EZB in der Falle: Italien braucht die Dauer-Bazooka

Die EZB sitzt in der Falle: Schon der zarte Versuch einer Andeutung, dass Anleihenkaufprogramm zurückzufahren, ist am Widerstand Italiens gescheitert. Nun muss die EZB weitermachen, bis die Staatsschuldenblase platzt.

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Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi.. (Foto: dpa)

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi.. (Foto: dpa)

Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte aus Sicht der Bank von Italien an ihren großangelegten Anleihekäufen nicht rütteln. „Die jüngsten Prognosen für die Euro-Zone beinhalten auch eine erhebliche geldpolitische Unterstützung, deren Beibehaltung, wie der EZB-Rat bekräftigte, wesentlich ist“, sagte das Vorstandsmitglied der italienischen Notenbank, Fabio Panetta, am Mittwoch auf einer Konferenz. Am Vorabend hatte ein Bericht der Agentur Bloomberg die Renditen nach oben getrieben, wonach das Kaufvolumen in monatlichen Schritten um jeweils zehn Milliarden Euro verringert werden soll. Die EZB dementierte den Bericht.

Stattdessen reagierte EZB-Chef Mario Draghi mit der Ankündigung, die Bazooka zum Dauerzustand zu machen: Die EZB werde das „sehr erhebliche Ausmaß der geldpolitischen Unterstützung“ bewahren, erklärte Draghi am Freitag in Washington. Dies sei zum Anheizen der Inflation Richtung knapp zwei Prozent notwendig. „Falls erforderlich, werden wir handeln, indem wir alle in unserem Mandat verfügbaren Instrumente nutzen.“ Die Euro-Notenbank ist aktuell von ihrem Inflationsziel von knapp zwei Prozent weit entfernt. Im September zogen die Preise im Währungsraum nur um 0,4 Prozent an.

Die italienische Regierung fürchtet offenbar, dass die zuletzt ohnehin gestiegenen Risikoaufschläge für italienische Papiere durch einen schrittweisen Rückzug der EZB von den Anleihemärkten noch weiter steigen könnten. Dies wiederum würde die die Schuldenaufnahme am Markt verteuern. Die Episode zeigt, dass zahlreiche europäische Länder ohne die permanente Intervention der EZB in die Märkte binnen kürzester Zeit vor erheblichen Schuldenproblemen stehen würden.

„Niemand glaubt auch nur einen Moment daran, dass die tiefen Renditen europäischen Staatsanleihen etwas mit guter Bonität der Staaten zu tun habe. Wenn die viele Billionen Euro schwere Freigebigkeit der EZB vorbei ist, dann machen Sie sich bitte auf den zweiten Teil der europäischen Staatsschuldenkrise gefasst, weil die Märkte sich dann wieder auf die Fundamentaldaten der Schuldner konzentrieren“, sagte Bill Blain vom Brokerhaus Mint Partners.

In den vergangenen Tagen sind die Renditen der südlichen Eurostaaten gestiegen. Am Mittwoch rentierten zehnjährige italienische Anleihen mit 1,35 Prozent – ein Anstieg von 7 Prozent im Vergleich zum Vortag. Die Rendite fünfjähriger Papiere stieg sogar um über 16 Prozent und der Risikoaufschlag bei zweijährigen Anleihen um mehr als 5 Prozent. Auch die Wertpapiere anderer Staaten verzeichneten einen deutlichen Anstieg der Risikoaufschläge.

Die Spekulationen auf ein allmähliches Zurückfahren der Anleihekäufe trieb auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe um vier Basispunkte auf ein Zwei-Wochen-Hoch von minus 0,042 Prozent.

Bislang ist geplant, das auf 1,74 Billionen Euro angelegte Kaufprogramm noch bis mindestens Ende März 2017 fortzusetzen. „Die Summe von zehn Milliarden ist das, worauf der Markt reagiert, mit der Schlussfolgerung, dass eine schwächere Nachfrage nach Bonds durch die EZB negativ für den Markt ist“, sagte Zinsstratege Richard McGuire von der Rabobank. Die EZB hatte den Bericht zurückgewiesen. Der EZB-Rat habe das Thema nicht besprochen, erklärte EZB-Pressesprecher Michael Steen am Dienstag auf Twitter.

Die EZB und die nationalen Notenbanken erwerben seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder. Weitere Wertpapiere eingeschlossen ist das noch bis mindestens Ende März 2017 laufende Kaufprogramm auf 1,74 Billionen Euro angelegt. Damit will die EZB die Konjunktur ankurbeln und die aus ihrer Sicht unerwünscht niedrige Inflation anheizen.

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