Große Rolle rückwärts: EU will normale Beziehungen zu Russland

Die EU ist offenbar sehr beeindruckt von Wladimir Putins Aktionen in Syrien: EU-Präsident Jean-Claude Juncker sagt plötzlich, die EU dürfe sich ihr Verhältnis zu Russland nicht von den USA diktieren lassen. Er forderte eine Normalisierung der Beziehungen - und damit indirekt ein Ende der Sanktionen.

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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich für eine Entspannung im Konflikt mit Russland ausgesprochen. „Wir müssen uns um ein brauchbares Verhältnis zu Russland bemühen. Das ist nicht sexy, aber das muss sein. Wir können so nicht weitermachen“, sagte er am Donnerstag in Passau. Man müsse nicht in vollkommenes Einvernehmen gelangen, aber wieder eine vernünftige Gesprächsbasis etablieren.

„Die Russen sind ein stolzes Volk“, das Land habe „eine Rolle zu spielen“, sagte Juncker: „Man darf sie nicht von der Bildfläche verdrängen, sonst melden sie sich, wie wir gesehen haben, sehr schnell wieder.“

Er kritisierte, dass US-Präsident Barack Obama Russland als „Regionalmacht“ abqualifiziert habe. „Man muss Russland anständig behandeln“, erklärte der Luxemburger. „Wir können uns unser Verhältnis zu Russland nicht von Washington diktieren lassen. Das geht nicht.“

Diese Aussage ist besonders bemerkenswert. Bisher hatte die EU stets Wert darauf gelegt, dass die Russland-Sanktionen in völligem Einverständnis mit den Amerikanern verhängt wurden. US-Vizepräsindet Joe Biden hatte dagegen vor einiger Zeit gesagt, die US-Regierung habe die EU zu den Sanktionen gedrängt. Junckers große Rolle rückwärts bestätigt die Aussage von Biden.

Was Juncker wirklich denkt, ist schwer zu beurteilen: Noch im März hatte Juncker laut Euractiv die Gründung einer EU-Armee gefordert, die ausdrücklich gegen Russland gerichtet sein sollte: Eine solle Armee der Europäer würde „Russland den Eindruck vermitteln, dass wir es ernst meinen mit der Verteidigung der Werte der Europäischen Union“, sagte Juncker damals wörtlich.

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