Mittelstand immun gegen Leitzins-Erhöhungen der EZB

Möglicherweise bevorstehende Leitzins-Anhebungen der EZB können die mittelständischen Betriebe auf Jahre hinaus nicht in finanzielle Bedrängnis bringen.

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Referenz-Zinsen: Die Zentrale der EZB in Frankfurt. (Foto: dpa)

Die Zentrale der EZB in Frankfurt. (Foto: dpa)

Die große Mehrheit der mittelständischen Betriebe in Deutschland ist gegen mögliche Leitzinsanhebungen durch die Europäische Zentralbank finanziell gewappnet. Dies ist die zentrale Erkenntnis einer Umfrage unter etwa 300.000 kleinen und mittelgroßen Unternehmen, welche der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) durchgeführt und am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

So haben sich das durch die EZB hervorgerufene niedrige Zinsniveau und die dadurch erreichte Abnahme des Verschuldungsgrades positiv auf die Ertragslage der befragten Mittelständler ausgewirkt. Inzwischen macht der Zinsaufwand nur noch durchschnittlich 1,2 Prozent des Umsatzes aus – im Jahr 2011 lag dieser Wert noch bei 1,8 Prozent.

„Neben den niedrigen Zinsen hilft dem Mittelstand die Tatsache, dass rund 83 Prozent der Kredite mit nicht variablen, sondern festen Zinssätzen abgeschlossen wurden und die durchschnittliche Laufzeit der Kredite zwischen 5 und 10 Jahren liegt“, sagte die Leiterin des Bereichs Volkswirtschaft, Finanzmärkte und Wirtschaftspolitik, Pia Jankowski, den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Aus der Umfrage des DSGV geht zudem hervor, dass 95 Prozent der Unternehmen sich das aktuell niedrige Zinsniveau sichern möchten und den Anteil festverzinslicher Kredite an ihren Gesamtverbindlichkeiten in Zukunft ausbauen oder stabil halten möchten.

„Nach Angaben der Sparkassen sind die Bankkredite als wichtigster Finanzierungsbaustein der mittelständischen Unternehmen zu mehr als 80 Prozent festverzinst und haben lange Laufzeiten. Insgesamt würde es etwa 6 Jahre dauern, bis ein Zinsanstieg voll im Unternehmen durchschlagen würde. Wenn Unternehmen Kredite aufnehmen, dann mit Maß und nur in Kombination mit Eigenkapital. Die zusätzlichen Mittel fließen dabei zu etwa gleichen Teilen in den Bestandserhalt und in Neuinvestitionen“, sagte der Präsident des DSGV, Helmut Schleweis.

Seit mindestens 2011 sind die Eigenkapitalbestände der deutschen Mittelständler stärker gewachsen als die Kreditaufnahme. Nur im vergangenen Jahr übertraf das Wachstum der Bankverbindlichkeiten jenes des Eigenkapitals mit 6 Prozent gegenüber 4,5 Prozent.

Rechnet man das Jahr 2001 als Referenzjahr mit 100 Punkten, so liegt die Eigenkapitalausstattung heute bei 134 Punkten und die Bankverbindlichkeiten bei 114 Punkten. Auffallend ist, dass insbesondere kleinere Mittelständler auf Bankkredite als Finanzierungsform zurückgreifen. So beträgt der Anteil der Bankverbindlichkeiten am Fremdkapital bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 1 Million Euro etwa 65 Prozent, bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 100 und 250 Millionen Euro hingegen etwa 35 Prozent.

Der vom DSGV ermittelte Mittelstands-Fitnessindex – welcher neben der allgemeinen Geschäftslage und dem Gewinn auch den Umfang von Investitionen, die Schulden- und Finanzlage und die Produktivität beleuchtet, hatte im Jahr 2017 mit 101,9 Punkten einen neuen Höchststand erreicht. Für das laufenden Jahr rechnet der Sparkassenverband mit einer ähnlich hohen Punktzahl, bevor es im Jahr 2019 zu einem leichten Rückgang kommen könnte.

Die größten Herausforderungen für den Mittelstand stellen aus Sicht des DSGV der Fachkräftemangel sowie eine deutliche Abkühlung des Wachstums der Weltwirtschaft dar. „Beim Fachkräftemangel sind Unternehmen aus dem Technologiesektor derzeit noch vergleichsweise wenig betroffen, weil die Branche bei jungen, arbeitssuchenden Menschen einerseits beliebt ist, und andererseits sich diese Unternehmen meist in Großstädten angesiedelt haben, welche bei den Jungen ebenfalls begehrt sind. Wir erkennen, dass insbesondere Firmen aus ländlichen Regionen und aus traditionellen Handwerksbetrieben die größten Schwierigkeiten haben, qualifizierten Nachwuchs zu finden“, sagte Jankowski den Deutschen Wirtschaftsnachrichten.

Präsident Schleweis sagte mit Blick auf die Risiken für die Entwicklung der Weltkonjunktur. „Die Lage ist unübersichtlich, das Wachstum scheint sich leicht abzuschwächen. Drängende Fragen wie die derzeit laufenden Handelskriege, neue Zölle und der Brexit werden Auswirkungen haben. Die Unternehmen des deutschen Mittelstandes sind jedoch aufgrund ihrer geografischen und Branchen-Diversifikation für etwaige Auswirkungen vergleichsweise gut gerüstet.“