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Auto-Diebstahl in Deutschland: In Passau ist das Fahrzeug am sichersten

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 36.476 Kraftwagen gestohlen - pro Tag erfasste die Polizei somit fast 100 Autodiebstähle. Besonders im Osten Deutschlands häufen sich die Fälle. Autobesitzer in Großstädten wie Berlin oder Hamburg sind häufiger betroffen als in München oder Frankfurt am Main. Spitzenreiter in puncto Sicherheit ist das kleine Passau.

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Spitzenreiter und damit Autodiebstahl-Hochburg ist Berlin. (Foto: dpa)

Spitzenreiter und damit Autodiebstahl-Hochburg ist Berlin. (Foto: dpa)

Wo es sich in Deutschland noch sicher parkt, hat FinanceScout24 in einer umfangreichen Autodiebstahl-Studie veröffentlicht: Anhand einer interaktiven Deutschlandkarte und einem Städte-Ranking können Verbraucher herausfinden, wie sicher es sich in ihrer Region parkt.

Die Studie zeigt: Spitzenreiter und damit Autodiebstahl-Hochburg ist Berlin. Hier wurden im vergangenen Jahr 528 Autos je 100.000 zugelassene Kraftwagen gestohlen. Damit liegt die Hauptstadt 497 Prozent über dem bundesweiten Städtedurchschnitt (88,3 Fälle). Auf Platz zwei liegt Frankfurt (Oder): Die Polizei registrierte hier 129 Autodiebstahl-Fälle, was einer Quote von 420 gestohlenen je 100.000 zugelassenen Fahrzeugen entspricht.

(Graphik: FinanceScout24/Scout24 Services GmbH)

(Graphik: FinanceScout24/Scout24 Services GmbH)

Geringer fallen hingegen die Zahlen im Süden Deutschlands aus. Städte mit geringem Diebstahlrisiko liegen vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Schlusslicht im positiven Sinne ist demnach Passau: In der bayerischen Stadt kamen auf 100.000 zugelassene Kraftwagen lediglich 14 gemeldete Autodiebstähle. Dies entspricht einer negativen Abweichung um 84 Prozent vom Bundesdurchschnitt.

Doch wie sicher ist die eigene Region? Die interaktive Karte von FinanceScout24 vergleicht die aktuelle Autodiebstahl-Statistik mit Vorjahreswerten: Nach Eingabe der eigenen Postleitzahl können Verbraucher nicht nur die aktuelle Lage nachvollziehen, sondern dank der Gegenüberstellung auch eine Verbesserung oder Verschlechterung im jeweiligen Gebiet sehen. Dabei sind die Regionen nach Anzahl der gemeldeten Autodiebstähle in Relation zur Einwohnerzahl unterschiedlich eingefärbt.

„Autodiebstahl ist kein Schicksal – auch ohne besonders teuren Aufwand lässt sich ein effektiver Schutz erzielen“, sagt die Polizei-Beratung. Sie rät unter anderem hochwertige Fahrzeuge wenn möglich nicht am Straßenrand oder in ungesicherten Carports zu parken. Das Lenkradschloss sollte immer eingerastet sein. Geachtet werden sollte außerdem auf Personen oder Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen, die mehrmals langsam durch die Straßen „streifen“ und notieren Sie sich das Kennzeichen. „Notieren Sie sich in jedem Fall die individuelle Gerätenummer des Autoradios bzw. des Auto- / Mobiltelefons und des Navigationsgerätes. Wenn das Navi keine individuelle Nummer hat, kennzeichnen Sie das Gerät selbst mit einem individuellen Zeichen“, lautet ein weiterer Tipp.

Kfz-Ortungssysteme würden zudem als wirksames Mittel zur Wiederauffindung von gestohlenen Kraftfahrzeugen gelten und kämen heute in vielen Bereichen – z. B. in Baumaschinen, Lkw und Pkw – zum Einsatz. „In Verbindung mit der Live-Ortung von Fahrzeugen wird auch oft eine Diebstahlschutzfunktion mit diversen Leistungsmöglichkeiten angeboten.“


