US-Notenbank verschiebt Zins-Erhöhung

Die US-Notenbank könnte auf eine Zinserhöhung vor der US-Wahlen verzichten. Am Mittwoch beließ die Fed die Zinsen auf ihrem bisherigen Niveau, deutete aber an, noch in diesem Jahr einen nächsten Zinsschritt in Erwägung zu ziehen. Die Wall Street reagierte erleichtert.

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Die US-Notenbank Fed steuert behutsam auf die erste und wohl einzige Leitzinserhöhung in diesem Jahr zu. In einer intern umstrittenen Entscheidung beließ sie den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld am Mittwoch vorerst in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent. Fed-Chefin Janet Yellen signalisierte jedoch, dass sie einen Schritt nach oben bis zum Jahresende wagen könnte: „Falls keine neuen großen Risiken hinzukommen und alles auf Kurs bleibt“, fügte sie hinzu. Insgesamt ist die Notenbank mit dem Verlauf der amerikanischen Konjunktur zufrieden. Doch will sie noch Fortschritte sehen – vor allem bei der als zu niedrig angesehenen Inflation. An den US-Börsen kam die Aussicht auf eine anhaltende Versorgung mit billigem Geld gut an: Die Kurse legten deutlich zu.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,9 Prozent auf 18.294 Punkte. Der breiter gefasste S&P legte um 1,1 Prozent auf 2163 Stellen zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann ein Prozent auf 5295 Zähler.

Wie heftig die Fed mit der Entscheidung gerungen hat, zeigt das Abstimmungsergebnis: Drei Währungshüter waren für eine sofortige Erhöhung, wurden jedoch von sieben Kollegen überstimmt. Zahlreiche Experten rechnen damit, dass die Federal Reserve nach der Zinswende von Ende 2015 im Dezember 2016 nachlegen wird – wenn die US-Präsidentschaftswahl gelaufen ist. Yellen betonte jedoch, dass auch das wenige Tage vor der Wahl im November anberaumte nächste Fed-Treffen eine Entscheidung bringen könne. Die Beratungen der Zentralbank würden nicht von politischen Überlegungen beeinflusst.

Zum US-Wahlkampf wollte sich Yellen nicht äußern. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hatte ihr vorgeworfen, den Leitzins auf Anweisung des demokratischen Präsidenten Barack Obama künstlich niedrig zu halten. Nach Ansicht des Ökonomen Thomas Gitzel von der VP Bank könnte die Politik dennoch Yellens Pläne durchkreuzen, die Zügel nach Möglichkeit im Dezember zu straffen. „Bis dahin kann sich noch viel tun. Sollte etwa Trump die Wahlen gewinnen und die Finanzmärkte darauf negativ reagieren, wird aus einer Leitzinserhöhung zum Jahresende wieder nichts.“

Die Notenbank zeichnete in ihrem Begleittext zum Zinsentscheid ein relativ positives Bild der US-Konjunktur. Der Arbeitsmarkt habe sich kontinuierlich verbessert und auch die Wirtschaft ziehe an. Dennoch habe sich die Fed „vorerst“ gegen eine Erhöhung entschieden. Zuvor will sie Fortschritte auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und stabilen Preisen sehen. Das erste Ziel ist praktisch erreicht. Doch bei der Inflationsrate ist die Fed noch immer ein gutes Stück von der angestrebten Teuerungsrate von zwei Prozent entfernt. Dies sei beim Zinsentscheid mit ins Kalkül genommen worden, betonte Yellen. Die Notenbank sei weiter bestrebt, ihr Inflationsziel zu erreichen.

Die Wall Street reagierte erleichtert auf die Aussicht, dass die Zeit des billigen Geldes weiter andauert: Der Leitindex Dow Jones legte knapp ein Prozent zu, während der Dollar zum Euro leicht nachgab. „Wir sehen uns in unserer Ansicht bestärkt, dass es noch 2016 eine Zinserhöhung geben wird“, sagt Stefan Kreuzkamp, der oberste Anlagechef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank. Nächstes Jahr könnten noch ein bis zwei weitere Schritte folgen. Eine Serie schwächerer Konjunkturdaten, die maue Weltwirtschaft und die lange Zeit hartnäckig niedrige Inflation hielt die Fed dieses Jahr jedoch bislang von einer geldpolitischen Straffung ab. Die Währungshüter blicken vor allem auf Preisveränderungen bei den persönlichen Verbraucherausgaben (PCE), womit Energie- und Nahrungsmittelkosten außen vor bleiben. Dieser Wert lag zuletzt mit 1,6 Prozent noch unter dem Zielwert.

