China-Crash wird zum Problem für die deutsche Auto-Industrie

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger erwartet, dass der Börsen-Crash in China Auswirkungen auf die deutsche Automobil-Industrie haben wird. Der Crash werde massive Effekte auf den privaten Konsum und damit auf die deutschen Exporte haben.

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Die Börsenturbulenzen in China dürften dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger zufolge mittelfristig auch die deutschen Autobauer bremsen. „Das strahlt auf andere Länder aus“, sagte Bofinger am Dienstag im Reuters-Interview mit Blick auf die starken Kursverluste an den chinesischen Aktienmärkten. „Das ist nachteilig für die deutschen Exporte und für die Autoindustrie.“

China ist als bevölkerungsreichstes Land der Erde und dank seiner wirtschaftlichen Aufholjagd der weltgrößte Absatzmarkt für die Autobranche. „Die deutschen Firmen sind hier ja stark im Luxussegment engagiert“, betonte Bofinger. Die Chinesen, die nun unter den Einbrüchen am Aktienmarkt litten, seien aber nicht die Armen, sondern eher die Reichen. „Das sind die potenziellen S-Klasse- oder 7-er-Käufer“, sagte der Ökonom zu den Premium-Modellen der Hersteller Daimler und BMW. Der chinesische Automarkt verliert für hiesige Hersteller ohnehin schon an Glanz. Die Gewinne drohen weniger zu sprudeln als in den zurückliegenden Boomjahren, weil das Wachstum in China nachlässt und die Autobauer sich das Leben durch eine Rabattschlacht selbst schwermachen.

Zu Wochenbeginn hatten die Börsen in China den größten Tagesverlust seit mehr als acht Jahren verbucht. Am Dienstag schloss der Shanghai-Composite nach zeitweise deutlichen Verlusten 1,7 Prozent im Minus. Die Regierung in Peking will nun mit zusätzlichen staatlichen Maßnahmen einen weiteren Einbruch am Aktienmarkt verhindern. Die Marktregulierer kündigten an, die Börse mit Stützungskäufen zu stabilisieren. Auch die Zentralbank zeigte sich entschlossen, weiter Geld in den Markt zu pumpen.

„Der Aktienmarkteinbruch hat eine stark destabilisierende Wirkung“, mahnte Bofinger. Es könne „massive Effekte auf den privaten Konsum“ geben. Denn dieser sollte eigentlich die Konjunktur ankurbeln. Dafür müsste die Regierung allerdings die Löhne anheben. „Das ist eine Gratwanderung“, warnte der Wirtschaftsweise. „Wenn ich in großem Stil die Löhne erhöhe, habe ich das Problem, dass mir die Industrie abwandert.“ Hier gebe es das Risiko, dass Firmen ihr Heil etwa im Nachbarland Indien suchten.

Bofinger verwies auch auf eine Immobilienblase in China. „Das ist ein Riesenproblem.“ Der Wohnungsmarkt habe zuletzt für kräftiges Wachstum gesorgt und damit die gesamte Wirtschaft angetrieben – „wie in Spanien und Irland“. Doch nun komme dieser Boom zum Ende. „Und jetzt fehlt der Wachstumstreiber.“

Die Regierung in Peking erwartet in diesem Jahr das geringste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert. Der angepeilte Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von rund sieben Prozent ist für europäische Verhältnisse viel, aber für China deutlich weniger als noch vor Jahren. Bereits 2014 hatte es nur noch zu 7,4 Prozent gereicht.

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