Türkische Söldner bereit zum Kampf gegen al-Nusra

Lesezeit: 3 min
24.09.2018 23:22
Die von der Türkei unterstützten Söldnerverbände der Nationalen Befreiungsfront und der Freien Syrischen Armee sind offenbar bereit, gegen die al-Nusra-Front zu kämpfen.
Türkische Söldner bereit zum Kampf gegen al-Nusra

Die Söldner-Truppe Tanzim Hurras al-Din (HS) lehnt nach Angaben des englischsprachigen Diensts von Reuters den Idlib-Deal zwischen Russland und der Türkei ab. Die Gruppe ist eine Abspaltung der Al-Nusra-Front (heute Hayat Tahrir al-Scham - HTS) und bekennt sich nach eigenen Angaben nicht zu Al-Qaida. Allerdings kooperiert HS mit der Terror-Miliz IS.

Die Gruppe operiert vor allem im Nordwesten Syriens (Latakia und Idlib), meldet der US-Sicherheitsanalyst Charles Lister über den Kurznachrichtendienst Twitter. Die Söldner-Truppe HS soll von Al-Qaida-Veteranen wie Abu Humam, Abu Julaybib, Sami al-Oraydi, Abu Khadija oder Abu al-Qassam angeführt werden, so Lister. HS wurde am 27. Februar gegründet. Ihr gehören seit dem 4. März 2018  Dschaisch al-Malahim, Dschaisch al-Badia, Dschaisch al-Sahel, Saraya al-Sahel, Saraya Kabul, Jund al-Scharia und Jund al-Aqsa an. Das geht aus einem Dokument des israelischen Meir Amit Informationszentrums über Geheimdienste und Terrorismus, das den Deutschen Wirtschafts Nachrichten vorliegt, hervor.

Die zweite Gruppe, die offiziell ihre Ablehnung gegenüber dem Idlib-Deal verkündet hat, ist Ansar al-Din. Die Söldner-Truppe veröffentlichte am vergangenen Sonntag eine Mitteilung: "Wir bekräftigen unsere Ablehnung des Sotschi-Abkommens und warnen vor der Abhängigkeit von internationalen Vereinbarungen und dem Streben nach politischen Lösungen, die sich als falsch herausstellten. Dies zeigt sich in Homs, Ghouta und im syrischen Süden", zitiert El Dorar die Truppe. In ihrer Mitteilung übt die Truppe auch scharfe Kritik an der National Befreiungsfront (NLF), die dem Deal zwischen Russland und der Türkei zugestimmt hatte. NLF ist eine Söldner-Truppe, die von der Türkei kontrolliert wird.

Ein Sprecher der NLF sagte dem Blatt Quds Al-Arabi: "Wir schätzen diese große Anstrengung und den klaren Sieg der türkischen Diplomatie, die unsere Sache verteidigt und die nationale Sicherheit zu einer Zeit wahrt, in der die internationale Gemeinschaft Schwäche für die Unterstützung des syrischen Volkes zeigt. Doch die Aussagen Russlands und des Iran führen uns vor Augen, dass diese Lösung vorübergehend ist. Deshalb werden unsere Finger auf dem Abzug unserer Waffen bleiben."

NLF-Chef Hossam Salameh sagte, dass die NLF der Türkei ihre schweren Waffen nicht übergeben habe. "Die Übergabe unserer Waffen ist für uns nicht verhandelbar und die Türkei hat Verständnis dafür gezeigt", so Samaleh. Die NLF verfügt über 70.000 bewaffnete Kämpfer.

HTS hat mehrmals bekannt gegeben, dass sie den Deal zwischen Russland und der Türkei ablehnt. Im Verlauf der Verhandlungen in Sotschi sprach ein anonymer türkischer Regierungsvertreter mit dem Middle East Eye darüber, was in Sotschi hinter den Kulissen geschah: "Das erste Angebot der Türkei war, in Idlib gemeinsam mit den ,moderaten Oppositionsgruppen' eine Operation gegen HTS aufzunehmen. Der Plan war, ein Gebiet zu schaffen, wie es in den nördlichen Regionen Afrin und Dscharabulus der Fall ist, die die Türkei jetzt kontrolliert. Für dieses Szenario versprach die Türkei eine sichere Durchfahrt für die Regierung auf den Straßen M5 und M4, die Aleppo mit Damaskus und Latakia verbinden (...) Daraufhin gingen die türkischen Außen- und Verteidigungsminister mit einem neuen Angebot nach Russland. Sie schlugen eine entmilitarisierte Zone zwischen Rebellen und Regierungstruppen vor und versprachen, Idlib von HTS und ähnlichen Gruppen zu säubern."

FSA und NLF bereit zum Kampf gegen HTS

Der Sprecher der Verbands-Teile der Freien Syrischen Armee (FSA), die von der Türkei kontrolliert wird, Ibrahim Al-Idlibi sagte der Zeitung Hürriyet: "Wenn die Dschihadisten nicht abziehen sollten, werden wir gegen sie kämpfen und sie vertreiben. Wir verfügen über eine Kampfstärke von 30.000 Mann. Die Einigung zwischen Russland und der Türkei begrüßen wir sehr. In der ersten Phase werden wir HTS anbieten, sich aufzulösen. Teile der Gruppe können sich dann der FSA anschließen. Denjenigen, die sich uns nicht anschließen möchten, werden wir vorschlagen, die Landschaften von Idlib, Hama und Latakia zu verlassen, um in die Grenzregion zwischen Syrien und dem Irak evakuiert zu werden. Sollte dies auch nicht geschehen, werden wir - wenn nötig - gegen die kämpfen. Denn wir möchten nicht, dass das Leben von 3,5 Millionen Menschen wegen dieser Leute in Gefahr gerät. 1,5 Millionen dieser Menschen sind unter 15 Jahren. Dieser Deal wird Millionen von Menschen das Leben retten. Doch wir haben Angst, dass Russland sich nicht an die Vereinbarung halten wird."

Nach Angaben des Middle East Eye verfügt HTS über 15.000 Söldner. Die Türkei hat sich somit bereit erklärt, die Region von HTS zu säubern. Bei dieser Aufgabe wird offenbar vor allem die NLF zum Einsatz kommen. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, dass die NLF ihre schweren Waffen nicht abgegeben hat, zumal auch HTS über schwere Waffen, Drohnen, Panzer und Raketen verfügt.

Die schweren Waffen und Lastwagen der "oppositionellen Gruppen" in der entmilitarisierten Zone werden an die Gruppen in Idlib und nicht an die Türkei abgegeben, teilte eine hochrangige türkische diplomatische Quelle dem Middle East Eye mit. Dieser Hinweis deutet darauf hin, dass eine Operation gegen HTS geplant ist.

Das Blatt wörtlich: "Die Türkei wird auch die Sicherheit der Straßen M5 und M4 garantieren, die jetzt teilweise von HTS und den von der Türkei unterstützten Oppositionsgruppen kontrolliert werden. HTS hat vier Kontrollpunkte auf der Straße und von der Türkei unterstützte bewaffnete Gruppen haben zwei Checkpoints. Die Türkei wird alle Kontrollpunkte eliminieren und sichere Fahrzeuge für (syrische, Anm. d. Red.) Regierungsfahrzeuge bereitstellen, damit sie den Handel fortsetzen können (...) Am 31. Juli nutzte die Türkei ihre Macht über die Gruppen in Idlib, um einen von HTS kontrollierten Kontrollpunkt zu entfernen. Der Kontrollpunkt war der größte, der von HTS an der Hauptstraße zwischen Aleppo und Damaskus kontrolliert wurde."


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