USA erwägen den direkten Kampf gegen Russland in Syrien
USA erwägen den direkten Kampf gegen Russland in Syrien
Die US-Regierung erwägt einem Bericht des WSJ zufolge, die CIA zu ermächtigen, syrische und russische Artilleriepositionen mit schwerem Kriegsgerät anzugreifen. Damit würde der Krieg in Syrien zu einer direkten militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland.
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US-Präsident Barack Obama mit Vize Joe Biden und seiner UN-Botschafterin Samantha Power. (Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama mit Vize Joe Biden und seiner UN-Botschafterin Samantha Power. (Foto: dpa)

Die US-Regierung prüft einem Bericht des in der Regel von Geheimdienstkreisen gut unterrichteten WSJ zufolge, ob die CIA die Söldner in Syrien mit schweren Waffen beliefern sollen. Die Söldner sind durch den Vorstoß der von den Russen unterstützten syrischen Armee in Aleppo in Defensive geraten. Nach einem irrtümlichen Angriff der US-Koalition auf die syrische Armee haben Russland und Syrien beschlossen, den Kampf gegen die Söldner auf syrischem Boden fortzusetzen und sich zunächst auf keinen weiteren Waffenstillstand einzulassen. Der Westen wirft Russen und Syrern den Angriff auf zivile Ziele vor. Die Söldner verwenden Zivilisten als lebende Schutzschilde. Ein Angriff auf einen Hilfskonvoi ist bisher nicht aufgeklärt worden.

Nun könnte die Lage weiter eskalieren: Die dpa meldet wörtlich:

„Nach Informationen des Wall Street Journal wird in der US-Regierung diskutiert, ob der Geheimdienst CIA und seine regionalen Partner Waffensysteme liefern sollten, mit denen Rebellen syrische und russische Artilleriepositionen aus größerer Entfernung angreifen könnten. Überlegt werde auch, ob Verbündeten in der Region wie der Türkei oder Saudi-Arabien grünes Licht gegeben werden sollte, Rebellen mit stärkeren Waffensystemen auszurüsten. In der Diskussion ist nach demnach auch die Lieferung von Flugabwehrsystemen.“

Diese Meldung ist bemerkenswert: Zum einen wird damit mittlerweile offen eingeräumt, dass die CIA in Syrien für die Koordination der Söldner-Milizen zuständig ist. Der Begriff „Rebellen“ ist in diesem Zusammenhang irreführend: In Syrien kämpfen islamistische und internationale Söldner aus 40 Ländern, um die Regierung von Baschar al-Assad zu stürzen. Bisher war es im Völkerrecht üblich, dass militärische Einsätze in anderen Ländern nur mit Zustimmung der rechtmäßigen Regierung oder im Rahmen eines UN-Mandats erfolgen dürfen. Dass ein Geheimdienst, der in seinen Operationen keiner demokratischen Kontrolle oder Legitimation, im Auftrag anderen Staaten in Kampfhandlungen in andere Staaten eingreifen kann, sieht das Völkerrecht nicht vor.

Interessant ist auch, dass die Amerikaner offiziell die Türkei und Saudi-Arabien bevollmächtigen wollen, in die Kämpfe einzugreifen.

Die dpa schreibt in diesem Zusammenhang, dass der Einsatz von schweren Waffen ausdrücklich auch gegen Russland und Syrien erfolgen soll. Bisher war der offizielle Kriegsgrund der Kampf gegen die Terror-Miliz IS. Sollte die von den USA geführte Allianz tatsächlich gezielt russische Flugzeuge abschießen, käme das einer Kriegserklärung gleich.

Saudi-Arabien drängt bereits seit längerem auf den Einsatz von Luftabwehrraketen – hat sich aber bisher bedeckt gehalten, zumindest, was die direkte Aggression gegen Russland anlangt.

Außenminister John Kerry hat die Eskalation verbal vorbereitet und angedroht, die Gespräche mit Russland abzubrechen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach am Donnerstag mit Russlands Präsident Wladimir Putin und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Was dabei wirklich besprochen wurde, ist unbekannt. Die offiziellen Statements der Bundesregierung wiederholen die allgemeinen Positionen, die auch von der US-Koalition vorgebracht werden. Allerdings hielt sich Merkel mit einer direkten Kritik an Russland zurück. Sie forderte nach deutschen Angaben Putin auf, sich für einen Waffenstillstand einzusetzen. Putin sagte nach Kreml-Angaben, dass die USA als Partner Russlands ihrer Verpflichtung nachkommen müssten, die moderate Opposition und Terroristen zu trennen. Moskau werde sich seinerseits weiter für einen stabilen Waffenstillstand und die Verbesserung der humanitären Lage einsetzen.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die von Russland unterstützte Offensive des syrischen Regimes und dabei gemeldete „eklatante Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht“ seien nicht hinnehmbar. Die seit Monaten andauernden Verstöße gegen das Völkerrecht durch die US-geführte Allianz erwähnte Seibert nicht. Russland hat zumindest formal eine rechtliche Grundlage, weil die syrische Regierung Russland im Kampf gegen den IS um militärischen Beistand ersucht hat.

