E.ON und RWE: Gefangen in der Atom-Haftungsfalle

Spekulationen über zu niedrige Rückstellungen der Atomkonzerne ließen deren Aktien am Dienstag stark sinken. Die drohenden Finanzierungslücken warten nun auf einen Kompromiss zwischen Politik und den Energie-Riesen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Die RWE-Aktie ist am Dienstag kurzzeitig stark gefallen. (Grafik: ariva.de)

Die RWE-Aktie ist am Dienstag kurzzeitig stark gefallen. (Grafik: ariva.de)

Als wären die Aktionäre von E.ON und RWE nicht schon genug leidgeprüft, sorgten neue Spekulationen über angebliche Milliarden-Lücken in den Rückstellungen für den AKW-Rückbau der vier in Deutschland aktiven Atomkraft-Betreiber am Dienstag für ein regelrechtes Kursmassaker. Zeitweise um bis zu 13% brachen die Aktienkurse von E.ON und RWE ein, nachdem „Spiegel Online“ berichtet hatte, die Rückstellungen der Atom-Konzerne seien um bis zu 30 Milliarden Euro zu niedrig. Erst nachdem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel darauf hinwies, dass die Stresstest-Ergebnisse noch gar nicht vorlägen, erholten sich die Kurse ein wenig.

Tatsächlich ist es ein offenes Geheimnis, dass die von RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW gebildeten Atom-Rückstellungen von 38,4 Milliarden Euro wohl nicht ausreichen werden, um den AKW-Rückbau zu finanzieren. Das gilt insbesondere, wenn auch die Kosten für die Endlagerung berücksichtigt werden, die sich seriös kaum abschätzen lassen.

Bei dem Stresstest der AKW-Rückstellungen dürfte die vom Wirtschaftsministerium beauftragte Prüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton denn auch verschieden Szenarien durchrechnen. So ist es durchaus möglich, dass im schlimmsten Fall ein Rückstellungsbedarf von bis zu 70 Milliarden Euro herauskommt. Entscheidend ist jedoch, welches Szenario die Politik am Ende für am wahrscheinlichsten hält und zur Grundlage für die anstehenden Verhandlungen über einen Atom-Kompromiss mit den Energie-Konzernen macht.

Der jüngste Kurssturz zeigt indes, wie dringend eine solche Einigung zwischen Politik und Atom-Konzernen ist. Ohne ein hohes Maß an rechts- und Planungssicherheit für die Strom-Konzerne werden die Investoren einen großen Bogen um die Versorger-Aktien machen. Doch auch bei einer Stiftungslösung, bei der die Konzerne ihre Rückstellungen einbringen, wird die Politik die Versorger nicht vollständig aus der Haftung entlassen können.

***

In Kooperation mit PLATOW Medien. Seit 70 Jahren steht der Name PLATOW für unabhängige Berichte und Exklusivrecherchen aus Wirtschaft, Kapitalmarkt und Politik. Der PLATOW Brief liefert Ihnen 3x pro Woche auf je 4 Seiten aktuelle Hintergrundinformationen aus der Finanzwelt, Analysen zu den internationalen Kapitalmärkten, zur Konjunktur und zu Zinsen. Für ein 4-wöchiges Probeabonnement können Sie sich hier anmelden.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick