Schulden-Krise: „Der Crash ist schon voll im Gange“

Die Geldpolitik der EZB bringt Europa einem Finanz-Crash immer näher. Niedrigzinsen, gefährdete Renten und marode Banken sind erst der Anfang, so der Ökonom und Bestsellerautor Matthias Weik. Das Konstrukt der gemeinsamen europäischen Währung ist nicht länger tragbar. Wenn nicht bald ein völlig neues Geldsystem eingeführt wird, droht der völlige Zusammenbruch der Finanzwelt.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie gelten als die „Crash-Propheten“ – und nun ist er bisher nicht eingetreten. Haben Sie sich geirrt?

Matthias Weik und Marc Friedrich: Nein, der Crash wird kommen. Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann der Crash kommt. Wenn wir ehrlich sind, ist der Crash schon im vollen Gange – er tritt scheibchenweise auf: Wir haben eine Nullzinsphase, Riester ist gescheitert, Griechenland ist immer noch pleite, Italiens Banken sind marode. Viele unserer Prognosen sind in der Zwischenzeit eingetroffen und wir befürchten, dass leider auch der Rest eintreten wird. Bisher hat man lediglich auf globaler Ebene teuer Zeit gewonnen. Die Frage stellt sich lediglich, um welchen Preis? Nach wie vor wird auf globaler Ebene versucht, Schulden mit Schulden zu bezahlen, was weder nachhaltig ist, noch auf Dauer funktioniert. Seit 2008 hat sich die globale Verschuldung auf 200 Billionen US-Dollar verdoppelt.

Verzweifelt bekämpfen die Notenbanken die Krise mit historisch niedrigen Zinsen – also mit einer Flut von billigem Geld. Mit dem Ziel, das Geldkarussell am Laufen zu halten, pumpen Staaten und Notenbanken weiterhin Hunderte von Milliarden in ein völlig marodes Finanzsystem. Die Notenbanken, die Brandstifter und Feuerwehr in einem sind, verkennen dabei, dass es gerade die niedrigen Zinsen gewesen sind, die die letzte Krise mit verursacht haben. Durch eine aus dem Ruder gelaufene irrsinnige Notenbankpolitik wurden die Aktienmärkte global enorm aufgebläht. Abermals entstehen durch das viele billige Geld Blasen an den Immobilien-, Aktien- und Anleihenmärkten. Inzwischen sind die Märkte dermaßen abhängig vom billigen Geld, dass sich niemand mehr traut, ihnen die Droge Geld zu entziehen. Wir sehen also: Die Welt ist voller Warnungen und der Crash, auch moralisch, ist im vollen Gange.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Vielleicht macht man sich eine zu simple Vorstellung vom Crash. Wie hat sich denn das Finanzsystem entwickelt?

Weik & Friedrich: Das System wurde global mit Unmengen an Geld geflutet und die Zinsen in den Keller gedrückt, um das Geldkarussell am Laufen zu halten. Finanzielle Repression gegen die Bürger ist die geheime Waffe und der eigentliche Grund, warum sich das Finanzcasino überhaupt noch dreht. Durch die Geldflut sind die Banken seit 2008 noch größer und damit noch systemrelevanter geworden, das globale Volumen der Derivate ist heute höher als vor dem Lehman-Crash und an der Wallstreet wird wieder reichlich Geld verdient. Aus allen groß angekündigten Reformen, die Finanzwelt an die Kandare zu nehmen, ist nichts geworden und die Steueroasen weltweit ersticken an dem gebunkerten Geld der Konzerne und Superreichen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie sagen, die Politiker spielen auf Zeit. Sind Sie erstaunt, wie lange die das schaffen?

Weik & Friedrich: Ja! Nachweislich stand unser Finanzsystem seit 2008 mehr als 10 Mal auf der Kippe und wurde jedes Mal mit abstrus hohen Geldpaketen und demokratisch fragwürdigen Mitteln gerettet. Daraus entstanden neue Finanzmarktblasen. Es benötigt immer neue, immer größere Blasen, um die bestehende abzulösen. Die Politik und die Notenbanken schaffen das einerseits so lange, wie wir an das Finanzsystem und den Wert unseres Geldes glauben, und andererseits so lange wir es uns bieten lassen, uns die Taschen leeren und von der EZB enteignen zu lassen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Veränderungen haben denn die Negativzinsen herbeigeführt?