Russland ist beim Kampf um Aleppo zu zweitägigen Feuerpausen zur Versorgung der Zivilbevölkerung bereit. In einer siebentägigen Waffenruhe könnten terroristische Kräfte sich umgruppieren, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow in Moskau. Die USA fordern Pausen von sieben Tagen.

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Deutsche Bank-Aktie steigt nach Gerücht über Einigung mit US-Justiz
Deutsche Bank-Aktie steigt nach Gerücht über Einigung mit US-Justiz
Die Deutsche Bank soll sich einem AFP-Bericht zufolge mit der US-Justiz geeinigt haben. Ob der Bericht wirklich stimmt ist unklar. Es gibt noch keine offiziellen Statements.
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Deutsche Bank-Chef John Cryan. (Foto: dpa)

Deutsche Bank-Chef John Cryan. (Foto: dpa)

Die Nachrichtenagentur AFP meldet, dass die Deutsche Bank eine Einigung mit der US-Justiz erzielt haben soll. Die Nachricht ist mit Vorsitz zu genießen: Weder das Wall Street Joural, noch die FT, Reuters oder Bloomberg haben Quellen mit demselben Informationsstand. Eine offizielle Bestätigung liegt weder von der Deutschen Bank noch von der US-Regierung vor.

Die AFP-Meldung im Wortlaut:

Die Deutsche Bank hat wie versprochen eine deutliche Absenkung ihrer Strafzahlung in den USA erreicht. Die Summe soll von 14 Milliarden Dollar auf 5,4 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) herabgesetzt werden, wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus mit dem Dossier vertrauten Kreisen erfuhr. Die Anleger reagierten begeistert; der Aktienkurs in Frankfurt am Main sprang auf fast zwölf Euro.

Die Herabsetzung der Summe habe die Bank in Verhandlungen mit dem US-Justizministerium erreicht, hieß es in den Kreisen. Die Einigung werde möglicherweise schon in den nächsten Tagen verkündet.

Die ursprüngliche Forderung von 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) wegen Geschäften mit faulen Hypotheken hatte heftige Spekulationen über einen mögliche Notfallplan der Bundesregierung zur Existenzsicherung der Deutschen Bank ausgelöst, da das Finanzinstitut nicht über die Reserven verfügt, um eine derartig hohe Summe zu zahlen. Sie hat 5,5 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt.

Die Deutsche Bank hatte jedoch von Anfang an erklärt, dass sie die 14 Milliarden Dollar nicht zahlen werde, und auf ihre Verhandlungen mit dem US-Justizministerium gesetzt. Vorstandschef John Cryan hatte dies zuletzt am Freitag in einer E-Mail an die Mitarbeiter noch einmal bekräftigt.

Die Mail schrieb er, weil der Aktienkurs der Bank am Freitagmorgen weiter in die Tiefe gerauscht war – zum ersten Mal notierte der Kurs unter zehn Euro. Grund dafür war auch, dass einige Hedgefonds-Kunden der Bank den Rücken gekehrt hatten.

Cryan schrieb, das sorge „zu Unrecht“ für Unruhe – die Deutsche Bank habe mehr als 20 Millionen Kunden. Am Markt seien „Kräfte“ unterwegs, die das Vertrauen in die Bank schwächen wollten.

Die Bank sei derzeit Gegenstand „heftiger Spekulationen“. Immer neue Gerüchte führten dazu, dass der Aktienkurs „heftigen Ausschlägen“ unterliege. Diese „verzerrte Außenwahrnehmung“ dürfe das Tagesgeschäft nicht stärker beeinflussen, schrieb Cryan. „Vertrauen steht am Anfang von allem“, zitierte der Chef den Werbespruch der Bank.

