und darauf angemessen reagieren werden. Jetzt gibt es ein demokratisches Wahlergebnis, das selbstverständlich anzuerkennen ist.

Leider haben in den letzten Tagen auf meiner Facebook-Seite viele User – Unterstützer beider Kandidaten – völlig unangemessen reagiert und Kommentare hinterlassen, die mit dem Respekt gegenüber der Demokratie und auch gegenüber den Kandidaten und ihren Wählern völlig unvereinbar sind.

Ich fordere daher alle, die sich hier an Diskussionen beteiligen, dringend zur Besonnenheit und zur Mäßigung auf.

Aufgrund der enormen Kommentarzahlen von meist über tausend pro Posting – unter denen sich wie gesagt leider zahlreiche indiskutable Äußerungen befinden – sehe ich mich gezwungen, viele meiner Einträge zur Bundespräsidentenwahl zu löschen. Das ist sehr schade, weil dadurch auch Diskussionen gelöscht werden, in denen Nutzer – Anhänger beider Kandidaten – in kultivierter Weise miteinander kommunizieren.

Daher nochmals mein dringender Appell zu einer Abrüstung der Worte!
Euer HC Strache

Der grüne Politiker Alexander Van der Bellen hatte die Wahl gegen den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer nach der Auszählung der Wahlkarten knapp gewonnen. Hofer sieht allerdings keinen Grund für eine Anfechtung des Ergebnisses der Bundespräsidentenwahl in Österreich. Es gebe keine Anzeichen für einen Wahlbetrug, sagte der 45-Jährige vor Beginn eines Treffens des FPÖ-Bundesparteivorstands am Dienstag in Wien.

Das Innenministerium nimmt laut Standard die Drohungen „sehr, sehr ernst“: Der Bundespräsident sei zwar bereits „generell unter Personenschutz gestellt, aber in diesem Fall ist der Schutz höher, als es normalerweise der Fall ist„. Es sei ein besonderes Sicherheitskonzept erarbeitet worden, das aber öffentlich aus naheliegenden Gründen nicht näher erläutert werde, schreibt die Zeitung.

Hofer hatte nur rund 31.000 Stimmen weniger als der von den Grünen unterstützte Alexander Van der Bellen bekommen. Fast 4,5 Millionen Bürger hatten am Sonntag in Österreich den neuen Staatschef gewählt.

Hofer rief die Österreicher auf, das Ergebnis zu akzeptieren und nicht zu streiten. Im Internet habe es teils heftige Bürgerreaktionen gegeben. «Aber alle sollen zusammenhalten», sagte Hofer.

Spekulationen, wonach er nach dem Rekordergebnis für die FPÖ von 49,7 Prozent selber Spitzenkandidat der Partei bei den nächsten Parlamentswahlen werden könne, erteilte er eine Absage. Zwischen ihm und Parteichef Heinz-Christian Strache passe kein Blatt Papier.

EU-Abgeordnete fordern Verbot von Monsanto-Übernahme durch Bayer
EU-Abgeordnete fordern Verbot von Monsanto-Übernahme durch Bayer
Die grünen EU-Parlamentarier Martin Häusling und Sven Giegold fordern die Europäische Kommission und die Bundesregierung auf, die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den deutschen Pharmakonzern Bayer zu verhindern. Die Marktmacht stelle eine Bedrohung für Europa dar.
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Monsanto kontrolliert heute bereits 27 Prozent des weltweiten Saatgut-Marktes, die drei größten Unternehmen zusammen 53 Prozent. (Grafik: EvB/ETC Group)

Monsanto kontrolliert heute bereits 27 Prozent des weltweiten Saatgut-Marktes, die drei größten Unternehmen zusammen 53 Prozent. (Grafik: EvB/ETC Group)

Die Brief der Abgeordneten im Wortlaut:

Marktmacht-Konzentration bedroht die strukturelle Vielfalt, Wahlfreiheit und Zukunft der europäischen Landwirtschaft und
Lebensmittelerzeugung: Übernahme von Monsanto durch Bayer AG ablehnen

Sehr geehrte Kommissarin Margrethe Vestager, sehr geehrter Minister Sigmar Gabriel, sehr geehrter Präsident Andreas Mundt,

mehreren Medienberichten zufolge hat der deutsche Konzern Bayer ein Angebot zur Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto vorgelegt.
Eine Einigung könnte bereits in den nächsten Tagen erfolgen.

