Kanada: Sparer werden bei Bank-Pleiten zur Kasse gebeten

Kanada plant eine „Bail-in“-Regelung für systemrelevante Banken einzuführen. Das Gesetz sieht vor, dass langfristige Verbindlichkeiten von scheiternden Banken in Stammaktien umgewandelt werden, um die Bank zu rekapitalisieren. So sollen die Steuerzahler im Falle einer Pleite geschont werden.

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Die kanadische Regierung plant, im Falle eines drohenden Bankrotts künftig Aktionäre und Gläubiger einer Bank zur Rechenschaft zu ziehen (Bail-in), wie Reuters meldet. Das Gesetzesvorhaben soll nach den Worten der Regierung die Steuerzahler schonen, die in der Vergangenheit in anderen Ländern die Verluste zusammenbrechender Banken tragen mussten (Bail-out). Geplant ist offensichtlich, langfristige Verbindlichkeiten der Bank gegenüber den Sparern und Anlegern in Aktien umzuwandeln.

„Um die kanadischen Steuerzahler im unwahrscheinlichen Fall einer großen Bankpleite zu schützen, plant die Regierung ein Bail-in-Regime zu implementieren, welches sicherstellen würde, dass Bankaktionäre und Gläubiger für das Risiko der Bank verantwortlich sind – und nicht die Steuerzahler. Dies würde es den Behörden erlauben, langfristige Verbindlichkeiten einer strauchelnden systemrelevanten Bank in Aktien umzuwandeln, um das Institut zu rekapitalisieren und den Betrieb aufrecht zu halten“, heißt es in der offiziellen Verlautbarung.

Zwar würden dem neuen Bail-in-Modell zufolge keine Steuergelder verwendet, die Kosten trügen jedoch die Sparer als Gläubiger der Banken und damit wieder zumindest ein Teil der Allgemeinheit. Die Regierung hat angekündigt, dass weitere Einzelheiten zu dem Vorhaben demnächst veröffentlicht werden. Der Vorstoß ist interessant, weil das Land relativ unbeschadet durch die Finanzkrise kam und keine seiner Banken retten musste. Dass die Regierung nun mit einer Gesetzesänderung Vorsorge gegen mögliche Bank-Insolvenzen trifft, kann auch als Hinweis auf die gegenwärtige Verfassung des Finanzsystems dienen.

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