Deutsche und italienische Banken segeln hart am Wind

Die deutschen und italienischen Banken kämpfen um eine nachhaltige Position in einem Markt, in dem die Konsolidierung ausgerufen wurde. Commerzbank, UniCredit und Monte Dei Paschi sind besonders in den Sog geraten.

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Commerzbank

Die neue Strategie der Commerzbank soll laut einem Zeitungsbericht in den nächsten Jahren rund 9000 Arbeitsplätze kosten. Damit fiele fast jede fünfte der gut 50.000 Stellen bei Deutschlands zweitgrößter Bank weg, berichtete das Handelsblatt am Montag vorab unter Berufung auf Finanzkreise. Die Streichungen fielen damit drastischer aus als erwartet. Ob dazu auch betriebsbedingte Kündigungen vonnöten seien, sei unklar. Der Stellenabbau werde sich bis ins Jahr 2020 ziehen. Der Umbau werde bis zu eine Milliarde Euro kosten, die über mehrere Jahre verteilt würden, berichtete die Zeitung. Auch die Anteilseigner der Commerzbank, allen voran der Bund, müssen dafür Verzicht leisten: Die Dividende für 2016 soll gestrichen werden. Für das vergangene Jahr hatte die Bank – erstmals nach sieben Jahren – 20 Cent je Aktie gezahlt. So viel sollten es eigentlich auch in diesem Jahr werden.

Die Commerzbank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Der neue Vorstandschef Martin Zielke will seine Pläne Finanzkreisen zufolge am Freitag öffentlich machen, der Aufsichtsrat soll am Mittwoch und Donnerstag über die Pläne beraten. Das Konzept, das in den vergangenen Monaten mit Hilfe der Unternehmensberater von McKinsey erarbeitet wurde, war am Wochenende an die Mitglieder des Gremiums verschickt worden. „Der Stellenabbau fällt deutlich größer aus als zu erwarten war“, sagte eine mit den Inhalten des Strategiepapiers vertraute Person zu Reuters, ohne Zahlen zu nennen. Arbeitnehmervertreter kündigten bereits Widerstand an.

Zielke setzt bei seiner Strategie erklärtermaßen neben Einsparungen auch auf Investitionen in die Digitalisierung von Anläufen und in das Wachstum der Erträge. Er hatte schon Anfang des Monats Einschnitte angedeutet. „Wir müssen dafür viel Geld in die Hand nehmen“, um langfristig Geld sparen zu können, sagte er auf einer Tagung des „Handelsblatts“. „Ein ‚Weiter so‘ ist in diesem Umfeld keine Option. Die Bank wolle den Wandel selbst gestalten. Doch ohne Wachstum werde er nicht gelingen.

Bereits vor einigen Wochen waren Teile der neuen Strategie durchgesickert. So soll die Mittelstandsbank – lange Zeit das Aushängeschild der Commerzbank – aufgespalten werden. Um kleine Firmenkunden mit wenigen Millionen Euro Umsatz soll sich künftig die Privatkundensparte mit Vorstand Michael Mandel kümmern. Das Geschäft mit großen Unternehmen soll mit der Investmentbank zusammengelegt werden, die damit endgültig auf ihre Rolle als „verlängerte Werkbank“ der Firmenkundensparte zurechtgestutzt werden soll. Laut „Handelsblatt“ will sich die Commerzbank aus dem Aktiengeschäft zum Teil zurückziehen. Geprüft werde, Teile davon auszugliedern oder zu verkaufen. Geführt werden soll die neue Sparte von Investmentbank-Chef Michael Reuther. Damit bliebe für Mittelstandsbank-Chef Markus Beumer kein Platz mehr im Vorstand.

Einsparpotenziale sieht die Commerzbank vor allem in der Verwaltung. In der Zentrale seien sicher 2000 Leute zu viel an Bord, sagte ein Insider in der vergangenen Woche. Auch mit der Automatisierung von Prozessen in den einzelnen Sparten – allen voran der Mittelstandsbank – fielen viele Tätigkeiten weg.

Monte Dei Paschi

Die angeschlagene italienische Bank Monte dei Paschi di Siena erwägt durch die Umwandlung von Anleihen in Aktien, die Höhe einer geplanten Kapitalerhöhung zu drücken. Das Institut bestätigte damit am Montag eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters von Ende August. Insider hatten erklärt, statt wie bislang fünf Milliarden Euro würden dann nur noch etwa drei Milliarden Euro angepeilt werden müssen. Den Angaben vom Montag zufolge soll ein neuer Geschäftsplan am 24. Oktober erstellt und bis Ende November eine Aktionärssitzung einberufen werden.

Monte Paschi ächzt unter faulen Krediten. Die 1472 gegründete Bank hatte beim jüngsten Stresstest der EU so schwach abgeschnitten wie kein anderes Institut in Europa

UniCredit

Die italienische Großbank UniCredit will die drohende Kapitalerhöhung durch zahlreiche Anteilsverkäufe möglichst klein halten. Bis zu zehn Milliarden Euro sollen zusammenkommen, indem Beteiligungen abgestoßen oder verringert werden, wie zwei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag sagten. Durch die Ausgabe neuer Aktien sollten dann noch fünf bis sechs Milliarden Euro eingenommen werden. Zum Verkauf stünden unter anderem Beteiligungen am Online-Broker Fineco, der polnischen Bank Pekao und dem Vermögensverwalter Pioneer.

UniCredit ist Italiens größte Bank und leidet wie viele Rivalen unter der jahrelangen Wirtschaftsflaute im Heimatmarkt. Die Mutter der Münchner HypoVereinsbank hat ein kleineres Kapitalpolster als viele Konkurrenten. Es dürfte zudem durch den geplanten Verkauf von faulen Krediten weiter geschwächt werden, weil solche Darlehen meist unter Buchwert abgestoßen werden und somit zu Verlusten führen.

Die UniCredit wollte sich nicht zu den Informationen äußern.

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