EZB-Programm wirkungslos: Investitionen in der Eurozone sinken

Trotz der monatlichen Ankäufe von 60 Milliarden Euro an Staatsanleihen schafft es die EZB nicht, die Investitionen in Eurozone anzukurbeln. Statt zu investieren horten die Unternehmen Bargeld oder veranlassen Aktien-Rückkäufe. Im Ergebnis finanziert die EZB sogar US-Unternehmen, weil die sich in der Eurozone billiger verschulden können.

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Mitte April sagte EZB-Chefvolkswirt Praet auf einer Veranstaltung in Washington, es sei nötig, das wirtschaftliche Wachstum durch erhöhte Investitionen zu verstärken. Damit das Wachstum kurzfristig in Gang komme, müssten öffentliche und private Investoren viel mehr tun. Doch der Versuch der EZB, die Wirtschaft in der Eurozone – besonders in den Krisenstaaten – anzukurbeln, stößt auf hartnäckige Zurückhaltung bei den Unternehmen. Viele horten lieber Bargeld oder kaufen ihre eigenen Aktien zurück, wie eine Studie zeigt.

Die EZB steht damit einem unauflöslichen Widerspruch seiner aggressiven, geldpolitischen Lockerung gegenüber, wie die Financial Times berichtet. „Obwohl die EZB eine entgegenkommende Geldpolitik betreibt, um die Kreditvergabe zu unterstützen, reduziert sie –vielleicht unabsichtlich – die Renditen und unterminiert somit das Unternehmenswachstum, erklärte Tomas Holinka, Volkswirt bei Moody’s Analytics. Daher bleibe das „schwache Investitionswachstum ein Hemmschuh für ein langfristiges Wachstumspotenzial in der Eurozone“.

Erträge aus Finanzanlagen aus hochwertigen Staatsschulden sind im Gegensatz zu riskanten Unternehmensanleihen gefallen, seit die Zentralbanken nach der Finanzkrise, einschließlich der EZB, die Finanzmärkte mit Billionen an Dollar und Euro überschwemmten.

Im Ergebnis finanziert die EZB gar US-Unternehmen, da diese in der Eurozone durchschnittlich 2 Prozent weniger bezahlen müssen als in den USA und sich daher in Euro verschulden statt in Dollar. Bereits im April hatte eine Studie der Bank of America gezeigt, dass 65 Prozent der im März im Volumen von 60 Milliarden Euro gekauften Anleihen mit dem Status „investment-grade“ von außer-europäischen Firmen stammen – der überwiegende Anteil davon aus den USA. Denn seit die EZB das QE-Programm beschlossen hatte, gingen nicht nur die Zinsen für Staatsanleihen sondern auch für auch Unternehmensanleihen in den Keller und machen seither die Schuldenaufnahme günstiger. Denn in den USA werfen solide Unternehmensanleihen im Durchschnitt 2,9 Prozent ab, in der Eurozone jedoch mit etwa einem Prozent, was dazu führt, dass US-Firmen versuchen, sich auf dem europäischen Anleihemarkt zu refinanzieren.

Dagegen sind die Investitionen in der Eurozone eingebrochen und bleiben schwach. Als im Jahr 2008 die US-Investitionsbank Lehman Brothers zusammenbrach, entfielen die Investitionen in Anlagen (Investitionsgüter) und Infrastruktur insgesamt noch auf 23 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Letztes Jahr waren es nach Angaben von Eurostat nur noch 19,5 Prozent.

Viele Unternehmen haben ihre Gewinne verwendet, um Schulden zurückzuzahlen, Aktienrückkäufe zu finanzieren oder einfach Bargeldbestände aufzubauen, anstatt neue Investitionen anzugehen, so die Studie. Deutsche Unternehmen hätten seit 2006 ihre Bilanzgewinne beinahe verdoppelt, aber auch andere Unternehmen in der Eurozone konnten seit 2014 Gewinnrücklagen verzeichnen, mit portugiesischen Firmen an der Spitze.

Doch das lauwarme Investitionsklima bleibe eine Herausforderung für die EZB und Politiker in der Eurozone, so sie denn die Kreditvergabe beschleunigen und eine wirtschaftliche Erholung im Währungsraum erreichen wollten. Das Wirtschaftswachstum im Euroraum stieg laut Eurostat im ersten Quartal 2015 um 0,4 Prozent im Vergleich zum vorherigen Quartal. Die Europäische Kommission prognostiziert jedoch ein Wachstum von 1,5 Prozent im gesamten Jahr 2015.

Faktoren wie die jahrelange geringe Investition, ein Mangel an Strukturreformen, eine weitere Erhöhung Arbeitslosigkeit und die anhaltende Befürchtungen, dass Griechenland früher oder später die Eurozone doch verlässt, sind jedoch Lasten auf der Kapazität eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums. „So lange die Gefahr eines Grexits besteht, ist auch ein Auseinanderbrechen der Eurozone ein Risiko“, betonte Nicolas Véron von der Brüsseler Denkfabrik Bruegel.

Dennoch geht die Financial Times von einem positiven Szenario aus, indem das Blatt den EU-Investitionsplan von 315 Milliarden Euro hervorhebt. Allerdings ist der Europäische Rechnungshof der Ansicht, dass die Investitions-Initiative der EU-Kommission insbesondere die Steuerzahler belasten wird.

Jonathan Hill, britischer EU-Kommissar für Finanzdienstleistungen, sei darüber hinaus in Vorbereitung neuer Richtlinien, um die Erhöhung der Kreditvergaben für die Infrastruktur zu erreichen als auch den ASB-Markt (Asset-backed Securities) anzukurbeln.


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