Als agrarpolitische und finanzpolitische Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament appellieren wir an Sie, den Kauf zu untersagen.

Eine Marktmacht-Konzentration solchen Ausmaßes ist eine existentielle Bedrohung der bereits eingeschränkten Wettbewerbsstrukturen im europäischen Agrarmarkt, der Wahlfreiheit in der landwirtschaftlichen Erzeugung sowie in der Folge der Verbraucher.

Seit Jahren erlebt Europa eine zunehmende Machtkonzentration im Saatgut- Markt zugunsten einzelner Konzerne. So werden 95 % des europäischen Gemüsesaatgut-Sektors von fünf Großunternehmen gesteuert. Durch den Kauf von Monsanto durch die Bayer AG wären es nur noch vier.

Eine Studie unsere Fraktion zur Konzentration von Marktmacht und auf dem EU-Saatgutmarkt[i] entkräftet damit die verbreitete irreführende Darstellung, dass die Erzeugung und Bereitstellung von Saatgut in der EU überwiegend durch kleinere und mittlere Unternehmen erfolge.
Unmittelbare Folgen sind eine Einschränkung der Saatgut- und Sortenvielfalt sowie Forschungsausrichtung, eine steigende Abhängigkeit von wenigen Anbietern sowie steigende Preise (ca. 30 % im Verlauf der letzten zehn Jahre).

Es liegt auf der Hand, dass die Übernahme des Saatgut-Marktführers Monsanto durch das Leverkusener Unternehmen zu einer weiteren Marktmachtkonzentration, Verdrängung anderer Erzeuger und damit fortschreitenden wettbewerblichen Einschränkung – nicht nur in der EU, sondern auch weltweit – führt.

Damit wächst Europas politische Verantwortung für den stetigen Rückgang der genetischen Vielfalt in der landwirtschaftlichen Kultur und Natur.
Dies widerspricht diametral den politischen Verpflichtungen, den die Europäische Union international, innereuropäisch, aber auch auf Ebene der Mitgliedsstaaten eingegangen ist, um den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen und entgegen zu wirken.

Sehr geehrte Frau Kommissarin,
sehr geehrter Herr Bundesminister,
sehr geehrter Herr Präsident,

wie Ihnen bekannt ist der Agrochemie-Konzern Monsanto darüber hinaus ein führender Produzent von Pestiziden und gentechnisch veränderten Pflanzen. Die derzeitige Debatte um die Wiederzulassung des Ackergiftes Glyphosat zeigt, dass europäische Verbraucher agrarindustriellen Methoden zunehmend skeptisch gegenüber stehen und fordern eine stärkere Orientierung der Politik an ihren statt wirtschaftlicher Interessen, wenn Umwelt und Gesundheit von Mensch und Tier Schaden nehmen könnten.

Ein Kauf von Monsanto würde von der europäischen Bevölkerung unweigerlich als eine Aufwertung eines agrarindustriellen Kurses einer europäischen Agrarpolitik und ihrer Interessen verstanden werden.

Wir erlauben uns daher, Sie zu bitten, der Übernahme des Konzerns Monsanto durch die Bayer AG sowohl aus wettbewerbsrechtlichen als auch politischen Gründen die Zustimmung zu verweigern. Die Instrumente der europäischen Fusionskontrolle müssen hart und vollständig angewandt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Häusling
Sven Giegold

Rückschlag: USA können bei niedrigen Gas-Preisen nicht mit Russland mithalten
Rückschlag: USA können bei niedrigen Gas-Preisen nicht mit Russland mithalten
Die US-Strategie, Russland aus dem europäischen Energiemarkt zu verdrängen, ist bisher offenbar nicht von Erfolg gekrönt. Die niedrigen Preise machen den Weltmarkt für die Amerikaner unattraktiv. Sie produzieren zu teuer – und können daher mit den Preisen der Russen nicht…
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Vize-Präsident Joe Biden mit Präsident Barack Obama. (Foto: dpa)

Vize-Präsident Joe Biden mit Präsident Barack Obama. (Foto: dpa)

