VW-Ingenieur in den USA bekennt sich in Abgasskandal schuldig

Im Volkswagen-Abgaskandal hat sich ein Ingenieur in den USA schuldig bekannt. Er will mit den Behörden zusammenarbeiten. Es ist unklar, ob der Ingenieur auch andere VW-Mitarbeiter belasten wird.

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Volkswagen steht in den USA unter Druck. (Foto: dpa)

Volkswagen steht in den USA unter Druck. (Foto: dpa)

Der 62-Jährige erklärte am Freitag vor einem US-Bezirksgericht in Detroit, mit den Behörden zusammenarbeiten zu wollen. Er habe gewusst, dass Volkswagen den US-Behörden die Schummelsoftware verschwiegen habe, sagte er. Sein Anwalt sagte nach der Anhörung, sein Mandant bereue es sehr.

Ihm wird Betrug und die Verletzung von US-Emissionsgesetzen vorgeworfen. Zudem habe er sich mit derzeitigen und früheren VW-Angestellten verschworen, um die US-Behörden in die Irre zu führen, hieß es in der Anklageschrift. Er ist die erste Einzelperson, die in dem Skandal angeklagt wurde. VW wollte sich dazu nicht weiter äußern. Der Konzern kooperiere weiterhin eng mit dem US-Justizministerium.

Dem deutschen Staatsbürger, der in Kalifornien lebt, drohen bis zu fünf Jahre Haft. Das Urteil könnte aber weitaus geringer ausfallen, sollte die US-Regierung zu dem Schluss kommen, dass er umfangreich bei der Aufklärung der Affäre geholfen hat. Der Ingenieur arbeitete seit 1983 für den Wolfsburger Konzern und war Teil eines Teams, das einen Dieselmotor entwickelt hat.

Laut Anklageschrift war er einer der Ingenieure, der in Wolfsburg 2006 an der Entwicklung der Schummelsoftware für den VW Jetta beteiligt war. Nachdem bei einer Universitätsstudie herauskam, dass die Wagen auf der Straße mehr Schadstoffe ausstießen als bei Tests, habe er mit anderen Mitwissern die Behörden angelogen und die Diskrepanz auf kleinere mechanische Belange zurückgeführt. Die Anklageschrift stützt sich auch auf E-Mails zwischen ihm und Mitarbeitern von Anfang 2015, in denen von zunehmender Furcht vor Entdeckung durch die US-Umweltbehörde Carb die Rede ist. Sie müssten die Behörden davon abhalten, ältere Dieselfahrzeuge – die sogenannte Generation 1 – zu testen. „Wenn die Generation 1 bei Carb auf den Prüfstand kommt, haben wir nichts mehr zu lachen!!!!!“, zitiert die Anklageschrift aus einer Mail.

VW hatte vor einem Jahr auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, Diesel-Abgaswerte mit einer speziellen Software manipuliert zu haben. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge davon betroffen. Die finanziellen Auswirkungen sind für den Konzern immer noch schwer abzuschätzen. In den USA schloss VW bereits Vergleiche mit Hunderten Sammelklägern, Behörden, Bundesstaaten sowie Autohändlern über insgesamt 16,5 Milliarden Dollar.

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