Finanzen

Schweizer Zentralbank schwächte Franken mit knapp 500 Milliarden

Lesezeit: 2 min
21.04.2016 21:58
Die SNB fürchtet die negativen Auswirkungen eines aus ihrer Sicht zu starken Franken auf die Schweizer Wirtschaft. Daher ist die SNB im großen Stil am Devisenmarkt aktiv, um den Kurs zu schwächen. Seit 2010 hat sie Fremdwährungen im Gesamtvolumen von fast 500 Milliarden Franken gekauft.
Schweizer Zentralbank schwächte Franken mit knapp 500 Milliarden

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat seit 2010 Fremdwährungen im Gesamtvolumen von fast 500 Milliarden Franken gekauft, um den Kurs der Landeswährung zu drücken. Allein im vergangenen Jahr hat die SNB demzufolge Devisen im Gegenwert von 86 Milliarden Franken gekauft, wie aus dem im März veröffentlichten Jahresbericht hervorgeht.

Die Interventionen der SNB verteilten sich in unregelmäßigen Abständen auf die vergangenen Jahre. Im Jahr 2012, als die Euro-Krise einen vorläufigen Höhepunkt erreichte und Anleger in den vermeintlich „sicheren Hafen“ Franken strömten, investierte sie etwa 188 Milliarden. Im Jahr 2010 waren es bereits 144 Milliarden gewesen, wohingegen sich das Gesamtvolumen der Währungskäufe 2014 auf etwa 26 Milliarden und 2011 auf rund 18 Milliarden belief. Im Jahr 2013 tätigte die SNB keine Transaktionen – dies war eine Periode, in der sich der Franken zum Euro auf einem hohen Niveau von durchschnittlich etwa 1,23 Euro einpendelte.

Die SNB äußert sich im aktuellen Jahresbericht wie folgt zu ihrer Tätigkeit am Devisenmarkt: „Um ihr geldpolitisches Mandat zu erfüllen, kauft und verkauft die SNB Devisen gegen Schweizer Franken an den Finanzmärkten. (…) Die SNB akzeptiert über 100 Banken aus der ganzen Welt als Gegenparteien. Mit diesem Kontaktnetzwerk deckt sie den relevanten Interbanken-Devisenmarkt ab. Die Niederlassung in Singapur kann, wenn nötig, rund um die Uhr Devisengeschäfte tätigen.“

Auch in den vergangenen Wochen hat die SNB den Franken nach Einschätzung von Experten mit gezielten Devisenkäufen geschwächt. Ein Anzeichen dafür sind die gestiegenen Sichtguthaben von Banken und des Bundes bei der Nationalbank: Diese waren der Nachrichtenagentur Reuters zufolge in der ersten Aprilwoche um 2,6 Milliarden auf über 486 Milliarden Franken gestiegen. „Es riecht nach Intervention. Die SNB ist ständig am Markt. Aber der Anstieg der Sichtguthaben zeigt, dass es diesmal etwas mehr gewesen sein könnte“, sagte ein Händler.

Entsprechend viel Beachtung findet die Entwicklung der Sichtguthaben: Sie gilt als Indiz dafür, ob die Notenbank am Devisenmarkt interveniert, um den Franken gegenüber dem Euro zu schwächen. Die Zentralbank kauft Euro und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut.

Bis zum Januar 2015 hatte die SNB eine offizielle Untergrenze von 1,20 Franken zum Euro festgelegt und verteidigt. Seit deren Aufhebung finden die Maßnahmen zur Schwächung der Landeswährung verdeckter statt.

