Banken-Krach Portugal: Investoren fürchten weitere Crashs

Banken in Südeuropa fällt es derzeit schwerer, an frisches Kapital zu kommen. Investoren halten sich zurück, weil sie die Rechtslage im Fall einer Abwicklung nicht einschätzen können. Aufgeschreckt wurden sie vom Fall der Novo Banco, zu deren Rettung Portugals Zentralbank kurzerhand einige Senior-Anleihen einsetzte – andere aber ohne erkennbaren Grund verschonte.

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Die Preise für Anleihen südeuropäischer Banken sind seitdem deutlich gesunken. Dadurch verteuert sich Kapital, das diese Institute am Anleihemarkt aufnehmen. Senior-Anleihen der italienischen Monte Paschi di Siena mit Laufzeitende 2019 wurden am Montag mit 97,6 Cent pro Euro gehandelt. Seit dem Vorfall bei Novo Banco am 29. Dezember gaben sie damit 3 Cent ab. Eine Senior-Anleihe der Banco Popolare verlor im gleichen Zeitraum rund 2 Cent. Senior-Anleihen der portugiesischen Novo Banco wurden zu 85 Cent für den Euro gehandelt – 7 Cent weniger als am 29. Dezember, wie Financial Times schreibt.

Seit dem Vorfall bei Novo Banco herrscht unter Investoren Verunsicherung. Am 29. Dezember des vergangenen Jahres schichtete Portugals Zentralbank überraschend fünf Senior-Anleihen der solventen Novo Banco im Gesamtwert von rund 2 Milliarden Euro in eine „Bad Bank“ um. Internationale Gläubiger wie die Allianz, Blackrock oder Pimco wurden dadurch faktisch enteignet. Der Vorgang ereignete sich wenige Tage, bevor die neue EU-Direktive zur Bankenabwicklung in Kraft trat. Diese sieht sogenannte „Bail-ins“, also die Haftung von Anlegern und Gläubigern vor. „Gerade ein Jahr, nachdem die Europäische Zentralbank die Aufsicht über Europas systemrelevante Banken übernommen hat, sind wir in Portugal mit einer Situation konfrontiert, die den Rechtsstaat in diesem Land und der EU in Frage stellt. Der Vorgang ruft außerdem ernste Fragen hinsichtlich der Art und Weise auf, wie die Europäische Zentralbank als oberster Bankenregulierer in Europa handelt“, schreibt Philippe Bodereau vom Vermögensverwalter Pimco.

Einige der enteigneten Gläubiger prüfen derzeit ein juristisches Vorgehen. Die International Capital Markets Association beschwerte sich bei der EZB und auch die portugiesische Regierung kritisierte das Vorgehen. Neben steigenden Kosten für kleinere europäische Banken erwarten Beobachter einen stärkeren Konsolidierungsdruck in der Branche. Banken könnten außerdem versuchen, mehr nachrangige Anleihen auszugeben, welche nach den neuen EU-Bestimmungen im Falle einer Insolvenz leichter zur Schuldentilgung herangezogen werden könnten. „An sich erscheint uns das Bail-in-Prinzip akzeptabel, aber die Implementierung verlief in der Praxis total chaotisch“, sagt Philippe Bodereau. Der neue „Einheitliche Abwicklungsmechanismus“ in der EU scheint nicht ausgereift zu sein und lähmt das Bankgeschäft.  Denn die Hauptaufgabe eines Kreditinstituts, mit kurzfristig abrufbaren Einlagen langfristige Ausleihungen zu refinanzieren, steht im genauen Gegensatz zur Forderung, dass Banken nun „jederzeit abwickelbar“ sein sollen.

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