Investor Casey: „Holen Sie Ihr Geld von den Banken, und zwar sofort!“

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
08.04.2013 01:19
Der Investor Doug Casey erwartet ein sehr böses Ende für die internationale Finanzindustrie. Im Kern seien alle Banken bankrott. Keine Bank habe auch nur annähernd so viele Reserven, dass sie im Crash-Fall bestehen könne. Er erwartet den Zusammenbruch noch im Jahr 2013.
Investor Casey: „Holen Sie Ihr Geld von den Banken, und zwar sofort!“

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Für den amerikanischen Ökonomen und Investor Doug Casey sind die Krise in Zypern und der Quasi-Zusammenbruch des zypriotischen Bankensystems der Anfang vom Ende der europäischen Banken, wie wir sie heute kennen. Zypern werde nichts anderes übrig bleiben, als wieder zur Haltung von Schafen, zum Anbau von Oliven und zum Servieren von Ouzo an Touristen zurückzukehren, so Casey. „Niemand auf der Welt wird für sehr lange Zeit Geld nach Zypern bringen.“

Aber die Ereignisse in Zypern sind mehr als nur das Scheitern eines nationalen Bankensystems. „Es könnte der Funke gewesen sein, der das Fass Dynamit, auf dem das weltweite Finanzsystem steht, anzündet.“ Die Banken „der ganzen Welt sind bankrott und das schon seit Jahren“, sagt Casey in einem Interview, dass bei Casey Research veröffentlicht wurde. Alle Banken haben seit Jahrzehnten nur mehr eine äußert geringe Mindestreserve. Sie vergaben und vergeben massenhaft, langjährige Kredite – in einem Umfang, den ihr Kapital nicht einmal annähernd  decken könnte, so der Ökonom. Die Banken verließen sich nur mehr auf den Fakt, dass sie mittels staatlichen Garantien abgesichert sein werden, kritisiert Casey. Luxemburg und Malta könnten aufgrund des ähnlich hohem Gewichts, den das Finanzsystem der Banken für die beiden Länder ausmacht, bald die nächsten sein.

Alle Banken seien letztlich „Schöpfungen des Staates“, sagt Casey. Sie alle halten eine Menge Staatsanleihen in ihren Bilanzen, weil diese als sicherste Form des Kapitals gelten. „Aber natürlich sind diese genau das Gegenteil, da alle diese Regierungen genauso bankrott sind.“ Bei der griechischen Regierung beispielsweise sei der Konkurs nur deutlicher sichtbar gewesen als bei den meisten anderen Staaten.

Geld auf europäischen Banken ist nicht sicher

Jeder mit „ein wenig Verstand sollte sein Geld, ganz gleich ob es sich um Euro oder andere Währungen handelt, aus den europäischen Banken abziehen, und zwar sofort“, so Casey. Zypern habe gezeigt, dass die Regierungen durchaus bereit und in der Lage dazu sind, Geld auf Bankkonten zu konfiszieren, um das Bankensystem am Leben zu halten. Der Masterplan dafür steht bereits. „Wir leben in einer bizarren Welt.“ Es wundere ihn, dass es bis jetzt keinen wirklichen Bank-Run in Europa nach den Ereignissen in Zypern gegeben hat.

Das Finanzsystem am Ende

Das Problem seit vielen Jahren sei außerdem, dass der Finanzsektor in keinem Maße mehr der realen Wirtschaft entspreche. In den USA zum Beispiel, so Casey, sind nur 20 Prozent der Wirtschaft real. „Es ist lächerlich, Millionen von Menschen bündeln, tauschen und verpacken Milliarden von Dollar an Vermögenswerten um.“ Gebe es noch wirklich eine Entsprechung zwischen Finanzmarkt und Wirtschaft, dürften Banken nur etwa ein Zehntel des realwirtschaftlich erzeugten Wachstums ausmachen. Es sei einfach eine gigantische Industrie entstanden.

„Das gesamte Bankgeschäft ist von oben bis unten korrupt“, so Casey. Es sind nicht mehr wie früher Menschen, die Banken mit ihrem eigenen Geld gründen und groß machen. Die Banken sind größtenteils börsennotierte Unternehmen, die mit dem Geld anderer zocken. Der einzige Anreiz ist die Vermehrung des Geldes. Und zwar nicht nur in Europa und den USA. „All diese Banken werden in die Luft fliegen, und das nicht nur in weit entfernten, kleinen Ländern.“ Junge Trader kommen, hantieren mit Milliarden, wenn es gut geht, kriegen sie unglaubliche Boni, und wenn nicht, wechseln sie einfach in eine andere Bank und können mit mehr Erfahrung in ihrem Lebenslauf punkten, kritisiert Casey das System. Der Whale of London ist ein solcher Trader, der mit Unmengen Geld handelt, und Milliarden-Verluste verursachte.

