Finanzen

Es riecht nach Crash: „Wir sind in einer Panik-Attacke“

Lesezeit: 1 min
24.08.2015 09:34
Der DAX ist unmittelbar nach Handelsbeginn erstmals seit langem unter die 10.000-Punkte-Marke gerutscht. Zuvor waren bereits die chinesischen Märkte erneut eingebrochen. Es riecht nach Crash. Die aufkommende Nervosität ist ziemlich undifferenziert - typisches Zeichen von panischen Gefühlen.
Es riecht nach Crash: „Wir sind in einer Panik-Attacke“
Der Dax rutschte am Montag unter die 10.000 Punkte-Marke. (Grafik: ariva.de)

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Aus Angst vor einer ausgeprägten Wachstumsschwäche in China lassen immer mehr Dax -Anleger die Finger von Aktien. Der deutsche Leitindex rutschte am Montag in den ersten Handelsminuten unter die Marke von 10.000 Punkten. Er fiel in der Spitze um 3,4 Prozent auf 9777 Zähler, den tiefsten Stand seit Mitte Januar. Seit Monatsanfang kommt er damit auf ein Minus von 13,6 Prozent. Anfang April hatte die Geldflut der EZB den Dax noch auf ein Rekordhoch von 12.390,75 Zählern getrieben.

Auch in Paris und London ging es nach unten: Die europäischen Finanzmärkte fielen um knapp drei Prozent auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten. Das entspricht einem Wert von 230 Milliarden Euro. Weltweit verzeichneten die Börsen zu Wochenbeginn heftige Kursverluste. "Wir sind mitten in einer Panikattacke und China ist das Epizentrum", schrieben die Analysten von JP Morgan Cazenove in einer Studie.

Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, schreibt:

Die Rohstoffpreise kollabieren. An den Aktienmärkten erleben wir dramatische Kurseinbrüche, die den Begriff Crash hoffähig machen.

Einmal mehr sind diese Einbrüche vollkommen undifferenziert. Europäische Märkte mit äußerst konservativen Bewertungen werden genauso abgestraft wie  US-Märkte  mit sportlicher Bewertung oder hoch bewertete Märkte im Sektor der aufstrebenden Länder. Dabei ergeben sich für die US-Wirtschaft negative Revisionen der Wachstumsprognosen, während es für die Eurozone positive Revisionen im ersten Halbjahr gab.

Hellmeyer ist, wie der IWF, nicht der Meinung, dass es sich um einen Crash-Trend handelt:

Es kommt nicht häufig vor, dass wir mit dem IWF übereinstimmen. Heute ist das der Fall. Der Wirtschaftsabschwung und der Kurseinbruch an den Börsen in China sind nach Einschätzung des IWF keine Vorboten für eine Krise. Bei der Entwicklung handele es sich lediglich um eine "notwendige Anpassung" der Konjunktur der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, sagte IWF-Exekutivdirektor Cottarelli. Mehr noch hat der Absturz der chinesischen Aktienmärkte nicht den gleichen Einfluss auf die Gesamtwirtschaft wie beispielsweise in den USA. China hat eine vom Einkommen getriebene Ökonomie. Die USA haben dagegen eine „Asset- driven Economy“, bei der Verwerfungen an den Finanz- oder Immobilienmärkten ein hohe realwirtschaftliche Traktion entwickeln.

Reuters analysiert dagegen:

Die Anzeichen für eine deutliche Abkühlung der chinesischen Wirtschaft mehren sich. Die Befürchtungen, dass sich der Wachstumsrückgang in China als langfristiger Trend herausstellen könnte, belastet vor allem exportorientierte Industriezweige wie die Autobauer, für die China ein wichtiger Absatzmarkt ist. BMW und Daimler verloren im Dax am Montag jeweils mehr als vier Prozent.

Der Shanghai-Composite rutschte zu Wochenbeginn um 8,5 Prozent ab. Viele Anleger hatten offenbar damit gerechnet, dass die chinesische Führung am Wochenende weitere Maßnahmen zur Stützung der Märkte ergreift, nachdem diese vergangene Woche elf Prozent verloren hatten.

An den Rohstoff-Märkten setzte sich der Ausverkauf fort: Der Preis für das US-Öl WTI rutschte in der Spitze um 3,6 Prozent auf 39 Dollar je Fass ab und markierte damit den tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren. Das Nordseeöl Brent wurde mit 44,24 Dollar je Barrel zeitweise 2,7 Prozent schwächer gehandelt und war damit ebenfalls so billig wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr. "Heute sind alle Märkte unter Druck", sagte Jonathan Barratt, Analyst bei Sydney's Ayers Alliance. Alle Augen seien auf China gerichtet. Auch der Kupferpreis kannte kein Halten mehr und fiel in der Spitze um drei Prozent auf 4903 Dollar je Tonne.

Die aktuelle Rohstoff-Krise hat, anders als China isoliert, das Potenzial zur nachhaltigen Schädigung der Weltwirtschaft. 

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