Er listete erneut auf, warum die Deutsche Bank über ein „starkes Fundament“ verfüge: Sie erfülle die Eigenkapitalanforderungen und habe mit dem Verkauf des britischen Versicherers Abbey Life ihr Eigenkapital gestärkt. Sie habe im ersten Halbjahr einen Gewinn vor Steuern von einer Milliarde Euro erzielt. Sie habe Liquiditätsreserven von mehr als 215 Milliarden Euro verfüge sie über einen „überaus komfortablen Puffer“.

Auch die Anleger ließen sich offenbar umstimmen. Im Laufe des Tages kletterte der Aktienkurs wieder nach oben und notierte am Nachmittag wieder im Plus. Nach Bekanntwerden der Absenkung der Strafzahlung schoss der Kurs dann nach oben. Zum Handelsschluss notierte die Aktie 6,39 Prozent im Plus und kostete 11,57 Euro.

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Börsen: Europas Banken mit hohen Verlusten
Börsen: Europas Banken mit hohen Verlusten
An den europäischen Börsen haben Bank-Aktien am Freitag hohe Verluste erlitten. Eine Übersicht.
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Der Kursverlauf des Dax mit Bulle und Bär, den Symbolen für Aufschwung und Niedergang. (Foto: dpa)

Der Kursverlauf des Dax mit Bulle und Bär, den Symbolen für Aufschwung und Niedergang. (Foto: dpa)

Die Kursturbulenzen der Deutschen Bank haben die europäischen Anleger am Freitag aufgeschreckt. Die Aktien der Bank rutschten erstmals unter die psychologisch wichtige Marke von zehn Euro. „Das Gespenst einer neuen Bankenkrise geht an den Finanzmärkten um“, sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. An den europäischen Börsen haben Bank-Aktien am Freitag hohe Verluste erlitten. Eine Übersicht.

Deutschland:

Deutsche Bank: – 4,7 Prozent

Commerzbank: – 6,5 Prozent

 

Schweiz:

Credit Suisse: – 3 Prozent

UBS: – 2,5 Prozent

 

Frankreich:

Credit Agricole: – 3 Prozent

BNP Paribas: – 3,1 Prozent

Societe Generale: – 3,5 Prozent

 

Großbritannien:

Barclays: – 2,2 Prozent

Royal Bank of Scotland: – 1,4 Prozent

Lloyds Banking: – 2,3 Prozent

HSBC: – 1,3 Prozent

 

Italien:

UniCredit: – 4,2 Prozent

Intesa Sanpaolo: – 2,3 Prozent

Monte Paschi: – 2 Prozent

 

Sonstige:

ING Groep: – 2,6 Prozent

Santander: – 3,8 Prozent

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Niederländische ING-Bank vor massivem Stellen-Abbau
Niederländische ING-Bank vor massivem Stellen-Abbau
Die niederländische ING-Bank hat ihr Geschäftsmodell auf einen gesamteuropäischen Aufschwung ausgerichtet. Dieser findet nicht statt, weswegen nun tausende Stellen gestrichen werden sollen.
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Die ING-Groep muss sich offenbar deutlich verkleinern. (Foto: dpa)

Die ING-Groep muss sich offenbar deutlich verkleinern. (Foto: dpa)

Die niederländische ING-Gruppe hat sich offenbar mit ihrem Geschäftsmodell verspekuliert und muss nun tiefgreifende Restrukturierungsmaßnahmen durchführen. Dazu zählt auch der Abbau tausender Stellen, berichtet die niederländische Wirtschaftszeitung Het Financieele Dagblad.

Bislang hatte das Geldinstitut versucht, die Bank auf Europa auszurichten und insbesondere in andere europäische Länder zu expandieren. Diese Strategie scheint nicht aufzugehen, weswegen nun eine Restrukturierung eingeleitet wurde, die am Montag offiziell vorgestellt werden soll.

Der organisatorische Rückbau soll zu einer zentralisierteren Management-Struktur führen und eventuell Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe generieren. Die Bank selbst lehnte eine Stellungnahme ab. ING Groep beschäftigt ungefähr 52.000 Mitarbeiter.

Möglichkeiten zur Stellenstreichung sieht die Bank offenbar in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Polen und der Türkei. An der Amsterdamer Börse notierten ING-Aktien am Freitag in einem schwachen Branchenumfeld 3,5 Prozent im Minus.

