US-Notenbank rudert zurück: Zins-Erhöhung vor US-Wahl fraglich

Das Notenbank-Mitglied Brainard hat am Montag ein klares Signal gesetzt, dass es im September zu keiner Erhöhung des Leitzinses kommen dürfte. Zuvor hatten die Banken die Lage in düsteren Farben gemalt: Eine große Mehrheit der Anleger wären auf diesen Fall nicht vorbereitet, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Ein Aktien-Crash würde Donald Trump in die Karten spielen.

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Die US-Notenbankerin Lael Brainard. (Foto: dpa)

Die US-Notenbankerin Lael Brainard. (Foto: dpa)

Eine Anhebung des Leitzinses Fed Fund Rate durch die US-Zentralbank wäre nach Meinung von Beobachtern ein schwerer Schock für die Finanzmärkte und würde viele Investoren wahrscheinlich auf dem falschen Fuß erwischen. Derzeit rechnet nur eine Minderheit der von der Financial Times Befragten mit einer Anhebung am 21. September. 85 Prozent der Befragten hingegen gehen davon aus, dass Fed-Chefin Janet Yellen keine neuen Maßnahmen verkünden wird.

Gerüchte und Andeutungen, die eine Zinsanhebung bereits im September wahrscheinlicher erschienen ließen, haben in den vergangenen beiden Handelstagen zu Unruhe an den Börsen und steigenden Renditen bei Anleihen geführt. Der Präsident des Fed-Distrikts Boston, Eric Rosengren, hatte am Wochenende Spekulationen um eine baldige Anhebung der Leitzinsen genährt. Geschehe das nicht, drohe die amerikanische Wirtschaft zu überhitzen.

Neue Äußerungen von Vertretern der Federal Reserve haben die Annahme gestützt, dass eine US-Zinserhöhung noch in diesem Monat unwahrscheinlich sein dürfte. Die einflussreiche Notenbankdirektorin Lael Brainard warnte vor einem zu frühen Ende der lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft. Anders als viele Experten meinten, könnte der Arbeitsmarkt die Vollbeschäftigung noch nicht erreicht haben, sagte sie am Montag. Daher erscheine eine Straffung der Geldpolitik weniger zwingend. Experten gehen davon aus, dass die US-Notenbank auf ihrer Sitzung am 20. und 21. September noch stillhält und frühestens im Dezember die Zinsen anheben wird.

Brainard sagte, sie wolle noch einen stärkeren Aufwärtstrend bei den Konsumausgaben sehen. Auch bleibe der Druck auf die Inflation durch die Erholung des Arbeitsmarktes noch aus. Die Hoffnung der Fed, dass über höhere Löhne auch die Preise steigen, sei bislang nicht erfüllt. Brainard gehört zu den Notenbankern, die einer Zinserhöhung von jeher zögerlich gegenüberstehen. Zur nächsten Zinsentscheidung der Fed äußerte sie sich nicht. Auch der Chef des Fed-Bezirks von Minneapolis, Neel Kashkari, sagte dem Fernsehsender CNBC, dass er eine geldpolitische Straffung nicht als besonders dringlich ansehe.

Brainards Äußerungen sorgten dafür, dass die US-Börsen nach anfänglichen Verlusten ins Plus drehten. Zuvor hatte noch die Furcht vor einem baldigen Ende des billigen Geldes die US-Anleger in die Flucht getrieben.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, weil es der letzte Tag ist, an dem Führungskräfte der Zentralbank öffentliche Statements abgegeben dürfen, bevor das Board of Governors am 21. September zu seiner Sitzung zusammenkommt. Manche Beobachter vermuten, dass diese Rede dazu dienen soll, die Märkte auf eine Anhebung vorzubereiten, um schwere Verwerfungen zu vermeiden.

„Wir sehen das Risiko, dass sie (Lael Brainard – Red.) eine Rede mit einem zuversichtlichen Grundtenor halten könnte. Wenn Fed-Chefin Yellen die im Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit von Zinsanhebungen erhöhen möchte, ist diese Rede eine ihrer letzten Möglichkeiten“, werden Analysten der britischen Barclays Bank von der Financial Times zitiert.

Inzwischen wird immer offensichtlicher, dass die gegenwärtig schwache Entwicklung der US-Wirtschaft eigentlich keine weiteren Zinserhöhungen verkraften dürfte.

Zuletzt waren im August weniger neue Jobs entstanden als erwartet. Private Firmen und die öffentliche Hand schufen insgesamt 151.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, wie das Arbeitsministerium bekanntgab. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit 180.000 gerechnet. Zwar liegt die offizielle Arbeitslosenquote in den USA derzeit nur bei etwa 5 Prozent – viele der neugeschaffenen Jobs sind jedoch im Niedriglohsektor angesiedelt. Zudem gibt es auch hinsichtlich der offiziellen Arbeitslosenquoten viel Erklärungsbedarf und nicht wenige Beobachter sehen den wahren Wert bei etwa 10 Prozent. Besorgniserregend ist zudem die schwache Auftragslage in der Industrie.

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