Weniger Flüchtlinge: Rotes Kreuz baut Mitarbeiter ab

Die sinkende Zahl der Flüchtlinge in Sachsen kostet Flüchtlingshelfern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ihren Job. Weil der Freistaat zahlreiche Erstaufnahmeeinrichtungen schließt, müssen auch sie kurzfristig gehen. Es entsteht jedoch neuer Bedarf. Deutschlehrer, Dolmetscher und Sozialarbeiter sollen jetzt bei der Integration der Flüchtlinge helfen.

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In Döbeln und Plauen haben zahlreiche Flüchtlingshelfer des DRK in Kürze keine Arbeit mehr. Insgesamt 15 Erstaufnahmeeinrichtungen werden hier im Zuge des geringer werdenden Flüchtlingsstroms vom Freistaat wieder geschlossen. Besondere Auffang- oder Eingliederungsprogramme sind offenbar weder vom Land noch von der Arbeitsagentur vorgesehen. Die Aufregung ist trotz klarer Absprachen groß.

Im November vergangenen Jahres stieg der Bedarf an Erstaufnahmeeinrichtungen sprunghaft an. Allein das DRK stellte damals 750 Leute ein, davon etwa 400 bei den Kreisverbänden. Jetzt hat sich die Lage zumindest in Sachsen verändert. Die überwiegende Zahl habe einen Vertrag bis Ende 2016 erhalten, doch sie flögen jetzt trotzdem binnen eines Monats raus, berichtet die Dresdner Morgenpost über die aktuelle Situation der Flüchtlingshelfer.

„Es war schnell klar, dass diese Mammutaufgabe nur mit der zügigen Einstellung von neuen Mitarbeitern realisierbar war, die über mehrere Monate einen Schichtbetrieb aufrechterhalten können“, zitiert das Blatt den Sprecher des DRK-Landesverbands Sachsen, Kai Kranich. Aufgrund unklarer Prognosen hätten aber nur temporäre und projektbezogene Stellen geschaffen werden können. „Das war den Mitarbeitern auch so klar.“ Vom Freistaat sei man angehalten worden, keine unnötigen Mehrkosten zu produzieren.

Zur bundesweiten Situation erklärt Dr. Dieter Schütz, Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes Generalsekretariat Berlin, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten:

Da Träger in fast allen Fällen die jeweiligen Landesverbände bzw. Kreisverbände sind, haben wir leider keinen bundesweiten Überblick über die Entwicklung. Klar ist jedoch der Trend, dass einige Notunterkünfte aufgrund des Rückgangs der Flüchtlingszahlen geschlossen wurden bzw. noch geschlossen werden. In den allermeisten Fällen ist das Personal jedoch von vorneherein befristet eingestellt worden. Auf der anderen Seite ist es so, dass jetzt zwar nicht mehr soviel Personal bei der Unterbringung gebraucht wird, jedoch bei der Integration der Flüchtlinge. Vor allem für Deutschlehrer, Dolmetscher und Sozialarbeiter eröffnen sich da neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Diese Personengruppen sind allerdings nicht immer deckungsgleich. Dies heißt, zum Teil ergibt sich bestimmt für den einen oder anderen, der bisher in einer Notunterkunft angestellt war, die Beschäftigungsmöglichkeit in einem Integrationsprojekt, aber sicherlich nicht in allen Fällen. Die DRK-Einrichtungen sind im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten bemüht, den Betroffenen Lösungen anzubieten.

In Sachsen war die Aufregung trotzdem groß. Die Dresdner Morgenpost berichtet, von der Schließung seien nicht nur DRK-Mitarbeiter betroffen gewesen. Auch Wachdienste, Catering- und Reinigungsfirmen der Aufnahmeeinrichtungen hätten ihre Mitarbeiter entlassen.

Die offiziellen Zahlen für Flüchtlinge und Migranten sind weiter niedrig: Im Mai wurden ähnlich wie im Vormonat rund 16.000 Neuzugänge im Easy-System registriert, wie das Bundesinnenministerium am Dienstag in Berlin mitteilte. Im Mai waren es 16.281, etwas mehr als im April (15.491). Im Easy-System werden die Flüchtlinge zur Verteilung auf die Bundesländer erstmals registriert.

Die meisten Flüchtlinge kamen aus Syrien, ihre Zahl betrug 2685. Es folgten Afghanistan mit 2289, Irak mit 1355, Russland mit 1260 und Iran mit 642 Flüchtlingen. Die nordafrikanischen Staaten und die Westbalkan-Länder waren nicht unter den ersten Plätzen. Rückläufig war im Mai die Zahl der Asylanträge, die beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) gestellt wurden: Sie sank gegenüber April um 9,3 Prozent auf 55.259. Gegenüber dem Vorjahresmonat stellt dies aber einen drastischen Anstieg dar, und zwar um 112 Prozent.

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