Front National bei Regionalwahl die stärkste Kraft in Frankreich

Der FN wurde am Sonntag in der ersten Wahlrunde laut Prognosen mit zwischen 27,2 und 30,8 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Das wäre das beste Ergebnis ihrer Geschichte bei einer landesweiten Wahl.

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Der Front National (FN) hat bei den Regionalwahlen in Frankreich offenbar einen historischen Sieg erzielt. Drei Wochen nach den Anschlägen von Paris wurde die Partei von Marine Le Pen am Sonntag in der ersten Wahlrunde laut Prognosen mit zwischen 27,2 und 30,8 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Das wäre das beste Ergebnis ihrer Geschichte bei einer landesweiten Wahl.

Das konservativ-bürgerliche Lager von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy erzielte den Prognosen zufolge rund 27 Prozent. Die Sozialisten von Präsident François Hollande erreichten nur etwa 23 bis 24 Prozent. Den Prognosen zufolge landete der Front National in sechs der 13 französischen Regionen auf dem ersten Platz. Wer in den Regionalparlamenten künftig die Mehrheit hat, wird aber erst in der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag entschieden.

FN-Chefin Le Pen sprach von einem „wunderbaren Ergebnis, das wir mit Demut aufnehmen“. Ihre Partei wolle eine „nationale Einheit schaffen, die das Land braucht“. Die Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen war selbst in der nordfranzösischen Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie als Spitzenkandidatin angetreten – und landete den Prognosen zufolge mit 40 bis 42 Prozent der Stimmen mit großem Abstand an erster Stelle.

In Führung lag der FN unter anderem auch in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, wo Le Pens 25-jährige Nichte Marion Maréchal-Le Pen die Wahlliste anführt, und in der Grenzregion Elsass-Lothringen-Champagne-Ardenne. Der Front National war bei den Europawahlen im Mai 2014 erstmals stärkste Kraft in Frankreich geworden. Damals erzielten die Rechtsextremen rund 25 Prozent.

Sozialisten und Konservative könnten nun theoretisch gemeinsam versuchen, dem Front National in der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag den Weg zu verbauen. Beide Parteien müssten dazu ihre Listen zusammenlegen – oder eine Partei müsste zugunsten der anderen ihre Liste zurückziehen.

Die konservativen Republikaner lehnten dies aber noch am Wahlabend ab: Parteichef Sarkozy sagte, es würden weder Listen zurückgezogen noch mit den Sozialisten zusammengelegt. Das konservativ-bürgerliche Lager sei „die einzig mögliche Alternative“.

Die Sozialisten wollten noch am Sonntagabend über ihre Haltung beraten. Regierungssprecher Stéphane Le Foll rief aber bereits das linke Lager zur Zusammenarbeit auf. Zusammengerechnet hätten die linken Parteien mehr Stimmen erhalten als das konservativ-bürgerliche oder das rechtsextreme Lager. Neben den Sozialisten hatten Grüne und Linksfront für die erste Wahlrunde eigene Listen aufgestellt. Diese Spaltung hatte das linke Lager schon bei früheren Wahlen geschwächt.

Zu den Wahlen waren am Sonntag 44,6 Millionen Franzosen aufgerufen. Rund drei Wochen nach den Anschlägen vom 13. November mit 130 Toten fand der Urnengang unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt: Sicherheitsleute durchsuchten an den Eingängen von Wahlbüros Taschen; Polizisten und Soldaten patrouillierten verstärkt.

Die Regionalwahlen haben eine besondere symbolische Bedeutung: Es sind die letzten großen Wahlen vor der Präsidentschaftswahl 2017, sie gelten deswegen als wichtiger politischer Stimmungstest. Bei den Präsidentschaftswahlen hat Le Pen laut Umfragen gute Chancen, in die Stichwahl einzuziehen. Hollande hat bislang offengelassen, ob er eine zweite Amtszeit anstrebt.

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