Die Gaspreise befinden sich in einem langfristigen Abwärtstrend. (Grafik: ariva.de)

Die Preise für Gas befinden sich in einem langfristigen Abwärtstrend. (Grafik: ariva.de)

Amerikanische Gasproduzenten versuchen, etablierten Anbietern wie Russland, Katar und Australien weltweit Marktanteile streitig zu machen. Möglich wurde dies durch die Fördermethode Fracking, bei der das Erdgas mithilfe einer Chemikalienmischung aus der Erde gelöst wird. Dem Vorstoß liegen auch geopolitische Ziele der USA zu Grunde: So soll die Abhängigkeit Europas von russischem Gas reduziert werden, um den politischen Einfluss Moskaus zurückzudrängen.

Dem amerikanischen Expansionswunsch sind jedoch hohe Hürden gesetzt und nennenswerte Erfolge blieben bislang aus, wie die Nachrichtenplattform oilprice.com schreibt. Zwar hat die EU-Kommission unlängst ihren Willen bekräftigt, verflüssigtes Gas aus den USA importieren zu wollen und erste Schiffsladungen sind inzwischen auch in Europa eingetroffen, eine breit angelegte Export-Offensive dürfte jedoch an den aktuellen Marktbedingungen scheitern.

Ebenso wie auf dem Ölmarkt herrscht auch bei Gas ein hohes Überangebot und die Preise sind dementsprechend niedrig. Auf Sicht eines Jahres sind sie um rund 30 Prozent gesunken, in den vergangenen fünf Jahren sogar um rund 50 Prozent. Entsprechend schwer fällt es der im internationalen Vergleich relativ kostenintensiven Fracking-Industrie, Vorstöße zu machen, die nicht sofort durch Preissenkungen der etablierten Konkurrenten gekontert werden könnten.

Erschwerend kommt hinzu, dass die US-Produzenten ihr Gas zuerst verflüssigen müssen, um es dann per Schiff an seinen Zielort zu bringen – was den Kostennachteil noch vergrößert. Der russische Gazprom-Konzern hingegen kann das Gas direkt durch Pipelines an seinen Bestimmungsort in Europa oder Asien leiten.

In den USA entsteht gegenwärtig eine Infrastruktur für die Verflüssigung und Verschiffung von Gas. Hoffnungen, dass diese Investitionen durch steigende Gaspreise gerechtfertigt werden, haben sich bisher nicht erfüllt – obwohl in den vergangenen drei Monaten analog zum Erdöl eine leichte Erholung einsetzte. Die Barclays Bank geht in einer Analyse von einem dauerhaften Überangebot in Europa und entsprechend tiefen Preisen aus. „Wenn die europäischen Gaspreise noch weiter fallen wird es für US-Gas unmöglich sein, mit den gegenwärtigen Anbietern zu konkurrieren, welche ein gut ausgebautes Pipeline-System nutzen, um Gas günstiger als per Schiff nach Europa zu bringen“, schreibt oilprice.com.

Erdogan lässt Merkel abblitzen: Kein Nachgeben im Krieg gegen Terror
Erdogan lässt Merkel abblitzen: Kein Nachgeben im Krieg gegen Terror
Der türkische Präsident Erdogan hat Bundeskanzlerin Merkel klargemacht, dass er zu keinerlei Konzessionen im Krieg gegen den Terror bereit sei. Die EU will weiter auf einer Entschärfung der türkischen Terror-Gesetze beharren. Merkel räumte ein, dass die Visafreiheit bis zum Juni…
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Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem türkischen Präsidenten Erdogan am Montag in Istanbul. Erdogan will im Kampf gegen den Terror nicht nachgeben. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem türkischen Präsidenten Erdogan am Montag in Istanbul. (Foto: dpa)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in Istanbul unnachgiebig gezeigt, was die Veränderung der umstrittenen Anti-Terror-Gesetze anlangt. Die Zeitung Hürriyet berichtet: „Erdogan machte bei dem Treffen deutlich, dass die Türkei unter keinen Umständen zu Konzessionen im Kampf gegen den Terrorismus bereit sei. Merkel zeigte Verständnis für diese Haltung.

