Zu hohe Dividenden: Aktionäre treiben Banken in den Ruin

Eine Gruppe von Finanzwissenschaftlern kritisiert die Dividenden-Politik vieler europäischer Banken. Obwohl diese viel zu wenig Eigenkapital besitzen, wurden allein 2015 ungefähr 40 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet.

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Europäische Banken sollten derzeit nach Meinung von Forschern auf die Ausschüttung von Dividenden verzichten. (Foto: dpa)

Europäische Banken sollten derzeit nach Meinung von Forschern auf die Ausschüttung von Dividenden verzichten. (Foto: dpa)

Dividendenzahlungen 2010 bis 2015 im Vergleich zu Kapitallücken einiger Banken. (Grafik: www.sascha-steffen.de)

Dividendenzahlungen 2010 bis 2015 im Vergleich zu Kapitallücken einiger Banken. (Grafik: www.sascha-steffen.de)

Eine Gruppe von Finanzwissenschaftlern kritisiert die Dividenden-Politik der meisten europäischen Banken scharf. Die Ausschüttung an die Aktionäre sei nicht zu rechtfertigen, solange die Banken über kein ausreichendes Eigenkapitalpolster verfügten. Die Aufsicht müsse die Auszahlungen der Finanzinstitute unterbinden, heißt es in einem Bericht.

Europäische Banken leiden unter einer beträchtlichen Deckungslücke beim Eigenkapital. Der von der Europäischen Aufsichtsbehörde EBA Ende 2014 durchgeführte Stresstest zeigt, dass die 123 größten Institute des Kontinents zusammen eine Kapitallücke von rund 25 Milliarden Euro aufwiesen. Die meisten Banken hätten daraufhin versucht, die von der EBA vorgegebene Kapitalausstattung durch den Verkauf riskanter Engagements zu erreichen.

Kürzlich angestellte eigene Untersuchungen hätten allerdings ergeben, dass jene Banken, die vor einigen Wochen am aktuellen Stresstest teilgenommen hatten, zusammen 123 Milliarden Euro mehr bräuchten, um die in den USA geltenden Kapitalanforderungen zu erreichen.

Trotz dieser Kapitalschwäche hätten 28 der 34 börsennotierten Banken des Stresstests allein im vergangenen Jahr Dividenden von insgesamt 40 Milliarden Euro ausgeschüttet. Im Schnitt verteilte jede Bank etwa 60 Prozent der erwirtschafteten Gewinne an ihre Anleger. „Wenn die europäischen Aufseher die Banken im Jahr 2010 gezwungen hätten, die Ausschüttungen einzustellen, würden die Einsparungen mittlerweile die Hälfte jener Kapitallücken schließen, welche wir 2016 entdeckt hatten“, schreiben die Autoren des Berichts.

„Den Banken zu erlauben, Dividenden auszuzahlen, stellt einen substantiellen Vermögenstransfer von nachrangigen Anleihehaltern zu den Aktionären dar, weil dies die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Anleihehalter an möglichen Rettungen der Banken beteiligt werden. Letztendlich ist es ein Vermögenstransfer von den Steuerzahlern zu den Aktionären, weil Staatshilfen unter den gegenwärtigen EU-Regel möglich sind, nachdem 8 Prozent der Verbindlichkeiten von den Aktionären und Gläubigern beglichen wurden“, heißt es in dem Bericht.

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