Nach Attentat: Henriette Reker gewinnt Kölner OB-Wahl klar

Die bei einem Attentat am Samstag schwer verletzte parteilose Henriette Reker ist im ersten Wahlgang zur neuen Oberbürgermeisterin von Köln gewählt worden. Die Ärzte sprachen von einer positiven gesundheitlichen Entwicklung. Reker war nach einer Not-OP in ein künstliches Koma versetzt worden. Der Täter soll aus fremdenfeindlichen Motiven gehandelt haben.

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Einen Tag nach dem Attentat auf die Kölner Sozialdezernentin Henriette Reker ist die parteilose Politikerin zur neuen Oberbürgermeisterin der Domstadt gewählt worden. Die 58-Jährige setzte sich am Sonntag gleich im ersten Wahlgang gegen sechs weitere Bewerber durch und erreichte mit 52,7 Prozent die absolute Mehrheit – während sie in einer Klinik im künstlichen Koma lag. Reker ist die erste Frau auf dem Chefsessel im Rathaus der viertgrößten Stadt Deutschlands. Wann sie ihr Amt antreten kann, ist unklar.

Am Samstag war Reker bei einer Wahlkampfveranstaltung von einem 44-Jährigen mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt worden. Ein Richter erließ inzwischen Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen den mutmaßlichen Täter, der laut Polizei fremdenfeindliche Motive nannte. Der mutmaßliche Angreifer war bei seiner Tat auf dem Wochenmarkt voll schuldfähig. Das ergab inzwischen ein psychologisches Gutachten, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Er habe ausgesagt, in den 1990er Jahren in der rechten Szene aktiv gewesen zu sein, Details habe er aber nicht genannt, teilten die Ermittler weiter mit.

Reker ist derzeit als Sozialdezernentin für die Unterbringung von Flüchtlingen in Köln zuständig. Bei der Wahl wurde sie unterstützt von CDU, FDP und den Grünen. Ihr SPD-Kontrahent Jochen Ott lag bei 32,0 Prozent. Schon bei den NRW-Oberbürgermeisterwahlen vor wenigen Wochen hatte die SPD ihre Hochburgen Oberhausen und Bonn an die CDU verloren.

Während Rekers Unterstützer im Rathaus den Wahlsieg feierten, teilten die behandelnden Ärzte mit, dass sich der Gesundheitszustand des Anschlagsopfers positiv entwickele. Ein Sprecher Rekers sprach von einer „langsamen Aufwachphase“ aus dem künstlichen Koma. Aus dem Umfeld der Politikerin hieß es, ihr Ehemann bringe ihr den Sieg schonend am Krankenbett bei.

Wann Reker ihre Arbeit als Stadtoberhaupt beginnen kann, steht noch nicht fest. Die Ärzte betonten: „Der Heilungsverlauf nimmt bei einer Verletzung dieser Art üblicherweise eine gewisse Zeit in Anspruch.“

Insgesamt waren mehr als 800.000 Menschen in Köln aufgerufen, zur Wahl zu gehen. Die Wahlbeteiligung lag bei 40,3 Prozent. 2009 stimmten 49,1 Prozent ab – damals wurde mit SPD-Mann Jürgen Roters jedoch nicht nur ein neuer OB gewählt, gleichzeitig stand auch die Kommunalwahl an.

Wie in anderen NRW-Kommunen sollte auch in Köln eigentlich schon Mitte September gewählt werden. Die Bezirksregierung hatte aber die Stimmzettel beanstandet, das Votum wurde verschoben.

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