Opel-Übernahme durch Peugeot scheint besiegelt

Am Montag wollen Peugeot und General Motors die Übernahme von Opel durch die Franzosen bekanntgeben.

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Opel soll französisch werden. (Fotos: dpa)

Opel soll französisch werden. (Fotos: dpa)

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Laurence Frost und Gilles Guillaume und Pamela Barbaglia von Reuters berichten:

Die Übernahme des traditionsreichen Autobauers Opel durch den französischen PSA Peugeot Citroen ist offenbar unter Dach und Fach. Peugeot und der bisherige Opel-Eigentümer General Motors luden am Samstag zu einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montagmorgen in Paris ein, ohne sich allerdings näher zu deren Inhalt zu äußern. Der Verwaltungsrat des französischen Autokonzerns PSA Peugeot Citroen hatte am Freitagabend grünes Licht für die Übernahme gegeben, wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Die Einigung auf „Eckpunkte“ der Transaktion solle zu Wochenanfang bekanntgegeben werden, sagte ein Insider.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums wollte die jüngsten Entwicklungen nicht kommentieren. „Wir haben die Meldungen zur Kenntnis genommen“, sagte sie. Das Ministerium halte aber engen Kontakt zu allen Beteiligten. Die deutsche Regierung hatte sich zuletzt positiv zu dem Projekt geäußert, nachdem PSA-Chef Carlos Tavares zuvor den Erhalt der Opel- Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland zugesichert hatte.

Geeinigt haben sich PSA und GM Insidern zufolge auch in der Frage, inwiefern Opel unter PSA-Regie auf einzelnen Märkte, wie etwa China, mit GM-Fahrzeugen künftig konkurrieren kann oder nicht. Die Lösung dieses Problems sei dadurch erleichtert worden, dass GM „erheblich mehr“ als die bis dato angebotenen rund ein bis zwei Milliarde Dollar für Opel-Pensionen beisteuern werde, hieß es im Umkreis der Gespräche.

General Motors will sich mit dem Verkauf von Opel aus seinem verlustreichen Europa-Geschäft zurückziehen und damit nach 88 Jahren die Verbindung zu Opel und der britischen Schwester Vauxhall kappen. Die Franzosen wollen zusammen mit dem deutschen Traditionsunternehmen den nach Volkswagen zweitgrößten Autobauer in Europa schmieden.

Die Franzosen haben in West-Europa, wo sie mit 1,5 Millionen Autos rund die Hälfte ihrer Fahrzeuge absetzen, einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Opel kommt mit knapp einer Million verkauften Autos auf 6,6 Prozent. PSA hat zugesagt, die Opel-Standorte zu erhalten und damit die Gemüter in Politik und Belegschaft in beiden Ländern vorerst beruhigt. Die Garantien beziehen sich allerdings nur auf die schon von General Motors ausgesprochenen Zusagen und Vereinbarungen. Diese gelten zumeist bis 2020. Was danach geschieht, ist unklar. Opel beschäftigt gut 38.000 Mitarbeiter, davon mehr als 19.000 in Deutschland vor allem in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach. Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeitern deutlich größer als Opel. PSA will durch einheitliche Technik und das Zusammenlegen von Entwicklung und Einkauf Insidern zufolge bis zu zwei Milliarden Euro einsparen.

OPEL SOLL EIGENSTÄNDIG BLEIBEN

Peugeot will mit Opel Kunden gewinnen, die kein französisches Auto kaufen. Dabei soll die Traditionsmarke mit dem Blitz als Logo als eigenständiges Unternehmen erhalten bleiben. 2012 hatten der französische Autobauer mit dem Löwen als Markenzeichen schon einmal eine Allianz mit der GM-Tochter angepeilt. Diese kam jedoch nicht zustande, weil Peugeot in die Krise geriet. Der französische Konzern wurde damals mit staatlicher Hilfe vor dem Aus gerettet. Seither ist der französische Staat mit knapp 14 Prozent beteiligt und hat ein gewichtiges Wort mitzureden. Weitere je knapp 14 Prozent liegen bei dem chinesischen Autobauer Dongfeng und der Familie Peugeot.

Peugeot-Chef Carlos Tavares hat den Konzern mit einem radikalen Sanierungskurs sowie neuen Modellen zurück in die Erfolgsspur gebracht. Der Nettogewinn verdoppelte sich 2016 fast auf 1,7 Milliarden Euro. Dazu trugen höhere Preise sowie Einsparungen bei Einkauf, Produktion und Verwaltung bei. Der Umsatz verringerte sich allerdings um ein Prozent auf 54 Milliarden Euro.

Tavares sieht in der erfolgreichen Sanierung von Peugeot ein Modell für Opel. Der 58-Jährige hat bereits deutlich gemacht, dass PSA dabei den Rüsselsheimern nicht hineinregieren will. Opel soll einen eigenen Plan für seine Sanierung aufstellen. Die GM-Tochter hatte im vergangenen Jahr ihr Ziel verfehlt, erstmals seit 1999 in die Gewinnzone zurückzukehren. Als Grund nannte das Unternehmen Währungsturbulenzen nach dem Beschluss der Briten zum Austritt aus der EU.

Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeitern ungleich größer als Opel, die gut 38.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon mehr als 19.000 in Deutschland. Die Franzosen haben in West-Europa, wo sie mit 1,5 Millionen Autos rund die Hälfte ihrer Fahrzeuge absetzen, einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Opel kommt mit knapp einer Million verkauften Autos auf 6,6 Prozent. Hauptstandorte in Deutschland sind Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach, das Werk in Bochum wurde Ende 2014 geschlossen.

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