Er forderte sowohl in der Flüchtlings-Frage als auch beim Kampf gegen ISIS eine gerechte Lastenverteilung. Merkel und Erdogan kamen darin überein, das der EU-Türkei-Deal seine ersten Früchte bringe und der illegale Zustrom zurückgehe. Zudem beschlossen sie angesichts der Luftschläge des Assad-Regimes auf Aleppo stärker zusammenzuarbeiten.“

Merkel hatte am Montag an dem World Humanitarian Summit in Istanbul teilgenommen. Merkel würdigte die türkischen Anstrengungen und lobte, dass die Türkei die meisten Bedingungen für das Flüchtlingsabkommen mit der EU umgesetzt habe. Der Erfolg sei daran abzulesen, dass nur noch wenige Flüchtlinge in Griechenland ankämen und es in der Ägäis kaum noch zu Todesfällen komme.

Vor ihrer Türkei-Reise hatte Merkel der Zeitung Türkiye gesagt: „Ich kenne Erdogan seit Jahren. Ich schaue mir die Versprechungen an und sehe, dass sie alle von der Türkei eingehalten wurden. Der Deal ist im Interesse aller Seiten. Die Türkei ist ein wichtiger Partner und Nachbar der EU.“

Auf Nachfrage, was sie von Erdogans Kritiken an der EU hält, antwortete die Kanzlerin: „Es ist nicht mein Metier, psychologische Analyse zu betreiben. Die Türkei hat in den vergangenen Jahren einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung verzeichnet. Der türkische Staatschef hat einen großen Anteil daran.“

Der türkische Sender NTV berichtet, dass Merkel bei ihrem Besuch auf die 72 Kriterien hingewiesen habe, die wichtig sind für die Visaliberalisierung für Türken.

„Ich habe Staatschef Erdogan gesagt, dass die Türkei ein starkes Parlament braucht. Ich habe auch ganz offen die Wichtigkeit der Gewaltenteilung und die Unabhängigkeit der Medien betont. Die Aufhebung der Immunität von ein Viertel der Abgeordneten finde ich besorgniserregend und habe das auch so kundgetan“, zitiert Fortune Türkiye Merkel.

Das Treffen zwischen Erdogan und Merkel soll etwa eine Stunde gedauert haben, meldet die Milliyet.

Die EU und Bundeskanzlerin Angela Merkel sehen keine Möglichkeit mehr, die Visafreiheit für Türken bis Ende Juni einzuführen – setzen aber weiter auf das vereinbarte Flüchtlingsabkommen. „Ich habe den Eindruck, dass dieses Abkommen in beiderseitigem Interesse ist“, sagte Merkel am Montag in Istanbul nach einem Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Ähnlich äußerte sich Erdogans Büro. Die EU-Bedingung, dass die Türkei ihre Anti-Terror-Gesetze anpasst, bleibt aber umstritten.

Die EU-Kommission ließ am Montag deshalb den Zeitpunkt der Visafreiheit für Türken in der EU offen. „Wahrscheinlich ist das Datum nicht so wichtig, so lange wir es richtig machen“, sagte am Montag der Chefsprecher der Kommission, Margaritis Schinas. Die Beratungen dazu dauerten an, und die EU-Kommission werde sicherstellen, dass alle Voraussetzungen für die Aufhebung der Visumspflicht erfüllt würden. In den vergangenen Wochen hatte die Behörde stets betont, sie wolle die Visafreiheit bis Ende Juni in trockenen Tüchern haben. Die Bundesregierung rechnet einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge erst 2017 mit der Visafreiheit für türkische Bürger.

Nach heftiger Kritik aus der CSU verteidigte Merkel das Abkommen erneut. Dieses verpflichtet die Türkei, die nach Griechenland über die Ägäis kommenden Flüchtlinge zurückzunehmen. Im Gegenzug nimmt die EU direkt syrische Flüchtlinge aus der Türkei auf und zahlt in zwei Schritten bis zu sechs Milliarden Euro für die Versorgung der Flüchtlinge. Zudem wird der Türkei Visafreiheit gewährt, wenn es alle Anforderungen der EU erfüllt. Bisher sind nach Angaben der EU-Kommission im Rahmen der Vereinbarungen von März 441 Migranten aus Griechenland in die Türkei zurückgebracht worden. Zugleich habe die EU 280 Syrer direkt aus der Türkei aufgenommen.