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„Das Wort links ist in Israel ein Schimpfwort geworden“
„Das Wort links ist in Israel ein Schimpfwort geworden“
Der israelische Historiker Moshe Zimmermann ist pessimistisch, was den Frieden im Nahen Osten betrifft. Er sieht einen starken nationalistischen Sog, in dem Leute, die für den Frieden sind, als Spinner diskreditiert werden.
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Israels Shimon Peres mit Päläsenser-Präsident Jassir Arafat am 28. Januar 2001 in Davos. (Foto: dpa)

Israels Shimon Peres mit Päläsenser-Präsident Jassir Arafat am 28. Januar 2001 in Davos. (Foto: dpa)

Moshe Zimmermann, 2011 in Erfurt. (Foto: dpa)

Moshe Zimmermann, 2011 in Erfurt. (Foto: dpa)

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie sehen Sie das Verhältnis von Deutschland und Israel heute?

Moshe Zimmermann: Das Verhältnis hat sich asymmetrisch entwickelt. Die Stimmung in Deutschland wird immer distanzierter zu Israel, während die Stimmung in Israel gegenüber Deutschland freundlich ist und von zunehmender Sympathie. Das zeigt sich schon daran, dass die Israelis am liebsten nach Berlin fahren. In der israelischen Öffentlichkeit gibt es wenig Animositäten gegenüber Deutschland. Angela Merkel ist sehr beliebt – außer bei ihren Entscheidungen in der Flüchtlingspolitik.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie erklären Sie sich die Distanz der Deutschen zu Israel?

Moshe Zimmermann: Die Deutschen verstehen Israel nicht, insbesondere die israelische Politik. Sie sehen eine Diskrepanz zwischen dem, was man sich gern von Juden vorstellen möchte, und der konkreten Politik des israelischen Staates, etwa im Hinblick auf die Siedlungspolitik und die Militär-Operationen Israels. Ich glaube, dass Deutsche und Israelis unterschiedliche Lehren aus der Shoa gezogen haben. Die deutsche Gesellschaft glaubt, man müsse liberal und human sein. Die israelische Gesellschaft denkt: Auch das nächste Mal werden es wieder die Juden sein, die verfolgt werden, also müssen wir uns wappnen. Daher toleriert die israelische Gesellschaft viele Formen der Gewalt, weil sie ausgeübt wird mit der Begründung, wir müssten uns schützen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was stört die Israelis an der Flüchtlingspolitik Merkels?

Moshe Zimmermann: Das ist eine Wechselwirkung: Die Israelis sehen mit Unbehagen, dass Deutschland an der Front bei der Hilfe für Flüchtlinge ist, und das gefällt vielen Israelis nicht, weil man bei uns nicht mehr weiß, was Mitgefühl ist. Umsomehr, wenn es um arabische, muslimische Flüchtlinge geht. Umgekehrt berufen sich viele in Deutschland vor allem auf dem rechten Flügel auf die israelische Politik. Sie sagen: Wir müssen uns Israel als Beispiel nehmen, wie man mit Muslimen und Arabern umgehen muss. Man nutzt Israel als Vorbild: Wir haben einen Zaun zwischen Israel und Ägypten gebaut, um die Flüchtlinge fernzuhalten.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: In Deutschland sagen viele, dass man nicht so viele Muslime und Araber aufnehmen könne, weil dann der Antisemitismus wieder steigen werde. Besteht diese Gefahr?

Moshe Zimmermann: Wir müssen in jedem Fall davon ausgehen, dass der Antisemitismus rosigen Zeiten entgegengeht. Er kommt immer, wenn in einer Gesellschaft der Rassismus auf dem Vormarsch ist. Der Rassismus ist nichts anderes als Stereotypen, die auf andere angewendet werden. Aktuell sind das für die autochtonen deutschen Rassisten die Muslime und die Araber. Aber in dieses Schema passt auch der Antisemitismus – und er wird zunehmen.

Aktuell dient vielen Rechten eine gute Beziehung zu Israel als Vorwand, um gegen Araber rassistisch sein zu können. Auch hier bestärken sich die Kräfte gegenseitig. FPÖ-Chef Strache ist ein gern gesehener Gast bei der Rechten in Israel. Er wird sehr geschätzt, weil er sagt, dass Israel sich verteidigen muss, und keine Fragen nach den Methoden stellt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Israel hat doch eine lange linke Tradition – Sie selbst waren immer sehr exponiert und sind wegen Ihrer Kritik an der Siedlungspolitik immer wieder verklagt worden. Warum spielen die Linken in Israel im öffentlichen Diskurs und in der Politik keine Rolle mehr?