Im Falle des Wals von London zeigt sich die ganze Schwäche des Finanzsystems: Die Bank - JPMorgan - war nicht in der Lage, Kontrollmechanismen einzuführen. Sie war nicht einmal willens, das zu tun: JPMorgan-Chef Jamie Dimon soll seine Trader ermutugt haben, noch mehr Risiko zu gehen, um die Profite zu steigern. Es gab keine Konsequenzen für Dimon, obwohl die Trades zu Milliarden-Verlusten geführt hatten (hier).

Problematisch seien vor allem die Billionen, die in Derivate gesteckt wurden und werden (hier). Heutzutage wisse keiner mehr, wer wirklich kreditwürdig ist. „Es ist unmöglich, das tatsächliche Ausfallrisiko bei diesen Derivaten zu beurteilen“, warnt Casey.

Die Staaten selbst haben diese Entwicklung Casey zufolge begünstigt, indem die Zentralbanken jedes Jahr Billionen in die Märkte pumpen. „So entstand logischer Weise eine gigantische Finanzindustrie, um mit diesen Billionen zu hantieren.“ Aber „es wird ein sehr böses Ende geben“. Es wird einen großen Crash geben, es sei nur mehr die Frage, ob dies noch in dieser Woche, in der nächsten oder erst in ein paar Monaten geschehe.


Mehr zum Thema:  

DWN
Termine
Wichtige Termine Lesen Sie hier, warum Sie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten lesen sollten und wie Sie dabei 17% sparen!

Unser Chefredakteur Hauke Rudolph zeigt auf, warum man Abonnent der DWN sein sollte. Gleichzeitig können Sie von einem interessanten...

DWN
Politik
Politik Anti-Rassismus-Demos: Teilnehmer infiziert, Mediziner befürchten zweite Corona-Welle

Nun ist es geschehen. Die ersten Demonstranten haben sich in den USA mit dem Corona-Virus infiziert. US-Mediziner und Behörden befürchten...

DWN
Politik
Politik DWN-EXTRA: Pentagon weiß nichts von US-Truppenabzug aus Deutschland

Das Pentagon weiß nichts über einen offiziellen Plan, wonach ein Teil der US-Truppen aus Deutschland abgezogen werden soll. Doch genau...

DWN
Politik
Politik Maas: Zusammenarbeit mit US-Truppen im beiderseitigen Interesse

Bundesaußenminister Heiko Maas sagt zum angeblichen Teilabzug von US-Truppen aus Deutschland: „Wir schätzen die seit Jahrzehnten...

DWN
Politik
Politik Gegen die Türkei: Im Kriegsfall würde Russland Griechenland unterstützen

Falls es zum Krieg zwischen Griechenland und der Türkei kommen sollte, würde Russland Griechenland unterstützen. Bereits im...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum die Zentralbanken ihre eigenen Inflationsziele völlig verfehlen

Alle großen Zentralbanken der Welt sagen, dass sie mit niedrigen Zinsen Inflation schaffen wollen. Doch tatsächlich hat die extrem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Bohrinseln stehen wegen Öl-Crash vor dem Aus

Die aktuelle Weltwirtschaftskrise könnte der Offshore-Ölbranche den Todesstoß versetzen. Denn schon vor dem letzten Preis-Crash waren...

DWN
Politik
Politik USA und Polen starten Militär-Manöver

Die USA und Polen haben in Westpolen mit dem Militärmanöver Manöver „Defender-Europe 20 Plus“ begonnen.

DWN
Politik
Politik USA versus China: Ein Krieg liegt im Interesse beider Länder

Der Konflikt zwischen den USA und China nimmt an Schärfe zu. Wie weit die beiden Kontrahenten gehen könnten, analysiert DWN-Autor Ernst...

DWN
Technologie
Technologie Roboter soll Corona-Massentests ermöglichen

Bei der Bekämpfung von Corona soll ein künstlich intelligenter Roboter zum Einsatz kommen.

DWN
Deutschland
Deutschland Askese ist in der Corona-Krise der falsche Weg: Plädoyer für einen aufgeklärten Konsum

Konsum ist kein Übel, schreibt DWN-Kolumnist Ronald Barazon - weder in der Corona-Krise noch sonst.

DWN
Politik
Politik Gesundheit nur Vorwand: Eliten instrumentalisieren Corona-Krise für Massen-Manipulation und mehr Kontrolle

DWN-Korrespondent Moritz Enders hat den Psychologen Rainer Mausfeld zum Thema Indoktrination und Massen-Manipulation interviewt.

DWN
Politik
Politik Bundesregierung entsendet Funktionär in neue Anti-China-Allianz

Die Bundesregierung entsendet einen Funktionär in eine gegen China gerichtete internationale Arbeitsgruppe. Die Beteiligung ist ein...

DWN
Politik
Politik Griechenland ist bereit für einen Krieg gegen die Türkei

Griechenlands Verteidigungsminister droht der Türkei mit militärischer Gewalt. Beim Streit zwischen Ankara und Athen geht es um...

DWN
Politik
Politik DWN-SPEZIAL: Die Aufteilung Libyens nimmt Konturen an

Die Aufteilung des „libyschen Kuchens“ nimmt Konturen an. Am Verhandlungstisch sitzen die USA, Russland und die Türkei. Doch auch die...

celtra_fin_Interscroller