Bank of England warnt Energie-Investoren vor schweren Verlusten

In einer ungewöhnlich deutlichen Warnung sagt der Gouverneur der britischen Zentralbank, Mark Carney, Investments in fossile Energie könnten zu „gestrandeten Assets“ werden – also einen massiven Wertverlust einfahren. Carneys Warnung hat es in sich: Der Klimawandel könne zum Risiko für die Finanzstabilität werden. Anleger sollten hier genau zuhören.

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Die Bank of England hat eine ungewöhnliche Warnung herausgegeben: Gouverneur Mark Carney, der von Goldman Sachs kommt und im Moment vielleicht mächtigste Zentralbanker der Welt ist, sagte am Dienstag in einer Rede vor britischen Versicherungsunternehmen bei Lloyds, dass der Klimawandel schon bald als Risiko für die Finanzstabilität eingestuft werden könnte. Die britischen Versicherer haben Assets in der Höhe von etwa 2 Billionen Pfund in Energie-Unternehmen, die fossile Energie fördern – als vor allem Öl und Gas.

Wenn die Zentralbank zu dem Ergebnis kommen sollte, dass der Klimawandel so fortschreitet, dass er verschärfte Regulierung erfordert, würden die Assets zu „gestrandeten Asstes“ werden. „Gestrandete Assets“ sind Assets, welche von unvorhergesehenen und vorzeitigen Abschreibungen, Abwertungen oder Umwandlungen in Verbindlichkeiten negativ betroffen wurden. Der Grund: Wenn den Unternehmen, die fossile Brennstoffe fördern, aus Klimaschutz-Gründen massive Auflagen gemacht werden, könnten die fossilen Brennstoffe nicht mehr verbrannt werden. Investments in solche Unternehmen würden dann wertlos.

Die Aussagen von Carney kommen vor dem Klimagipfel in Paris. Es wird erwartet, dass dort eine strengere Regulierung bei den fossilen Energien beschlossen wird. Für Investoren, die heute in Öl- und Gas-Werte investiert sind, ist dies eine wichtige Nachricht. Denn Carney sagte, die Regulierung könne schrittweise, aber auch sehr abrupt kommen: „Die Herausforderungen, vor die uns der Klimawandel heute stellt, verblassen vor jenen, die noch kommen könnten. Wenn der Klimawandel so weit fortgeschritten ist, dass er ein Risiko für die Finanzstabilität darstellt, könnte es bereits zu spät sein.“
Hier deutet sich eine gravierende Veränderung der globalen Energie-Politik an. Welche Folgen die Missachtung von Umweltschutz-Vorgaben hat, hat der Volkswagen-Konzern erlebt: Der Konzern – und mit ihm die ganze deutsche Automobil-Industrie – ist eine existentielle Krise gerutscht, weil die Abgas-Werte manipuliert wurden. Von einer erneuten Verschärfung der Klima-Ziele wäre die deutsche Autoindustrie erneut betroffen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang das reibungslose Zusammenspiel der internationalen Regulatoren: Obwohl der Vorfall nur die USA betrifft, haben zahlreiche andere Staaten nachgezogen und Volkswagen mit Ermittlungen oder Verboten belegt. Eine Klagewelle von Anlegern nimmt Fahrt auf. Es ist gut denkbar, dass das Schicksal von VW allen anderen Unternehmen als Warnung dient soll, sich penibel an die gesetzlichen Vorschriften zu halten. Auf diesem Weg könnte eine globale Energiewende erzwungen werden.

Für institutionelle Anleger sind solche Veränderungen von eminenter Bedeutung. Sie werden vermutlich versuchen, ihre Investments so schnell als möglich umzuschichten. Der größte staatliche Pensionsfonds der Welt, der norwegische Pensionsfonds, hat im Zuge der Turbulenzen an den Rohstoff-Märkten allein im August 40 Milliarden Dollar verloren, wie Arabian Business berichtet. Der staatliche Investment-Fonds von Katar muss im Zuge der Volkswagen-Krise ebenfalls mit Milliarden-Verlusten rechnen.

Die großen Rohstoff-Händler wie Glencore stehen plötzlich vor existentiellen Problemen. Sollte es zu einer Verschärfung der Klima-Ziele kommen, wäred diese Unternehmen in großer Bedrängnis.

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