Moshe Zimmermann: Als ich vor 20 Jahren die Siedlungspolitik kritisiert habe, wurde ich bekämpft, weil die Linke noch eine Gefahr für die Rechte war. Heute ist die Linke verschwunden. Das Wort „links“ ist ein Schimpfwort in Israel geworden. Keine Partei könnte es sich leisten, sich „Die Linke“ zu nennen wie in Deutschland. Auch die Arbeitspartei ist nach rechts gegangen. Sie versteht sich als eine Volkspartei, die der CDU viel ähnlicher ist als einer klassischen sozialdemokratischen Partei. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir seit 1977 immer rechtsgerichtete Regierungen hatten, bis auf kurze Unterbrechungen unter Rabin, Peres und Barak. In all diesen Jahren war die israelische Politik nationalistisch und ethnozentrisch. Auch der Aufstieg und die Dominanz der Ultra-Orthodoxen spielt eine wichtige Rolle.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist es nicht trotzdem seltsam – auch in Israel ist die Spaltung in Arm und Reich größer geworden. Und dennoch gibt es keine linke Bewegung?

Moshe Zimmermann: Die Schere zwischen Arm und Reich in Israel klafft extrem auseinander. Die OECD-Zahlen zeigen, dass die Ungleichheit in Israel besonders groß ist. Wir hatten 2011 Demonstrationen, die das Thema aufgegriffen haben und versucht haben, etwas zu ändern. Die Demos haben die Regierung zwar erschreckt und sie hat versprochen, etwas zu unternehmen – doch geschehen ist wenig. Tatsächlich lassen sich eine nationalistische Politik und die Politik der sozialen Gerechtigkeit auch nicht vereinbaren. 40 Prozent der öffentlichen Gelder in Israel gehen in das Militär und in die Siedlungen. Das Geld, das man brauchen würde, um einen sozialen Ausgleich zu schaffen, dient für nationalistische Zielsetzungen. Die Siedlungen sind eine „heilige Kuh“. Niemand kann sie heute mehr kritisieren, ohne beschuldigt zu werden, gegen die nationalen Interessen Israels zu sein. Auch die Partei von Lapide, die vielleicht noch das ein oder andere soziale Ziel verfolgt, ist nationalistisch – und wird daher keine Veränderungen schaffen können.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Haben die Kritiker der Regierung Angst, sich zu äußeren?

Moshe Zimmermann: Manche Leute haben Angst, wie zum Beispiel die Künstler. Sie fürchten, von der Kulturministerin weniger Geld zu bekommen, wenn sie sich kritisch äußern. Hier gibt es Kalkül auf beiden Seiten. Aber die liberalen Intellektuellen haben keine Angst. Sie haben auch nichts zu befürchten – denn sie werden einfach nicht ernst genommen. Wer sich kritisch äußert, wird als Spinner bezeichnet, als Clown. Wir haben ein hebräisches Wort, das bedeutet „Schwärmerei“. Wenn jemand heute sagt, dass die Palästinenser ein Recht auf einen eigenen Staat haben, dann bekommt er zu hören: „Du bist ein Schwärmer!“ Und die Debatte ist beendet.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wird diese Entwicklung auch durch Methoden des Polizeistaats erreicht?

Moshe Zimmermann: Nein – weil die Regierung keinen Polizeistaat mehr braucht. Die öffentliche Meinung erzeugt die Gleichförmigkeit von selbst, und das ist für die Regierung natürlich viel praktischer. Der Staat muss nichts mehr unternehmen, um sicherzustellen, dass alle Leute so denken, wie er will. Mit dem Mittel des Diskreditierens erreicht die Regierung, dass abweichende Meinungen gar nicht mehr gesondert bekämpft werden müssen. Hinzu kommt, dass die kritische Linke gespalten ist und sich gegenseitig bekämpft – ohne zu sehen, dass einen „tertius gaudens“ gibt, nämlich die Rechte, die vom Streit unter den Linken profitiert.

