Milchpreise stürzen ab: Bauern müssen zusperren

In Deutschland müssen zahlreiche Milchbauern aufgrund des fallenden Milchpreises ihre Höfe schließen. Verantwortlich für den Preisverfall sind die großen Handelsketten, die den Milchpreis kontinuierlich drücken. Beim internationalen Tag der Milch am kommenden Montag wollen die Bauern mit Mahnfeuern auf ihr Problem aufmerksam machen.

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Deutschlands Milchbauern und Molkereien werben am kommenden Montag wieder mit einem bundesweiten Tag der Milch. Die Preise sind allerdings zuletzt deutlich gefallen, das Hofsterben geht fast ungebremst weiter: Allein von Mai bis November 2014 machten laut Statistischem Bundesamt bundesweit 1200 Milchviehbetriebe zu.

Die Erlöse der Bauern sind nach zwei starken Jahren 2013 und 2014 mit an die 40 Cent pro Liter Milch geradezu abgestürzt, ohne dass schnelle Entlastung in Sicht wäre. Sie lägen schon unter 30 Cent und fielen weiter, sagt der Marktexperte Erhard Richarts vom Informations- und Forschungszentrum der Ernährungswirtschaft. „Das kehrt sich nicht so schnell um. Die Baisse verfestigt sich.“

Die Milcherzeuger stehen unter enormem Druck durch die großen Handelsketten. Bei der jüngsten Verhandlungsrunde hätten die Ketten die Frischmilchpreise um rund zehn Prozent gedrückt, klagt der Deutsche Bauernverband. Die Discounter senkten danach Anfang Mai die Preise für Milch, Butter und Sahne teils erheblich – etwa für das 250-Gramm-Paket-Markenbutter von 99 auf 89 Cent und für den Liter Vollmilch von 59 auf 55 Cent.

Das freut viele Konsumenten. Aber die Kosten der noch rund 75 000 deutschen Milchbauern seien mit diesen Erlösen kaum noch zu decken, kritisiert der Bauernverband. Schließlich erforderten die hohen Qualitätsstandards und ein moderner Tierschutz erhebliche Investitionen.
Den europaweiten Wegfall der Milchquoten seit dem 1. April sehen Experten nicht als direkte Ursache für den Preisabsturz. Anders als in Nachbarländern wie den Niederlanden oder Polen seien die deutschen Produktionsmengen nicht auffällig angestiegen, sagt der Marktanalyst Andreas Gorn von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Dennoch herrscht Milch-Überfluss in Deutschland: Schon 2013 produzierte die Branche fast ein Fünftel mehr als für den eigenen Bedarf nötig.

Auf einem gesättigten Markt hielten sich die Erzeuger von Milchprodukten wie Butter, Käse, Milchpulver oder Yoghurt mit ihren Bestellungen bei den Molkereien derzeit zurück, weil sie auf noch weiter fallende Preise spekulierten, sagt Gorn.

Drei Cent pro Liter bleibe den Milchbauern im bundesweiten Schnitt aktuell noch an Erlös, rechnet Hans Foldenauer vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter vor – für Arbeitslohn, Kapitaldienst, Erhalt der Gebäude, Investitionen und den notwendigen Betriebsgewinn viel zu wenig. Die Situation ähnele langsam dem Milchpreiskampf von 2008/2009, als Bauern europaweit mit Lieferboykott-Aufrufen und Traktorsternfahrten gegen massiven Preisdruck des Handels demonstriert hatten. Zum Tag der Milch wollen die Bauern mit Mahnfeuern zum Beispiel in Ulm auf ihre Misere aufmerksam machen.

Das Sterben der Höfe dürfte sich angesichts der schlechten Erlöse wieder deutlich beschleunigen, erwarten alle Experten. Vor allem Nebenerwerbs-Landwirten im Süden droht damit in großer Zahl das Aus.

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