Rohstoff-Schock: Händler und Produzenten unter massivem Druck

Die Rohstoffhändler und -produzenten stehen aufgrund der fallenden Rohstoffpreise unter Druck. Der Minenförderer Glencore hat bereits Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. Nun gerät mit Trafigura der zweite Gigant unter erheblichen Druck.

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Die anhaltende Baisse der Rohstoffpreise, vor allem von Kupfer, hat an den Märkten zu Befürchtungen über Verschuldung und Bonität großer Rohstoffhändler geführt. Vor allem die Obligationen der beiden Giganten Glencore und Trafigura erlitten diese Woche erhebliche Einbrüche. Der Markt hat begonnen, deutliche erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeiten einzupreisen. Beide werden als Junk Bonds gepreist. Glencore hat bereits drastische Restrukturierungsmaßnahmen ankündigen müssen.

Glencore und Trafigura sind beide im Rohstoffhandel groß geworden. Trafigura ist eine Abspaltung von Händlern, welche Glencore 1993 verließen. Beide haben ihre Hauptsitze in der Schweiz, in Baar/Zug (Glencore) bzw. in Genf (Trafigura). Doch Glencore hat sich zusätzlich durch Zukäufe in den letzten Jahren zu einem der größten Rohstoffproduzenten der Welt gemacht.

Glencore war das Symbol des Rohstoffbooms der 2000er Jahre. Fast alles, was Glencore anfasste, schien zu Gold zu werden. Sehr früh erkannte das Management, dass eine große von China ausgehende Rohstoffhausse starten würde. Die Händler kauften im großen Stil alle erhältlichen Minen zu Discountpreisen. Als die Rohstoffpreise explodierten, wurden diese teilweise marginalen Produzenten hochprofitabel. Glencore wurde zu einem Giganten im Rohstoffhandel und auch in der Produktion, der vor allem vom China-Geschäft enorm profitierte. Die Spitze erreichte Glencore, als die private Firma 2011 exakt auf dem Höhepunkt des Rohstoffbooms ein IPO lancierte. Die Partner wurden so zu Milliardären und mehrhundertfachen Millionären. Die Anleger rissen sich förmlich um die Papiere.

Dann machte Glencore Chef Glasenberg einen im Rückblick verhängnisvollen Fehler. Er kaufte 2012 Xstrata, einen großen Minenkonzern, an dem Glencore bereits eine größere Beteiligung hielt, vollständig auf und bezahlte damit historische Toppreise. Möglicherweise gab es gute industrielle Gründe für die Integration, doch finanziell war es eine miserable Investition. Die Händler hatten auf dem historischen Top mit einem beachtlichen Zuschlag gekauft.

Als die Rohwarenpreise sanken, begann der Sinkflug der Aktie. Inzwischen hat sie rund 80 Prozent ihres Emissionspreises verloren. Die Obligationen begannen im September einzubrechen. Glencore musste eine Restrukturierung ankündigen, mit dem Verkauf von Teilgeschäften, einer Emission zusätzlichen Aktienkapitals, um die Nettoverschuldung deutlich zu reduzieren. Zunächst reagierte die Börse noch positiv, doch der neuerliche Einbruch der Rohstoff-Notierungen machte die Investoren äußerst nervös.

Das Geschäftsmodell von Glencore wird weitherum als intransparent und als schwierig verständlich angesehen. Klar ist aber, dass Glencore nicht mehr wie früher ein reiner Händler, sondern ein gewaltiger Produzent geworden ist, der dem Preisdruck netto sehr stark ausgesetzt ist. Glencore ist durch die Preisbaisse unter Druck der Banken geraten, die bei den Rohstofffirmen finanziell stark engagiert sind. Gegenwärtig soll Glencore daran denken, wichtige Beteiligungen etwa im Agrarsektor verkaufen zu müssen.

Ohne erkennbaren Anlass ist auch Trafigura in den Abwärtssog geraten. Trafigura ist anders als Glencore nicht gelistet, hat aber auch in bedeutendem Ausmaß Obligationen ausgegeben. Auch diese erlitten einen massiven Einbruch. Die Details zu interpretieren, ist schwierig. Auch bei Trafigura ist es nicht einfach, das Geschäftsmodell abgerundet zu verstehen. Klar ist, dass die Banken alamiert sind. Trafigura ist noch deutlich mehr als Glencore verschuldet im Verhältnis zu betriebswirtschaftlichen Kenngrößen.

Die Baisse der Rohstoffpreise hat die Produzenten voll getroffen. Ihre Aussichten werden negativ beurteilt. Die Ausweitung der Risiko-Spreads und der CDS-Ausfallversicherungen spiegelt aber nicht nur unternehmensspezifische Faktoren wieder. Sie sind Teil einer globalen Neubewertung von Risiko, welche praktisch alle Finanzmärkte erfasst. Ihr riesiges Geschäftsvolumen und die gleichzeitige Intransparenz macht sie vielleicht anfälliger für solche Neubewertungen als transparentere Unternehmen mit klarem Profil. Doch es sind alle Bereiche von Rohwarenproduzenten diesem Druck ausgesetzt. Die Gefahr besteht, dass die Neubewertung des Risikos einen Credit Crunch auslöst. Dann werden Rohwarentransaktionen für diese Unternehmen erschwert und die Liquidität im Markt zusätzlich reduziert. Was droht, ist ein Feedback-Loop, wenn sie am wenigsten benötigt wird – mit der Konsequenz weiter fallender Rohwarenpreise.

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