Weik & Friedrich: Mittlerweile ist das eingetreten, was vor Jahren noch undenkbar war und wovor wir auch gewarnt haben – Negativzinsen. Der verantwortungsvolle Mensch, welcher für das Alter vorsorgt, der ehrliche Sparer, wird von Mario Draghis EZB gnadenlos enteignet. Ein jeder möge endlich konsumieren anstatt zu sparen. Das ist absoluter Wahnsinn. Die Politik der EZB:

– enteignet die Bevölkerung und macht sichere Altersvorsorge unmöglich!
– macht Wohnraum immer teurer!
– kreiert Finanzmarkt- und Immobilienblasen!
– dient den großen Finanzkonzernen und zerstört lokale Banken (Sparkassen und Volksbanken)
– führt zu immer höheren Bankgebühren
– macht die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher
– offenbart die Verzweiflung der Protagonisten
– zeigt, dass unser System sich im Endstadium befindet

Es ist an der Zeit, dass wir endlich Mario Draghi – der von niemanden von uns demokratisch gewählt wurde, aber trotzdem über unser Geld herrscht – und der gesamten EZB die Rote Karte zeigen. Aus diesem Grunde haben wir jetzt die Online-Petition „EZB stoppen – wir zahlen nicht für Eure Krise“ gestartet. Alleine können wir nichts erreichen, doch mit vielen sehr wohl. Es ist an der Zeit, dass wir die Enteignung von uns Bürgern durch die Notenbanken nicht mehr stillschweigend hinnehmen, sondern uns zusammenschließen und gemeinsam an einem Strang ziehen, denn wir alle sind die Opfer dieses irrsinnigen und zum Scheitern verurteilten Notenbank-Experiments.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie sind und waren stets Euro-Skeptiker – ist der Euro durch Griechenland eigentlich gerettet?

Weik & Friedrich: Nein! Auch hier wird wieder nur auf Zeit gespielt. Wir vertreten mehr denn je die Meinung, dass der Euro zum Scheitern verurteilt ist. Jahr für Jahr treibt der Euro einen größeren Keil zwischen die Völker Europas und mehr und mehr fassen wir uns an den Kopf und fragen uns, was das eigentlich für ein Geld ist, das wir haben, was andauernd gerettet werden muss. Es sollte uns allen Folgendes klar sein: Geld, das man retten muss, ist kein Geld! Es ist unmöglich, unterschiedlich starke Volkswirtschaften in einer Währungsunion zu haben – es sei denn, man macht eine Transferunion. Dies muss man den Bürgern dann aber auch knallhart kommunizieren. Alle Währungsunionen sind bisher im Laufe der Menschheit gescheitert – und so wird es auch der Euro. Viel mehr erleben wir das Scheitern ja bereits. Die Kunstwährung Euro ist gerade mal süße 15 Jahre jung und liegt schon seit mehreren Jahren auf der Intensivstation. Kein Medikament, keine Behandlung haben eine Besserung herbeigeführt – lediglich das Leiden wurde in die Länge gezogen. Umso länger wir aber an diesem nachweislich, gescheiterten Währungsexperiment festhalten, umso größer werden die Kollateralschäden sein, monetär und gesellschaftlich!

Griechenland ist selbstredend ebenso wenig gerettet wie Portugal. Griechenland ist nach wie vor total bankrott und wird unter dem Euro niemals mehr auf die Beine kommen. Irgendwann wird man das hoffentlich auch in Brüssel und Berlin erkennen. Bis dato wird man das Land weiter ausbluten und sukzessive zerstören. Wir werden das viele Geld nie wieder sehen. Jedoch ist das Geld der Steuerzahler nicht weg, wie es unserer Politiker stets keck behaupten, sondern lediglich woanders – nämlich bei den Banken.

In unserem neuen Buch „Kapitalfehler“ haben wir einen 4-Punkte-Plan für Griechenland vorgelegt, um wirklich eine Besserung für das Land und die Menschen zu erreichen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie sehen Sie das Problem der faulen Kredite?