Es gibt auch ganz viele, die sich sagen: Wir müssen unsere eigenen Positionen von früher revidieren. Viele meiner linken Freunde sagen: „Du weißt ja, ich bin links, aber in diesem oder jenem Punkt habe ich mich geirrt…“ Es ist die perfekte Anpassung.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Rolle spielen die Einwanderer aus Osteuropa und Russland?

Moshe Zimmermann: Zu Beginn der Einwanderung gab es noch Unterschiede. Viele Osteuropäer hatten anti-linke oder autoritäre Ansichten. In der zweiten und dritten Generation werden die politischen Ansichten jedoch immer homogener und folgen dem allgemeinen Strom, und der ist sowieso nationalistisch.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Und Ihre Studenten? Mucken die nicht auf?

Moshe Zimmermann: Die meisten Studenten sagen nicht: Eigentlich bin ich aufgeklärt, und daher denke ich anders. Für sie ist das vorherrschende Denken selbstverständlich. Sie sind durch ein langes Erziehungssystem gelaufen, daher denken sie heute, dass, was die Regierung tut oder was der vox populi behauptet, gut für sie ist.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Das klingt alles wie in den anderen Staaten im Westen…

Moshe Zimmermann: Israel ist ein Teil des Westens. Überall sind die linken Divisionen sehr klein geworden. Wir haben eine Dominanz der neoliberalen Politik, wie in Amerika, in Deutschland und in Europa. Der Anspruch auf soziale Gerechtigkeit hat wenig Aussicht auf Erfolg. Das ist weltweit so, und überall herrscht der Nationalismus als neues Opium für das Volk. Ich sehe nicht, wie man diesen Trend aufhalten kann. Die Ungleichheit zwischen der industrialisierten Welt und dem Rest wird nicht bekämpft, sondern als Bedrohung für den eigenen Wohlstand dargestellt. Man bringt die Leute auf seine Seite, indem man sagt: Wir müssen die Armen (also Fremde, Einwanderer, Flüchtlinge etc.) bekämpfen, weil sie uns unseren Wohlstand wegnehmen wollen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist mit Shimon Peres die letzte Symbolfigur gestorben, die noch für eine andere Politik gestanden hat?

Moshe Zimmermann: Mit ihm ist die letzte israelische Symbolfigur gestorben, eine Ära ist zu Ende. Er wurde aber auch als Feigenblatt verwendet. Denn die Rechten konnten ihn vorzeigen, um zu sagen: Seht her, ganz so schlecht wie ihr sagt ist Israel nicht, wir haben ja Peres.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wird es einen Politiker geben, der Peres‘ Rolle übernehmen kann – oder kommt Israel jetzt ohne Feigenblatt aus?

Moshe Zimmermann: Einen echten Kämpfer für den Frieden wie ihn gibt es nicht mehr. Die anderen Friedenskämpfer sind nicht einflussreich oder bekannt wie Peres. Wichtiger aber: Die meisten Leute haben verinnerlicht: Der Weg, der hinter uns liegt – also das Bemühen um Frieden – war falsch. Es gibt wenige in Israel, der die Politik des Landes in ihren wesentlichen Zügen ändern möchten beziehungsweise daran glauben, dass man sie ändern muss.

Moshe Zimmermann war viele Jahre Direktor des Koebner-Instituts für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem. Er hat zahlreiche Bücher herausgegeben, die sich mit dem Verhältnis von Deutschland und Israel beschäftigen. Er ist ein engagierter Vertreter für eine nachhaltige Aussöhnung mit den Palästinensern und scharfer Kritiker einer gegen den Frieden im Nahen Osten gerichteten Politik. 

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Tesla-Chef will Kolonie auf dem Mars gründen und besiedeln
Tesla-Chef will Kolonie auf dem Mars gründen und besiedeln
Das US-Technologie-Unternehmen SpaceX plant, Menschen auf den Mars zu bringen. Ein großer Anspruch, dem noch einige Kleinigkeiten im Wege stehen könnten.
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Eine SpaceX-Raumschiff auf dem Weg zum Mars (Illustration). Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX hat sich zum Ziel gesetzt, eine Kolonie auf dem Planeten Mars zu gründen und zu besiedeln. (Foto: dpa)

Eine SpaceX-Raumschiff auf dem Weg zum Mars (Illustration). Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX hat sich zum Ziel gesetzt, eine Kolonie auf dem Planeten Mars zu gründen und zu besiedeln. (Foto: dpa)