Merkel sagte erneut zu, in einem späteren Schritt syrische Kontingentflüchtlinge aus der Türkei aufzunehmen. Erdogans Vorwurf, die EU habe nachträglich die Forderung nach einer Änderung der Anti-Terror-Gesetze aufgestellt, konterte sie aber mit dem Hinweis, dass die Kriterien für die Visafreiheit bereits im November 2013 von beiden Seiten einvernehmlich festgelegt worden seien. In der Bundesregierung wurde darauf verwiesen, dass dies von Erdogan selbst ausgehandelt worden sei.

Erschwert wird die Debatte durch das Vorgehen des Präsidenten gegen die türkische Opposition. Das türkische Parlament hatte vorige Woche die Aufhebung der Immunität von mehr als hundert Abgeordneten beschlossen, die mehrheitlich der prokurdischen HDP und der ebenfalls oppositionellen CHP angehören. Sowohl Merkel als auch der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, äußerten sich besorgt darüber.

Kampf in der Auto-Industrie: Deutschland gegen Italien
Kampf in der Auto-Industrie: Deutschland gegen Italien
Zwischen Deutschland und Italien zeichnet sich ein Industrie-Konflikt ab. Es geht im Kern um die Automobilstandorte in Europa. Deutschland versucht, VW zu schützen - die Italiener dürften sich für Fiat in die Bresche werfen.
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Bundeskanzlerin Merkel und Italiens Matteo Renzi, bei der Parade in Rom. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Merkel und Italiens Matteo Renzi, bei der Parade in Rom. (Foto: dpa)

Zwischen Deutschland und Italien zeichnet sich ein Konflikt um die Standorte der Automobilindustrie ab. Die FT berichtet, dass sich der italienische Fiat-Konzern in den deutschen Ermittlungen zu angeblich abweichenden Abgaswerten noch unkooperativ zeigt. Der Konzern teilt am Montag mit, dass sich das Unternehmen an alle EU-Regeln halte und dass die italienischen Regulatoren zuständig seien und nicht die deutschen.

Fiat-Chrysler hat allerdings allen Grund zur Nervosität: Mit minus 5,11 Prozent zeigten sich die Papiere von Fiat Chrysler an der New Yorker Börse NYSE am Montag sehr schwach.

Im Streit um die Abgaswerte bei Fiat hat das deutsche Bundesverkehrsministerium am Montag die italienischen Behörden für weitere Konsequenzen eingeschaltet. Konkret geht es um den Verdacht, dass die Abgasreinigung bei einigen Fiat-Modellen nach einer bestimmten Zeit heruntergeregelt wird.

Die FT berichtet, dass Deutschland Italien drohe, den Verkauf der Fiat-Chrysler Modelle in Deutschland zu untersagen, wenn die Abgaswerte tatsächlich nicht den EU-Normen entsprechen.

Nach Bekanntwerden möglicher Unregelmäßigkeiten bei der Abgasreinigung von Fiat-Modellen hatte das Bundesverkehrsministerium den italienischen Behörden Messergebnisse zu Fiat-Fahrzeugen übermittelt. „Die italienischen Typzulassungsbehörden sind aufgefordert, die Ergebnisse zu bewerten und Maßnahmen zu ergreifen“, erklärte ein Ministeriumssprecher am Sonntag in Berlin laut AFP. Fiat hatte eine Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden vergangene Woche abgelehnt und sich auf eine alleinige Zuständigkeit der nationalen Kontrolleure berufen.

Hintergrund sind Tests bei Dieselfahrzeugen in- und ausländischer Hersteller, die das Bundesverkehrsministerium nach Bekanntwerden der Abgas-Affäre bei Volkswagen angeordnet hatte. Dabei waren auch bei Fiat Unregelmäßigkeiten bei der Abgasbehandlung festgestellt worden.

Laut Bild-Zeitung soll Fiat Chrysler bei Abgastests mit einer illegalen Software betrogen haben. Mehrere Prüfungen durch das Kraftfahrt-Bundesamt bestätigten demnach den Verdacht, dass in den Fahrzeugen die Abgasreinigung jeweils nach 22 Minuten vollständig abschalte.