Der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed hat den New Yorker Aktienmarkt am Mittwoch aus seiner Lethargie gerissen. Der Dow Jones Industrial zog vor allem in der letzten Handelsstunde deutlich an und schloss 0,90 Prozent höher bei 18 293,70 Punkten. An den beiden Tagen davor war der Leitindex per Saldo kaum vorangekommen, weil Marktteilnehmer vor der Fed-Sitzung das Risiko gescheut hatten.

Die Fed hatte den Leitzins in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,50 Prozent belassen. Dies hatten Marktteilnehmer mehrheitlich erwartet. Dennoch überwiege nun die Erleichterung, hieß es.

Für den marktbreiten S&P-500-Index ging es am Mittwoch um 1,09 Prozent auf 2163,12 Zähler nach oben. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 erklomm kurz vor Handelsende bei 4858 Punkten sogar ein Rekordhoch. Er beendete den Handel mit plus 1,01 Prozent nur knapp darunter bei 4853,75 Punkten.

Der US-Zentralbank zufolge haben sich die Argumente für eine weitere Leitzinserhöhung zwar verstärkt, aber klare Hinweise auf den genauen Zeitpunkt einer möglichen Anhebung gaben die Währungshüter nicht. Die neuen Leitzinsprognosen der Fed legen zudem nahe, dass die Notenbank die geldpolitischen Zügel insgesamt deutlich langsamer als bislang vorgesehen straffen könnte.

An der Dow-Spitze gewannen die Aktien von Boeing 2,17 Prozent, nachdem die USA dem Flugzeugbauer grünes Licht für den Verkauf von Jets an den Iran gegeben hatten.

Deutliche Kursgewinne von 1,98 Prozent verbuchten auch die Papiere von Chevron. Sie profitierten vom jüngsten Ölpreisanstieg. Diesen erklärten Händler mit einem überraschenden Rückgang der US-Ölreserven und der Spekulation auf eine Begrenzung der Fördermenge wichtiger Ölnationen.

Für die Microsoft-Aktien ging es um 1,67 Prozent hinauf. Der Softwarekonzern will seine Aktionäre mit einer Dividendenerhöhung und einem weiteren milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm bei Laune halten.

Darüber hinaus sprangen die Anteile von FedEx um 6,89 Prozent nach oben, weil der Logistiker im abgelaufenen Quartal besser abgeschnitten hatte als erwartet. Die Aktien des Software-Konzerns Adobe Systems standen am Ende des Tages sogar 7,12 Prozent höher. Die Ergebnisprognose für das vierte Geschäftsquartal bereitete Anlegern Freude. Sowohl für die Adobe- als auch für die Fedex-Anteile hoben zudem mehrere Analysten ihre Kursziele an.

Beim iPhone-Hersteller Apple sorgten derweil Gerüchte über ein angebliches Interesse am britischen Sportwagen-Anbieter McLaren für Gesprächsstoff. Von McLaren hieß es zuletzt allerdings, man führe mit Apple keine Gespräche mit einem solchen Bezug. So oder so beeinflussten die Spekulationen den Aktienkurs von Apple kaum. Die Titel schlossen zudem quasi unverändert mit minus 0,02 Prozent.

Der Euro legte nach dem Fed-Zinsentscheid deutlich zu und wurde zuletzt mit 1,1191 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1150 (Dienstag: 1,1184) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8969 (0,8941) Euro gekostet. Am Markt für US-Staatsanleihen stiegen richtungweisende zehnjährige Papiere um 10/32 Punkte auf 98 19/32 Punkte und rentierten mit 1,65 Prozent.

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