SpaceX-Gründer Elon Musk. (Foto: dpa)

SpaceX-Gründer Elon Musk. (Foto: dpa)

Der Tesla-Gründer und Milliardär Elon Musk hat detaillierte Pläne zur Besiedlung des Mars vorgestellt. Mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX wolle er die Kolonisierung des Roten Planeten anstreben, sagte Musk am Dienstag auf dem Internationalen Astronauten-Kongress im mexikanischen Guadalajara. Die Erde werde möglicherweise irgendwann nicht mehr bewohnbar sein, bis dahin solle es Alternativen geben. „Die Menschheit sollte eine multi-planetare Spezies werden.“

Die ambitionierten Pläne des 45-Jährigen sehen große Raumschiffe vor, die mindestens 100 Menschen und große Mengen Material transportieren können. Zudem sollten die Raumschiffe wiederverwendbar sein und im Orbit beladen und betankt werden können, erklärte Musk. Damit ließen sich die Kosten von derzeit rund 10 Milliarden US-Dollar (knapp 9 Milliarden Euro) pro Passagier auf rund 140 000 Dollar drücken, ist er überzeugt. Der Mars biete sich zur Kolonisierung an, weil es dort Sonnenlicht und eine Atmosphäre gebe. Die Tageslänge sei vergleichbar mit der auf der Erde und es sei möglich, Pflanzen zu züchten.

Zunächst will SpaceX ein unbemanntes Raumschiff zum Mars schicken. Schon ab 2025 könnten nach den Plänen Musks die ersten Menschen zum Roten Planeten reisen. „Das wird ein großartiges Abenteuer“, sagte er. „Das Leben ist mehr als nur jeden Tag Probleme zu lösen. Man sollte jeden Tag aufwachen und inspiriert sein, Neues zu wagen.“ In absehbarer Zukunft könnten rund eine Million Menschen auf dem Mars leben. Zur Einordnung: Die US-Raumfahrtagentur Nasa sieht eine bemannte Mars-Mission frühestens in den 2030er Jahren.

Für die Reise zu unserem Nachbarplaneten entwickelt SpaceX das Triebwerk „Raptor“, das vor einigen Tagen erstmals in Betrieb genommen wurde. Es soll drei Meganewton Schub bringen – mehr als dreimal so viel wie das Triebwerk der aktuellen SpaceX-Rakete „Falcon 9“. „Raptor“ werde mit flüssigem Methan betrieben, das auch auf dem Mars gewonnen werden könne, hieß es.

SpaceX hatte zuletzt eine Reihe von Rückschlägen hinnehmen müssen. Anfang September war eine Rakete des Unternehmens beim Start auf dem US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida explodiert, ein Facebook-Satellit an Bord wurde zerstört. Im vergangenen Jahr hatte SpaceX eine Rakete verloren, die Nachschub zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen sollte.

Die Zweifel an Musks Vision sind groß. „Kurzum, eine ganze Menge Dinge müssen erst noch erfunden werden, bevor es die Menschheit zum Mars schafft – ganz zu schweigen davon, dort eine Kolonie zu gründen“, schreibt Bloomberg. Ein großes Problem sei, dass sich die Finanzierungsbedingungen für die Raumfahrt seit den 196oer und 1970er Jahren verschlechtert haben.

Doch selbst wenn eine SpaceX-Rakete zum Mars fliegt und Personen den extrem hohen Preis für einen Fahrschein zahlen, so können sie dort wahrscheinlich nicht laufen. Das größte Problem sind nicht einmal die 1zehn Milliarden Dollar für ein Einwegticket, über das Musk halb im Spaß redete. Was gebraucht wird, sind Menschen die den widrigen Bedingungen im Weltall trotzen können“, schreibt Bloomberg. „Nach einem Flug zum Mars können Sie dort nicht laufen“, wird eine Astrophysikerin zitiert. Die Muskeln hätten sich in der Schwerelosigkeit des Weltraumes bis dahin strak zurückgebildet. Zu den zahlreichen Widrigkeiten gesellen sich noch die extrem starke Sonneneinstrahlung auf dem Mars und die Tatsache, dass Astronauten jeden Monat etwa 1 Prozent der Mineralien in ihren Knochen verlieren.

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