Ölpreis-Verfall: IWF und Weltbank müssen erste Pleite-Staaten retten

Repräsentanten von IWF und Weltbank sind in Aserbaidschan eingetroffen, um Notfallkredite in Milliardenhöhe vorzubereiten. Das Land ist aufgrund der niedrigen Ölpreise in akuter Pleite-Gefahr. Ein Zahlungsausfall Aserbaidschans könnte der Anfang einer Serie von Staatspleiten wichtiger Erdöl-Länder sein eine für das Exportland Deutschland gefährliche Entwicklung.

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank bereiten sich darauf vor, einem möglicherweise bevorstehenden Zahlungsausfall Aserbaidschans mit Nothilfen in Höhe von rund 4 Milliarden Dollar vorzubeugen, wie Financial Times meldet. Repräsentanten der beiden Washingtoner Organisationen werden demnach vom 28. Januar bis zum 4. Februar in der Hauptstadt Baku sein, um Verhandlungen über Finanzhilfen aufzunehmen. Im Gespräch seinen laut einem Sprecher der Weltbank sowohl kurzfristig wie auch langfristig angelegte Rettungspakete. Außerdem wurde bekannt, dass auch Abgesandte der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und der Asian Development Bank in Baku erwartet werden. Die Situation ist brisant, weil eine Pleite Aserbaidschans weitere Zahlungsausfälle nach sich ziehen und die globale Wirtschaft destabilisieren könnte.

Die Wirtschaft des Landes leidet unter den tiefen Ölpreisen. Dies zwang die Zentralbank Ende des vergangenen Jahres dazu, den aserbaidschanischen Manat vom Dollar abzukoppeln. In der Folge büßte die Landeswährung rund 35 Prozent ihres Wertes ein. Die Regierung von Präsident Alijew versuchte daraufhin, die starken Abverkäufe mit einer Sondersteuer von 20 Prozent auf den Export fremder Währungen einzudämmen. Aserbaidschans Wirtschaft ist äußerst stark von Erdöl und Erdgas abhängig, deren Exporte rund 95 Prozent der Gesamtexporte des Landes ausmachen. Die niedrigen Ölpreise haben nach Angaben des Notenbankchefs dazu geführt, dass die Zahlungsbilanz im Verlauf des vergangenen Jahres von 17 Milliarden Dollar auf „praktisch Null“ abgerutscht sei.

Auch innenpolitisch steht die Regierung Alijew unter Druck. Der Wertverfall des Manat führte zu Protestbewegungen in dem autoritär regierten Land am Kaspischen Meer. Für das laufende Jahr rechnet die Ratingagentur Moody’s mit einem Haushaltsdefizit von etwa 5,5 Prozent. „Dies sind schlechte Zeiten für Ölproduzenten und ihre Gläubiger. Die Geschichte zeigt, dass extremer Pessimismus berechtigt ist, was das Vermögen der Ölproduzenten anbelangt und dass gerade aufstrebende Märkte für Pleiten anfällig sind und Preisabschwünge bei den Rohstoffen die häufigsten Gründe für Zahlungsausfälle sind“, zitiert Financial Times eine Analyse von Oxford Economics.

Die Hilfen für Aserbaidschan sind teilweise wohl geopolitisch motiviert. Aserbaidschan ist ein wichtiger Partner des Westens in der Region. Seine Führungsriege verfolgt seit langem eine Westbindung und arbeitet eng mit der NATO zusammen. Die Unterbindung der durch den Ölpreis-Verfall ausgelösten sozialen Unruhen dürften demnach ebenfalls eine Rolle im Kalkül von IWF und Weltbank spielen.

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