Weik & Friedrich: Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis uns diese um die Ohren fliegen werden. Da werden noch drastische Zahlen auf uns zukommen. Viele Banken haben diese Kredite entweder versteckt, ausgelagert oder auf die Bürger übertragen, die nun dafür haften. Italien beispielsweise kämpft vermehrt mit seinen maroden Banken, weshalb die immense Summe von 350 Milliarden Euro prophylaktisch in Bad Banks ausgelagert wurde. Daraus sollen sogar noch „Wertpapiere“ gebastelt und wieder verkauft werden. Die Banken sind dann wieder fein raus. Gelöst ist das Problem damit nicht – es wurde lediglich in die Zukunft verlagert und auf die Bürger abgewälzt. In Griechenland sind über 40 Prozent aller Kredite leidend, in Spanien sind wir auch bei knapp 200 Milliarden Euro und von vielen Banken wissen wir noch nicht, was da so im Keller rumliegt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was ist Ihr worst-case, wenn alles einfach so weiterläuft wie bisher?

Weik & Friedrich: Die komplette Enteignung, Überwachung und Entdemokratisierung. Das worst-case wäre dann die Zuspitzung im unkontrollierten, chaotischen und zerstörerischen Zusammenbruch unseres Finanzsystems. Die Auswirkungen wären epochal und würden alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen, denn noch nie waren die globalen Finanzmärkte und Zahlungsströme durch die Globalisierung enger miteinander verbunden wie aktuell. Noch nie hatten wir mehr Schulden im System und mehr brandgefährliche Derivate, die das Ganze noch potenzieren. Das Ausmaß mag man sich gar nicht ausmalen. Es wäre eine Vernichtung von Wohlstand in historischem Ausmaß mit verheerenden Folgen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Tatsächlich sehen wir doch den ungebrochenen, globalen Run auf reale Assets. Wer hat da die besten Karten?

Weik & Friedrich: Und das ist erst der Anfang. Noch ist das Zeitfenster geöffnet, um sein Vermögen auf mehreren Sachwertstandbeinen aufzustellen. Das empfehlen wir auch unseren Kunden in der Honorarberatung. Mehr denn je geht es um Streuung, denn es werden Vermögensstandbeine wegbrechen, besteuert oder enteignet werden.

Wir sind davon überzeugt, dass Besitzer von Sachwerten in Zukunft wesentlich besser fahren werden als Besitzer von Papierwerten.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Schulden-Orgien enden meist in Kriegen – sehen Sie so etwas auch, etwa im globalen Maßstab?

Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich. (Foto: Christian Stehle, Asperg)

Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich. (Foto: Christian Stehle, Asperg)

Weik & Friedrich: Ja, in unserem neuen Buch haben wir leider feststellen müssen, dass Schulden nie beglichen werden, sondern nur über drei Wege verschwinden: Inflation, Währungsreform oder Krieg. Letzteres gilt es definitiv zu verhindern. Wir können also froh sein, wenn es nur in einer Währungsreform endet – das wird schon bitter genug werden. Wir alle werden abgeben müssen. Die Frage ist nur wieviel – wir sagen unseren Kunden immer, wenn wir es gemeinsam schaffen, nur 30 oder 50 Prozent abzugeben, dann werden wir zu den Gewinnern gehören, denn ein Großteil wird deutlich mehr verlieren.  Eigentlich haben wir jedoch in der westlichen Welt die absolute Höchststufe des Kapitalismus erreicht. Wir haben doch alles, oftmals sogar in doppelter oder dreifacher Ausführung. Eigentlich brauchen wir nichts. Wir könnten ganz entspannt die nächsten Jahre überleben, ohne uns etwas, abgesehen von Essen und Trinken, zu kaufen. Das ist der Supergau für den Kapitalismus. Wenn wir jedoch alles wieder kaputt machen würden, dann könnten wir wieder ganz neu anfangen. Man kann nur hoffen, dass keiner auf die Idee kommt, alles kaputt zu machen, und wir stattdessen ein neues und faires Finanzsystem implementieren und uns von dem irrsinnigen Konsumwahn verabschieden.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: In Europa sehen wir extreme Rechte und neue rechte Parteien, und extreme Linke oder linke Allianzen. Könnten die etwas ändern?

