Innogy: Erfolg an der Börse trotz widrigem Umfeld

Die RWE-Ökostromtochter Innogy legt den größten Börsengang in Deutschland seit fast 16 Jahren hin. Nun kommt der Härtetest im Börsen-Alltag.

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Der RWE Innogy Windpark vor der Küste von Nordwales. (Foto: dpa)

Der RWE Innogy Windpark vor der Küste von Nordwales. (Foto: dpa)

Insgesamt fünf Milliarden Euro spült die Emission Innogy und RWE in die Kasse. Angesichts der starken Nachfrage teilte der Konzern aus Essen die bis zu 139 Millionen Aktien am Donnerstagabend zu je 36 Euro zu und reizte die Preisspanne damit voll aus. Nun wird mit Spannung erwartet, ob die Innogy-Aktie bei der Erstnotiz am Freitag an der Frankfurter Börse weiter zulegen kann. Auf dem Parkett will der bisherige RWE- und künftige Innogy-Chef Peter Terium den Handel mit der Börsenglocke einläuten.

Zum Emissionspreis wird Innogy mit 20 Milliarden Euro bewertet – deutlich höher als die hochverschuldete Mutter RWE, die mit mindestens 75 Prozent beteiligt bleibt. Innogy nimmt mit dem Börsengang zwei Milliarden Euro für die Finanzierung der Energiewende ein, RWE erhält bis zu drei Milliarden Euro für den Abbau des Schuldenbergs.

Mehr als Innogy hatten zuletzt die Deutsche Post (6,25 Milliarden) und der Chiphersteller Infineon (6,07 Milliarden) bei ihren Börsengängen im Jahr 2000 erlöst. In Europa ist die Emission der RWE-Tochter die größte seit der des schweizerischen Rohstoffkonzerns Glencore im Mai 2011. An die Börse begleitet wurde Innogy federführend von den Investmentbanken Goldman Sachs und Deutsche Bank. Die Institute rechnen für die Platzierung insgesamt Gebühren von 35 Millionen Euro ab.

Investoren griffen begierig nach den Innogy-Aktien. Der US-Vermögensverwalter Blackrock hatte sich schon im Vorfeld Innogy-Aktien für 940 Millionen Euro zusichern lassen. Er wird mit rund 4,7 Prozent zweitgrößter Innogy-Aktionär. Ein anderer großer US-Fonds habe eine Order von mehr als 700 Millionen Euro erteilt, sagte ein Insider. Terium und seine Vorstandskollegen hatten in den vergangenen zwei Wochen um Anleger geworben. Die Werbetour führte sie bis nach New York und endete in London.

Innogy betreibt mit 40.000 Mitarbeitern Windkraftanlagen und versorgt 23 Millionen Kunden in elf Ländern mit Strom und Gas, darunter Deutschland, die Niederlanden und Großbritannien. 70 bis 80 Prozent des bereinigten Nettogewinns hat Innogy als Dividende versprochen. Das zieht vor allem risikoscheue Anleger an. Das Geschäft mit Ökostrom, mit Strom- und Gasnetzen und dem Vertrieb von Energie verspricht stabile Erträge.

Mit 20 Milliarden Euro ist Innogy zu dem sich abzeichnenden Emissionspreis an der Börse so viel wert wie E.ON und die eigene Muttergesellschaft RWE zusammen. Der Börsenneuling hat damit Experten zufolge beste Chancen für einen schnellen Aufstieg in den Nebenwerteindex MDax. Die RWE-Tochter werde aller Voraussicht nach wie die von E.ON abgespaltene Uniper bei der nächsten turnusmäßigen Indexüberprüfung der Deutschen Börse im Dezember in den Index aufgenommen, schrieb Index-Spezialist Uwe Streich von der LBBW. Mit einem Streubesitz von fünf Milliarden Euro hat Innogy mittelfristig sogar die Chance auf einen Dax -Aufstieg. Dabei spielt aber auch der Handelsumsatz eine wichtige Rolle.

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