Hintergrund ist das Eingeständnis des Bundesverkehrsministeriums, wonach bei Abgasmessungen 30 von 53 untersuchten Automodellen auffällig hohe CO2-Werte aufwiesen. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse lehnt das Ministerium jedoch bisher unter Hinweis auf noch laufende weitere Untersuchungen ab.

Der Konflikt illustriert die zunehmenden Spannungen in der europäischen Automobilindustrie. Es geht um die Verteidigung von Marktanteilen in einem sich rasch wandelnden technologischen Umfeld. In guten Zeiten waren die Risse noch nicht sichtbar geworden: Doch seit Jahren beschweren sich die italienischen Auto-Hersteller über das heftige Lobbying der Deutschen bei der EU. Daher hatten Italiener und Franzosen die Enthüllungen der VW-Affäre mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis genommen.

Deutschland könnte nun mit dem Angriff auf Italien versuchen, aus der Defensive zu kommen und den Schaden aus der VW-Affäre zu begrenzen.

US-Stratege Friedman: Die Nato besteht weiter, auch wenn die EU zerfällt
US-Stratege Friedman: Die Nato besteht weiter, auch wenn die EU zerfällt
Der Geostratege George Friedman hält die Idee einer EU-Armee für ein Fantasie-Gebilde. Die Europäer sind zu zerstritten und wiegen sich in der Illusion, dass es keine Bedrohung gäbe. Eine EU-Armee wäre nur unter deutscher Führung möglich - eine für die…
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Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. (Foto: dpa)

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. (Foto: dpa)

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: US-Präsident Obama sagte bei seinem letzten Deutschland-Besuch, dass die EU bei den eigenen Rüstungsausgaben etwas selbstgefällig gewesen sei. Er fordert eine Erhöhung des Verteidigungsbudgets der EU-Staaten. Wie würde sich das auf die Nato auswirken, wenn seinem Wunsch Folge geleistet wird?

George Friedman: Die Nato teilt die Krankheit der EU. Der NATO fehlt es an einem Konsens darüber, was nötig ist. Zudem fehlt es der NATO in der EU und in den USA an der notwendigen Unterstützung oder einer Führungsrolle. Kürzlich hat sie Montenegro erlaubt, dem Bündnis beizutreten. Ich denke nicht, dass sich die Europäer – auch in Bezug auf ihre Mitgliedschaft – über ihre Verpflichtungen im Klaren sind. Die USA hingegen kennen ihre Verpflichtungen. Das ist das fundamentale Problem. Die NATO ist ein Militärbündnis. Viele europäische Länder haben keine wirklichen Armeen. Europa hat 200 Millionen Menschen mehr als die USA und ein größeres BIP. Es sollte eine militärische Kraft haben, die mindestens dem der Amerikaner ebenbürtig ist. Doch das werden die Europäer nicht machen. Deshalb glaube ich, dass die USA überdenken werden, ob die NATO im nationalen Interesse der USA  ist. Ich denke, dass die Europäer amerikanische Einmischung in Fragen der europäischen Sicherheit für selbstverständlich halten. Dies ist meiner Meinung nach ein großer Fehler. Die Bereitschaft der USA, die Sicherheit Montenegros ohne gleichwertige Anstrengungen der Europäer zu garantieren, untergräbt die Unterstützung für die Nato in einer dramatischen Art und Weise.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Auf der einen Seite stehen wir vor einer Zersplitterung der EU, aber auf der anderen Seite appellieren Obama und auch einige europäische Politiker an die Einheit in Europa.

George Friedman: Was Politiker wollen und was passiert, sind zwei verschiedene Dinge. Die EU ist nicht mehr angepasst an die Bedürfnisse und Interessen vieler seiner Mitglieder. Südeuropa befindet sich in einer Phase der Depression. Der Osten hat Angst vor Russland. Großbritannien denkt an den Brexit, weil es wenig Vertrauen in die europäischen Institutionen und nicht daran glaubt, dass diese die britischen Bedürfnisse berücksichtigen. Grundlegende Veränderungen in der Funktionsweise der EU werden benötigt. Aber die meisten Nationen, insbesondere Deutschland, sind nicht bereit sind, zu erkennen, dass die Art und Weise wie die EU organisiert wurde, der eigentliche Defekt ist. Das liegt daran, weil es den Nationen in der EU relativ gut ging. Einige wiederum sahen ihre Bedürfnisse nicht erfüllt. Es spielt wirklich keine Rolle, was die Politiker sagen. Es zählt nur, was sie wirklich tun. Und die Europäer sind durch ihre Vielfalt gelähmt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was wird mit der EU geschehen, wenn die EU-Mitgliedsstaaten ihre Rüstungsausgaben tatsächlich erhöhen?