Weik & Friedrich: Nein, das beste Beispiel ist Griechenland. Dort herrscht eine Koalition zwischen Parteien, die unterschiedlicher gar nicht sein können, und trotzdem ändert sich – nichts, rein gar nichts. Es herrscht nach wie vor das Kapital und sonst niemand. Es ist völlig egal, ob es eine linke, rechte oder sonst eine Partei ist, die die Zügel in der Hand hat. Geld regiert die Welt. Alle Staaten der Welt sind bis zur Halskrause verschuldet und die Gretchenfrage ist: Bei wem haben die Staaten ihre Schulden? Wer kauft die Schulden auf? 99 Prozent der Schulden werden von der Finanzwelt aufgekauft und genau aus diesem Grund hat sich seit 2008 rein gar nichts in der Finanzwelt geändert, wurde keine Transaktionssteuer installiert oder die Banken an die Leine genommen. Der Gläubiger bestimmt, wo es langgeht, und nicht der Schuldner. Solange wir diese ungesunde Abhängigkeit der Politik von der Finanzindustrie durchbrechen, wird sich nichts ändern, sondern es wir nur noch schlimmer werden. Wir sind leider zum Ergebnis gekommen, dass sich von oben nichts ändern wird, der Wandel wird von unten kommen. Wie immer. Das war 1789 in Paris so, aber auch 1989 in Leipzig. Hoffen wir, dass es friedlich abläuft.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: In Ihrem neuen Buch schlagen Sie auch Lösungen vor, wie die Wirtschaft funktionieren würde. Was ist Ihre Kernthese?

Weik & Friedrich: Wir fordern zunächst:

– eine Wiederbelebung des Trennbankensystems
– die Erhöhung der Eigenkapitalquote für Banken
– systemrelevante Banken müssen eine Sondersteuer bezahlen
– die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, um dem irrsinnigen Hochfrequenzhandel Einhalt zu gebieten
– Implementierung eines Insolvenzplans für systemrelevante Banken und Versicherungen.
– eine permanente, antizyklische Kapitalmarktkontrolle!
– Transparenten Handel (Keine OTC-Geschäft)
– Verbot von Leerverkäufen
– und dann ein neues Geldsystem.

Unser Giralgeldsystem muss abgeschafft und durch ein transparentes und idealerweise gedecktes Geldsystem ersetzt werden. Ferner benötigen wir eine unabhängige, demokratische Notenbank und einen vom Volk gewählten Notenbankpräsident.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wo sehen Sie die EU in den kommenden Jahren?

Weik & Friedrich: Im Dauerkrisenmodus und in der Selbstauflösung. Die EU zerstört sich selbst. Wenn die EU auch im nächsten Jahr unter dem Vorsitzenden Jean-Claude Juncker Steueroasen bekämpfen möchte, dann kann wirklich kein rational denkender Mensch die EU mehr ernst nehmen. Immer mehr Menschen in Europa fühlen sich von Brüssel und der EU nicht verstanden und abgeholt. Die politischen Eliten der EU leben völlig realitätsfern in einer gefährlichen Parallelwelt. Wenn sich hier nichts Grundlegendes ändert, werden extreme Parteien weiterhin massiven Zulauf haben und eher früher als später wird die EU ad acta gelegt werden.

Wir fordern einen Volksentscheid über die Zukunft der EU! Das wäre mal wahre Demokratie – aber die Vergangenheit zeigt ja, dass genau davor die Damen und Herren und Brüssel höllische Angst haben.

Das neue Buch der beiden Bestseller-Autoren. (Foto: Eichborn)

Die Ökonomen und Berater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben gemeinsam die Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden.“  und „Der Crash ist die Lösung: Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“ geschrieben.

Soeben ist ihr drittes Buch erschienen, das die Gedanken der ersten beiden Bücher weiterführt und einige radikale Lösungen vorschlägt: „Kapitalfehler. Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ , Eichborn, 352 Seiten, 19,99 Euro.

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