Apple, Microsoft und Google halten Cash in Rekordhöhe

US-Riesen wie Apple, Microsoft oder Google halten Cash in Milliardenhöhe und bauen diesen Bestand sogar weiter aus. Die Reserven werden hauptsächlich im Ausland gehalten. Dem US-amerikanischen Fiskus entgehen dadurch Unmengen an Steuereinnahmen.

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US-Firmen halten mehr Geldreserven als je zuvor. Die Summe ist höher als das vom „Forbes“-Magazin geschätzte Vermögen der 70 reichsten Menschen der Welt zusammen und übersteigt den gesamten Börsenwert aller im deutschen Leitindex Dax gelisteten Unternehmen. 1,73 Billionen Dollar (1,6 Bio Euro) hielten US-Unternehmen, die nicht zum Finanzsektor gehören, Anfang 2015 laut Berechnungen der Ratingagentur Moody’s an flüssigen Mitteln. Das waren vier Prozent mehr als im Vorjahr. Die Summe stellt einen Rekordwert dar.

„Der Tech-Sektor hält das meiste Cash, gefolgt von der Gesundheits-, Pharma- und Energiebranche“, erklärt Moody’s-Analyst Richard Lane. Einer Studie der US-Notenbank Federal Reserve zufolge haben börsennotierte US-Konzerne ihre Vorräte schon seit der Erholung von der Finanzkrise 2008 massiv erhöht. Dabei spielen Steuern eine wichtige Rolle. 1,1 Billionen Dollar – 64 Prozent der Cash-Reserven – befanden sich zum Jahreswechsel laut Moody’s im Ausland. „Wenn Firmen die Gewinne, die sie im Rest der Welt machen, in die USA zurückbringen, werden sie relativ stark besteuert“, heißt es in der Fed-Analyse.

Bis zu 35 Prozent der internationalen Erträge wandern auf der Heimreise in die USA an den Fiskus. Deshalb ist der Anreiz für US-Konzerne hoch, die Mittel auf Konten im Ausland zu lassen. Die Unternehmen mit den höchsten Barreserven sind global aufgestellt – sie machen einen großen Teil ihres Umsatzes außerhalb der US-Grenzen, wo sie folglich auch die meisten Cash-Vorräte behalten.

Diese Strategie zur Steuervermeidung – aber auch die vergleichsweise hohe Besteuerung der Auslandseinnahmen an sich – ist umstritten und in den USA ein Politikum. Immer mehr Konzerne verlegen ihren Sitz ins Ausland, um dem Fiskus zu entkommen. Bei vielen Übernahmeplänen war dieses Kalkül in den vergangenen Jahren ein Faktor. Mit niedrigen Abgaben buhlen kleine Steueroasen wie Bermuda oder die Caymans, aber auch EU-Staaten wie Irland oder Luxemburg, um internationale Konzerne.

Vor allem für Technologie- und Pharmafirmen ist es einfach, ihr Einkommen dort zu verbuchen, wo die Steuern niedrig sind. Ihre Gewinne stammen häufig aus geistigem Eigentum, dessen Quelle und damit der Ort, an dem die Steuern anfallen, durch die Verlagerung beispielsweise von Patentrechten verlegt werden kann. Die fünf US-Konzerne mit den größten Barreserven sind laut Moody’s Apple, Microsoft, Google, Pfizer und Cisco. Der „Cash-King“ ist Apple.

Mit 193,5 Milliarden Dollar hielt der Smartphone-Riese zuletzt mehr Reserven als jeder industrielle US-Wirtschaftssektor insgesamt – abgesehen von der Tech- und Pharmabranche. Eine prall gefüllte „Kriegskasse“ macht zwar durchaus Sinn für Firmen, um bei Übernahmemöglichkeiten rasch reagieren zu können und mit einem flüssigen Forschungs- und Entwicklungsbudget flexibel zu bleiben. Das inzwischen erreichte Ausmaß scheint Experten dennoch übertrieben.

So wundert es wenig, dass nicht nur Apples Cash-Konto schon länger Begehrlichkeiten weckt. Der berüchtigte New Yorker Finanzinvestor Carl Icahn machte über Monate beharrlich Druck, um Apple zu höheren Ausschüttungen an die Aktionäre zu drängen. So etwas ist keine Ausnahme, oft sind solche Angriffe auf die Firmenkassen erfolgreich. Laut Moody’s sind auch die Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe der US-Konzerne 2014 auf neue Höchststände geklettert.

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