George Friedman: Dann würde Europa eine starke Armee haben. Und deshalb werden sie – davon gehe ich aus – damit beginnen, die Verantwortung für die Bedrohungen um sich herum zu übernehmen. Das aktuelle Muster läuft so, dass die Europäer mehr Aktionen fordern, die USA dieser Aufforderung folgen und Verantwortung übernehmen und die Europäer sich dann über die „amerikanische Härte“ kritisieren. Wenn die Europäer eine dynamische militärische Kraft entwickeln, wird sich die Dynamik ändern. Die Europäer werden keine großen Verpflichtungen für eine signifikante militärische Größe eingehen. Aber viel wichtiger ist, dass es keine integrierte EU-Armee geben wird. Die Idee von einer EU-Armee gehört in die Fantasiewelt. Einige Länder, wie Polen, werden Geld ausgeben, aber Portugal nicht. Es gibt keinen Zustand, in dem Europa gemeinschaftlich auf die Verteidigung setzt. Einzelne Länder werden dies tun, aber nicht die EU als Ganzes.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die USA fordern von der EU, dass sie die finanzielle Belastung im Rahmen der Nato teilt. Doch diese militärische Aufrüstung muss einen Gegner haben. Wer soll der Gegner sein?

George Friedman: Jedes Mitglied der NATO ist verpflichtet, ausreichend Militär zu betreiben und zu führen, um den strategischen Interessen der Nato zu dienen. Natürlich hat die Nato an dieser Stelle keine sinnvolle Strategie für Russland oder den Nahen Osten. Aber wir sollten nicht vergessen, dass die EU nur eine wirtschaftliche Vereinbarung ist. Die militärische Kooperation steht hier nicht im Vordergrund. Die USA erwarten weder ein EU- noch ein Nato-Engagement. Stattdessen setzen die USA auf bilaterale Abkommen, wie mit Polen oder Rumänien.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie würden die Beziehungen zwischen der Nato und einer EU-Armee sein?

George Friedman: Nochmal, ich denke nicht, dass es eine EU-Armee geben wird. Die EU kämpft um ihr Überleben. Sie wird keine integrierte militärische Kraft haben. Für die Nato hingegen sind die Regeln eindeutig. Die einzelnen Länder sind Mitglieder und jeder muss einen bestimmten Teil seines Budgets für die NATO bereitstellen. Das hat wirklich nichts mit der EU zu tun. Die Zusammenarbeit läuft über Deutschlands oder Italiens Vertragsverpflichtungen gegenüber der NATO.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist es aber prinzipiell möglich, eine EU-Armee zu gründen, die völlig unabhängig von der NATO agiert?

George Friedman: Natürlich ist es möglich. Das hat etwas damit zu tun, verbindliche EU-Regeln aufzustellen, denen die Mitglieder auch wirklich Folge leisten. Es ist möglich, aber es wird nicht passieren. Nachdem wir ja gesehen haben, wie die EU mit den wirtschaftlichen Fragen umgegangen ist, wird kein Land seine Sicherheit der EU übertragen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie wird Russland auf die Erhöhung der Rüstungsausgaben der EU-Staaten reagieren?

George Friedman: Russland wird harte Aussagen treffen. Russland steht vor ernsten wirtschaftlichen Problem und gelangt an seine Grenzen bei den Verteidigungsausgaben. Das bedeutet aber auch, dass Russland keine militärische Antwort hat. Die Russen werden wütend sein und Drohungen aussprechen. Doch Russland kann militärisch nicht viel machen. Länder wie Deutschland hingegen wollen einen Konflikt vermeiden, falls dies möglich ist.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die Bundesregierung unterstützt die Idee der Gründung einer EU-Armee. Deutschland will eine führende Rolle bei dieser Angelegenheit spielen. Was bedeutet das für Kontinentaleuropa, wenn man bedenkt, dass Deutschland das europäische Gravitationszentrum ist?

