Finanzinvestoren scheitern bei Übernahme von Stada

Die Finanzinvestoren Bain und Cinven sind bei der Übernahme des Arzneimittelherstellers Stada gescheitert. Dieser will nun eigenständig weitermachen.

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Alexander Hübner von Reuters berichtet:

Die 5,3 Milliarden Euro schwere Übernahme des hessischen Arzneimittelherstellers Stada ist geplatzt. Die Finanzinvestoren Bain und Cinven verfehlten knapp die Annahmequote von 67,5 Prozent der Stada-Aktien, die sie sich gesetzt hatten, wie Stada und die Bieter am Montag mitteilten. Nur 65,5 Prozent der Stada-Aktionäre nahmen die Offerte über 66 Euro je Aktie an. Die Anteilsscheine des Unternehmens aus Bad Vilbel bei Frankfurt gingen im Späthandel auf Talfahrt: Sie fielen um knapp neun Prozent auf 58 Euro. „Wir respektieren das knappe Votum unserer Aktionäre und verstehen es als Auftrag, unsere erfolgreiche Wachstumsstrategie weiter voranzutreiben“, betonte Stada-Vorstandschef Matthias Wiedenfels.

Er hatte den Bieterprozess auf Druck von Aktionären in Gang gesetzt. Bain und Cinven setzten sich in einem monatelangen Ringen gegen die Mitbewerber Advent und Permira durch. Nach Ansicht von Analysten hatte Stada dabei mit 66 Euro den maximalen Preis herausgeholt. Gerüchte über ein Gegengebot des chinesischen Arzneiherstellers Shanghai Pharma über 70 Euro bestätigten sich nicht. Bain und Cinven hatten die Annahmeschwelle bereits von ursprünglich 75 Prozent herabgesetzt, weil die Offerte schleppend angelaufen war. Die verlängerte Frist war am Donnerstag abgelaufen. Die Bieter hatten aber noch vier Tage auf Nachzügler gewartet.

Aufsichtsratschef Ferdinand Oetker wertete das Ergebnis als Votum dafür, dass Stada auf eigene Faust weitermachen soll. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es Stada als unabhängigem Anbieter von Generika und Markenprodukten mit einer am Markt klar anerkannten Wachstumsstrategie gelingen wird, den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern.“ Die Hoffnung auf eine Übernahme hatten den Aktienkurs binnen eines Jahres von weniger als 40 bis auf 67 Euro getrieben. Das Unternehmen werde auch ohne die neuen Eigentümer sein Geschäft mit Markenprodukten wie Ladival und Grippostad ausbauen, aber auch das angestammte Generika-Geschäft nicht vernachlässigen, unterstrich Oetker. Beteiligungen dürften nun auf den Prüfstand kommen, die Kosten müssten gesenkt werden.

Stada wäre eine der größten Übernahmen von Finanzinvestoren in Deutschland gewesen. Bain und Cinven dürfen nach dem Gesetz nun ein Jahr lang keinen neuen Anlauf nehmen – es sei denn, das Unternehmen und die Finanzaufsicht BaFin würden zustimmen. Doch ein „Plan B“ zeichnet sich nicht ab. „Die Bieter müssen das jetzt erst mal verdauen“, sagte ein Insider. Einen Präzedenzfall aus der Branche gibt es: McKesson war im ersten Anlauf zum Erwerb des Stuttgarter Pharmahändlers Celesio am Widerstand des Hedgefonds Elliott gescheitert, doch der US-Konzern rettete die Übernahme im Nachhinein mit Unterstützung des Celesio-Vorstands und des Großaktionärs Haniel.

Bei Stada könnten auch andere Interessenten wieder ins Spiel kommen. Sie müssten aber mindestens den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate für Stada bieten, der deutlich über 60 Euro liegen dürfte.

Finanzinvestoren wie Bain und Cinven sind darauf angewiesen, dass sie bei Übernahmen einen Beherrschungsvertrag abschließen können, weil sie nur so Zugriff auf die Kasse ihrer Neuerwerbung haben – die Voraussetzung, um Milliardenkredite zu erhalten, mit denen die Übernahme finanziert wird. Dafür ist eine Mehrheit von 75 Prozent der Anteile nötig.

Banker hatten befürchtet, dass Hedgefonds einen Teil ihrer Aktien zurückhalten und die Übernahme damit unabsichtlich zu Fall bringen könnten. Doch die Hürde erwies sich auch aus technischen Gründen als zu hoch. Zwölf Prozent an Stada liegen in börsengehandelten Fonds (ETFs), die sie erst abgeben dürfen, wenn sicher ist, dass die Transaktion klappt. Mit ihnen konnten Bain und Cinven also nicht rechnen. Auch von den 27 Prozent Kleinanlegern – darunter viele Apotheker und Ärzte – hatte bis zuletzt etwa die Hälfte nicht angedient. Der Investor AOC, der Stada in die Übernahme getrieben hatte, war dagegen auf Nummer sicher gegangen. Er hatte seine Anteile nicht angedient, sondern an einen anderen Aktionär verkauft – und seinen Einsatz mehr als verdoppelt.

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