Die SNB fürchtet die negativen Auswirkungen eines aus ihrer Sicht zu starken Franken auf die Schweizer Wirtschaft. Dieser schadet der Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Industrie sowie der Tourismusbranche. Neben Devisenkäufen spielt der negative Einlagenzinssatz von minus 0,75 Prozent eine Hauptrolle im Repertoire der Notenbank zur Senkung des Frankenkurses. Der Aufwertungsdruck dürfte jedoch noch längere Zeit anhalten: Angesichts zahlreicher Risiken in der Weltwirtschaft, der Politik und an den Finanzmärkten kann es jederzeit zu einer enormen Nachfrage nach Franken von Investoren aus aller Welt kommen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Europa nach Corona: Werden die hohen Schulden eine nachhaltige Erholung bremsen?

Kann Europas Wirtschaft trotz der hohen Schuldenbelastung nach Corona wieder durchstarten? Der Chefvolkswirt der IKB Bank, Klaus Bauknecht,...

DWN
Politik
Politik Von Diktatoren umzingelt: Wann zerbricht in Europa die Demokratie?

In Europas Peripherie herrschen Diktatoren: Aber auch auf unserem so stabil scheinenden Kontinent steht die Demokratie im Feuer, schreibt...

DWN
Politik
Politik Die Feinde von Byzanz: Putin vergleicht NATO und USA mit Kreuzfahrern

Russlands Präsident Putin hat angesichts der jüngsten Spannungen mit der NATO einen historischen Vergleich gezogen. Es dürfe niemals...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Fehler kosten an der Börse oftmals viel Geld. Privatanleger, die zum ersten Mal mit Aktien handeln, treten meistens in dieselben...

DWN
Finanzen
Finanzen Erster Euro-Zentralbankchef fordert offen noch stärkere Anleihekäufe durch die EZB

Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras wagt sich aus der Deckung. Er fordert von der EZB ein noch stärkeres Gelddrucken, um den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Großkonzerne verdrängen mit E-Autos und Vernetzung die kleinen Werkstätten

Zu den Verlierern von E-Mobilität und Digitalisierung gehören auch die freien Werkstätten. Die Autohersteller und ihre...

DWN
Politik
Politik Bundestagswahl 2021: Jetzt werden auch noch Kritiker von Briefwahlen als Verschwörungstheoretiker diffamiert

Nun werden alle Menschen als Verschwörungstheoretiker diffamiert, die angesichts der anstehenden Bundestagswahl darauf hinweisen, dass...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Ringen um die wichtigste Region der Welt - Teil 1

In Südostasien treffen geopolitische, wirtschaftliche und militärische Strategien von Amerikanern und Chinesen direkt aufeinander. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Reiseveranstalter sehen nur eine Rettung: Den digitalen Impfpass

Die deutsche Reisebranche will im Sommer endlich wieder höhere Umsätze machen. Sie setzt dabei auf den digitalen Impfpass, den alle...

DWN
Finanzen
Finanzen In der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter rasant an

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter stark an. Offenbar decken sich die Bürger insbesondere mit Bargeld und schnell...

DWN
Politik
Politik Great Reset: Ansichten von SPD-Chefin Esken decken sich mit der Agenda des Weltwirtschaftsforums

Fleischverzicht, eine drastische Reduzierung von Flügen und weitere Maßnahmen sollen laut SPD-Chefin Saskia Esken gut sein, um das Klima...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schwört Bevölkerung auf fortgesetzten Lockdown ein

Die Mehrheit der Deutschen plädiert für Lockerungen, doch die Bundesregierung und ihre Experten halten dagegen und schließen ein...

DWN
Politik
Politik Sky-Moderator: „Globalisten“ verhelfen mit dem Great Reset China und Big Tech zur Weltmacht

Der Sky-Moderator Rowan Dean berichtet, dass die „Globalisten“ des Weltwirtschaftsforums den Niedergang der USA bis 2030 propagieren....

DWN
Politik
Politik In ihrem Klimawahn zerstört die EU Europas Auto-Industrie: „Wir werden eine Arbeitslosigkeit erleben, wie wir sie noch nie gehabt haben“

Neue Pläne der EU-Kommission bedeuteten faktisch ein Verbot von Verbrennungsmotoren. Mehrere gewichtige Stimmen aus der Autobranche warnen...