George Friedman: Wenn dies tatsächlich stattfinden sollte, wird es eine Armee unter deutscher Kontrolle sein. Und genau das ist der Grund, warum es nicht dazu kommen wird. Können sie sich vorstellen, dass Frankreich oder Polen eine derartige Entwicklung begrüßen würde? Die Polen, Franzosen und andere EU-Staaten würden wollen, dass Deutschland eine untergeordnete Rolle im Rahmen einer EU-Armee spielt. Das wiederum würden die Deutschen nicht akzeptieren.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Nun befinden sich mehrere Staaten in der Finanz- und Wirtschaftskrise. Ist es finanziell überhaupt möglich, dass diese Nationen ihre Verteidigungsbudgets erhöhen können?

George Friedman: Ja, es ist möglich. Das ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Denken sie an Anfang 2000. Damals gab es keine Krise und die EU-Staaten wollten trotzdem ihre Rüstungsausgaben nicht erhöhen. Es gibt Annahmen, die die europäische Verteidigung betreffen. Eine davon ist die Überzeugung, dass Europa keine Sicherheitsbedrohungen hat. Die andere ist die Überzeugung, dass die USA allein die Verantwortung für Sicherheitsfragen übernehmen werden. Weder die eine noch die andere Annahme ist gültig.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sind die osteuropäischen und baltischen überhaupt fähig, ihre Rüstungsausgaben über zwei Prozent des BIPs zu erhöhen?

George Friedman ist Vorsitzender und Gründer der Firma Global Futures. (Foto: G. Friedman)

George Friedman ist Vorsitzender und Gründer der Firma Global Futures. (Foto: G. Friedman)

George Friedman: Ich habe die Polen gefragt, ob sie ihre Rüstungsausgaben im Jahr 1935 auf 20 Prozent des BIPs erhöht hätten, wenn sie gewusst hätten, welcher Horror auf sie zwischen 1939 bis 1989 wartete? Die Antwort war natürlich, dass sie es gemacht hätten, wenn sie es gewusst hätten. Damals glaubten sie, dass Frankreich und Großbritannien sie retten würde, oder dass Deutschland und die Sowjets keine so große Bedrohung seien. Israel und Saudi-Arabien haben beide massiven Verteidigungsbudgets, weil sie verstehen, was passieren könnte. Das Hemmnis die Rüstungsausgaben in Europa zu erhöhen, besteht darin, dass die Europäer der Fantasie folgen, dass seit dem Ende des Kalten Kriegs keine Bedrohung mehr vorhanden sei und die jahrhundertelangen Konflikte vorbei seien. Das ist absurd, aber das ist die Ansicht der Europäer. Es gibt keine wirtschaftliche Hürde, damit die Europäer ihre Rüstungsausgaben erhöhen. Es liegt ein Fehler in der Wahrnehmung der Europäer vor.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Rolle wird die Türkei spielen, die auch Mitglied der Nato und ein EU-Beitrittskandidat ist?

George Friedman: Es ist das Glück der Türkei, dass sie aus der EU ausgeschlossen wurde. Sonst würde das Land das Schicksal der südeuropäischen Staaten teilen. Es wird zwar über den EU-Beitritt diskutiert werden. Doch es wird keinen EU-Beitritt geben. Tatsache ist, dass die Türkei eines der stärksten Armeen in Europa hat. Sie verfügt über eine erhebliche Armee. Es ist ein Nato-Mitglied und wie alle anderen Nato-Staaten richtet sie ihre Rüstungsausgaben für die kollektive Verteidigung nach ihren eignen Interessen. Die Türkei bekommt relativ wenig militärische Unterstützung von den europäischen Staaten. Daran wird sich auch nichts ändern.

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George Friedman ist Vorsitzender und Gründer der Firma Global Futures, die auf geopolitische Prognosen spezialisiert ist. Davor war Friedman Vorsitzender der globalen nachrichtendienstlichen Firma Stratfor, die er im Jahr 1996 gegründet hatte. Er ist der Autor von sechs Büchern, zu denen auch die New York Times Bestseller „The Next Decade and The Next 100 Years“ und „Flashpoints: The Emerging Crisis in Europe“ gehören.

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