Schäuble findet bei Draghi kein Gehör: Zinsen bleiben niedrig

Schäuble findet bei Draghi kein Gehör: Die Zinsen bleiben niedrig.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), spricht am 27.04.2017 während der Pressekonferenz in der EZB-Zentrale in Frankfurt am Main (Foto: dpa)

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), spricht am 27.04.2017 während der Pressekonferenz in der EZB-Zentrale in Frankfurt am Main (Foto: dpa)

Spekulationen auf weiterhin niedrige Leitzinsen in der Euro-Zone haben die europäische Gemeinschaftswährung am Donnerstag belastet. Der Euro fiel während einer Pressekonferenz mit EZB-Präsident Mario Draghi um 0,4 Prozent auf ein Tagestief von 1,0865 Dollar. „Die zinstechnische Attraktivität des Euro wird sich auf absehbare Zeit nicht verbessern“, fasst Devisenexperte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank zusammen. Auch Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank erwartet nach Draghis Aussagen keine rasche Kursänderung der Währungshüter. „Draghi schlug zwar einen leicht optimistischeren Ton hinsichtlich des Wirtschaftsausblickes an, doch dies sollte nicht gleichgesetzt werden mit einer baldigen Normalisierung der Geldpolitik.“

Der Aufschwung hat sich aus Sicht von EZB-Präsident Mario Draghi zuletzt gefestigt. Die jüngsten Daten signalisierten, dass die konjunkturelle Erholung zusehends solider werde, sagte Draghi am Donnerstag in Frankfurt. „Die Abwärtsrisiken sind gesunken.“ Dennoch sei weiterhin „ein sehr substanzieller Grad“ an Konjunkturunterstützung nötig. Insbesondere bedürfe es sehr günstiger Finanzierungsbedingungen, um die Inflation in Richtung des Ziels der EZB von knapp zwei Prozent zu treiben.

Die Europäische Zentralbank (EZB) werde weiterhin über „vorübergehende Ausschläge“ bei der Teuerung hinwegsehen. Die Preissteigerungsraten dürften sich bis zum Jahresende um das derzeitige Niveau herum einpendeln. Die bisherigen Hinweise genügten nicht, um den Ausblick für die Inflation zu ändern.

In Deutschland legte die Teuerungsrate im April auf 2,0 Prozent zu. Für die am Freitag anstehenden Inflationsdaten für den gesamten Währungsraum rechnen Experten mit einem Anstieg auf 1,8 von 1,5 Prozent im März. Die Hüter des Euro pumpen Monat für Monat Milliarden in das Finanzsystem, um Banken dazu zu bewegen, statt in Anleihen stärker in Kredite an Firmen und Haushalte zu investieren und so die Inflation und auch die Konjunktur anzuheizen.

EZB-Präsident Mario Draghi hat die Rufe aus Deutschland nach einer geldpolitischen Wende zurückgewiesen. Es entbehre nicht einer gewissen Ironie, dass sich „Verfechter der Unabhängigkeit der Notenbank“ so äußerten, sagte Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Weiter kommentieren wolle er das aber nicht.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte vergangene Woche von der EZB einen Kurswechsel gefordert. Die ultra-lockere Geldpolitik schüre Risiken wie Preisblasen, wodurch es zu einer neuen Krise kommen könne, so der CDU-Politiker. Banken in Deutschland klagen seit längerem über die ultra-niedrigen Zinsen im Währungsraum, durch die sie im angestammten Kreditgeschäft kaum noch auskömmliche Gewinne erzielen.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung! Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick