UN will endlich mit Kampf gegen Ungleichheit und Armut beginnen

Die Vereinten Nationen haben eine „neue universelle Agenda“ für die Menschheit veröffentlicht. Die darin enthaltenen Entwicklungsziele haben weitreichende kulturelle, umweltpolitische und wirtschaftliche Auswirkungen. Alle Mitgliedsstaaten sollen dem Entwurf noch in diesem Monat zustimmen und sich zur Umsetzung der Agenda verpflichten.

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Die Vereinten Nationen (UN) haben eine Agenda mit globalen Entwicklungszielen für die nächsten 15 Jahre veröffentlicht. Der Titel der UN-Agenda lautet „Unsere Welt transformieren: Die Aganda 2030 für nachhaltige Entwicklung“. Der Entwurf baut auf den Milleniumszielen der UN auf, greift jedoch neben umweltpolitischen Fragen auch soziale, kulturelle und wirtschaftliche Themen auf. Der Plan enthält 17 allgemein gefasste Ziele und 169 spezifische Entwicklungsziele, die in zwei Jahren ausgehandelt wurden und vor allem den Armen der Welt zugute kommen sollen. Am 25. September – anlässlich des 70. Jahrestags zur Gründung der Vereinten Nationen – sollen die Staats- und Regierungschefs aller Mitgliedsländer über die Agenda 2030 abstimmen und sich zur Umsetzung der darin enthaltenen Ziele verpflichten.

Die neuen Entwicklungsziele bauen auf den im Jahr 2000 verabschiedeten „Millennium Development Goals“ auf. In den acht Zielen einigten sich die UN-Mitgliedsstaaten unter anderem darauf, die Zahl der Hungernden auf der Welt innerhalb von 15 Jahren zu halbieren, jedem Kind eine Schulbildung zu ermöglichen, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu senken und für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu sorgen. Zwar hat sich die Zahl der Menschen, die mit 1,25 Dollar am Tag auskommen müssen, der UN zufolge tatsächlich dramatisch reduziert (von 1,9 Milliarden auf 836 Millionen), und auch die Kindersterblichkeit wurde halbiert, doch viele der anderen Ziele müssen als gescheitert angesehen werden.

Einer der stärksten Befürworter der Agenda 2030 ist Papst Franziskus. In einer Stellungnahme bezeichnete der Vatikan den UN-Plan als „klares Zeichen“, dass die Welt zusammen gekommen sei, um die Armut auszumerzen und dass eine „erneuerte globale Partnerschaft“ entscheidend für den Erfolg der Agenda sei. Der Vatikan sieht in der Agenda 2030 eine große „kulturelle, spirituelle und pädagogische Herausforderung“. Es wird erwartet, dass Papst Franziskus vor der UN-Vollversammlung am 25. September eine Rede zur Verabschiedung der neuen Entwicklungsziele hält. Die 17 Entwicklungsziele der Agenda 2030 lauten:

1. Armut in aller ihren Formen überall beenden
2. Hunger beenden, Lebensmittelsicherheit und verbesserte Ernährungsweise erreichen und nachhaltige Landwirtschaft fördern
3. Gesundes Leben gewährleisten und Wohlergehen für alle in allen Altergruppen fördern
4. Integrative, gleichberechtigte und qualitative Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern
5. Geschlechtergleichheit erreichen und Frauen und Mädchen mehr Macht geben
6. Verfügbarkeit und nachhaltiges Management von Wasser und sanitären Einrichtungen gewährleisten
7. Zugang zu bezahlbarer, zuverlässiger, nachhaltiger und moderner Energie für alle
8. Andauerndes, integratives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern sowie volle und produktive Beschäftigung und Arbeit für alle erreichen
9. Widerstandsfähige Infrastruktur errichten, integrative und nachhaltige Industrialisierung und Innovation fördern
10. Ungleichheiten in und zwischen Ländern reduzieren
11. Städte und menschliche Siedlungen integrativ, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen
12. Nachhaltige Konsum- und Produktions-Strukturen gewährleisten
13. Zwingende Maßnahmen ergreifen, um den Klimawandel und seine Auswirkungen zu bekämpfen*
14. Ozeane, Meere und Meeresresourcen erhalten und schonend für eine nachhaltige Entwicklung nutzen
15. Nachhaltige Verwendung terrestrischer Ökosysteme schützen, wiederherstellen und fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Desertifikation bekämpfen, Devastierung stoppen und rückgängig machen und den Verlust der Artenvielfalt stoppen
16. Friedliche und integrative Gesellschaften für nachhaltige Entwicklung fördern, Zugang zum Rechtssystem für alle herstellen und effektive, verantwortliche und integrative Institutionen auf allen Ebenen aufbauen
17. Mittel zur Umsetzung stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben

(* Unter Anerkennung, dass das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) das primäre internationale, zwischenstaatliche Forum ist, um globale Antworten auf den Klimawandel auszuhandeln)

Die Agenda 2030 legt anschließend in 169 Zwischen-Etappen fest, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Die Mitgliedsstaaten sollen sich nach ihren Möglichkeiten dazu verpflichten, öffentliche Gelder zur Umsetzung dieser Ziele einzusetzen. Einer Hauptpunkte der neuen UN-Agenda wird der Kampf gegen den Klimawandel sein. Wie weitreichend dabei die Auswirkungen auf die Wirtschaft sein könnten, deutete die UN-Klimabeauftragte Christiana Figueres vor einigen Monaten bei einer Pressekonferenz in Brüssel an.

„Das ist wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe, die wir uns jemals gegeben haben. Sie besteht darin, das wirtschaftliche Entwicklungsmodell zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit zu transformieren. Es ist das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, dass wir uns absichtlich vorgenommen haben, dass wirtschaftliche Modell, dass seit mindestens 150 Jahren seit der industriellen Revolution Bestand hat, innerhalb einer festgelegten Zeitspanne zu verändern. […] Das passiert nicht über Nacht. Es ist ein Prozess aufgrund der Tiefe der Transformation“, so die UN-Klimabeauftragte.

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