Direktor Coeuré: Die nächsten Schritte der EZB werden riskant sein

EZB-Direktor Coeuré erwartet schon bald neue Maßnahmen in der Geldpolitik. Der Grund: Die Euro-Staaten hätten ihre Haushalte nicht im Griff. Erstmals warnt ein EZB-Direktor zugleich davor, dass die nächsten Schritte der EZB offenbar mit beträchtlichen Nebenwirkungen verbunden sein werden.

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Bundesfinanzminister Schäuble mit EZB-Direktor Benoit Coeure im Jahr 2014. (Foto: dpa)

Bundesfinanzminister Schäuble mit EZB-Direktor Benoit Coeuré im Jahr 2014. (Foto: dpa)

Ausbleibende Struktur- und Haushaltsreformen in der Euro-Zone könnten die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung ihres Direktors Benoit Coeure erneut auf den Plan rufen. Nochmalige Schritte der Notenbank wären aber mit Nebenwirkungen verbunden, sagte Coeure am Dienstag auf einer Veranstaltung in Genf. „Nichts ist umsonst.“ So müssten unter anderem Folgen für die Finanzstabilität beachtet werden. „Bislang haben wir diese Risiken im Griff gehabt“, sagte der Notenbanker. „Aber je mehr wir unternehmen müssen, umso mehr Nebenwirkungen werden auftreten.“

Die Leitzinsen im Euro-Raum liegen mittlerweile auf dem Rekordtief von null Prozent. Zudem müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der Notenbank Geld parken. Darüber hinaus versucht die EZB seit März 2015 mit dem Kauf von Staatsanleihen in großem Stil, die Konjunktur und die Inflation im Währungsraum anzuschieben. Das in Deutschland umstrittene Programm ist inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegt.

Nach den jüngsten Konjunkturdaten hat die Euro-Zone den Brexit-Schock überraschend gut verdaut. Der Einkaufsmanager-Index für die Privatwirtschaft kletterte im August um 0,1 auf 53,3 Punkte und erreichte damit ein Sieben-Monats-Hoch. Nach Einschätzung von Coeure nimmt das Wachstum in der Euro-Zone zu. „Es ist nicht so gut wie wir es wünschen, aber es ist da und das Wachstum wird sich weiter beschleunigen“, sagte Coeure. Die Euro-Zone erhole sich. Die nächste Zinssitzung der EZB ist für den 8. September in Frankfurt geplant.

Die amerikanische Investmentbank JP Morgan rechnet hingegen nicht mehr mit einer weiteren Verschärfung der Strafzinsen in der Euro-Zone. Von den aktuellen Konjunkturdaten zum Wachstum sowie von der Währungsseite her gebe es keinen Handlungsdruck für die EZB, schrieben die Experten des Bankhauses in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Bisher waren die Volkswirte des US-Geldhauses davon ausgegangen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagenzins auf minus 0,5 von aktuell minus 0,4 Prozent herabsenken wird.

„Wir nehmen die Zinssenkung komplett aus unseren Prognosen raus“, hieß es in der Kurzstudie der US-Bank. Jegliche Herabsetzung würde wahrscheinlich auch auf internen Widerstand stoßen. Institute im Euro-Raum müssen bereits seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank über Nacht Geld parken. Die JP-Morgan-Experten rechnen allerdings weiterhin damit, dass die EZB ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm über Ende März 2017 hinaus verlängert. Sie erwarten aber nicht mehr, dass dies schon auf der nächsten EZB-Zinssitzung im September angekündigt wird.

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