Windkraft zu teuer: Investition in Solar-Energie lohnt sich

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
08.03.2019 16:21
Investoren scheuen die ungewissen Genehmigungsverfahren bei Windparks und setzen stattdessen verstärkt auf Solaranlagen. Doch die staatlichen Subventionen sind begrenzt, und die meisten Projekte gehen derzeit leer aus.
Windkraft zu teuer: Investition in Solar-Energie lohnt sich

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Kosten der Energiewende steigen. Im Jahr 2018 kosteten die Auflagen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die Stromkunden in Deutschland insgesamt 26,6 Milliarden Euro, so viel wie nie zuvor.

Laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln ist vor allem die Förderung der Windenergie ein wachsender Kostenfaktor. Hier seien Einsparungen möglich, wenn man statt der Wind- verstärkt die Solarenergie fördern würde.

Derzeit gibt der Staat für Wind- und Solarenergie separate Ausschreibungsmengen vor. Die günstigsten Gebote erhalten jeweils die Förderung, und damit eine garantierte Mindesteinspeisevergütung für die ersten 20 Jahre.

Laut aktuellen Zahlen muss die Solarenergie auf Freiflächen am wenigsten gefördert werden. In der Ausschreibung im Februar 2019 lag die Förderung im Schnitt bei 4,8 Cent pro Kilowattstunde. Das ist nur halb so viel wie zu Beginn des Jahres 2015.

Um ein Drittel höher als bei der Solarenergie auf Freiflächen ist die Förderung der Windenergie. In der Februar-Ausschreibung lag der Zuschlag für die Einspeisevergütung hier bei durchschnittlich 6,1 Cent pro Kilowattstunde.

Mehr als 6,2 Cent pro Kilowattstunde durfte nicht geboten werden, und einige Windkraftanlagen bekamen mit diesem Höchstwert den Zuschlag. Denn insgesamt gab es viel weniger Gebote, als Förderungen für Wind an Land ausgeschrieben waren.

Ein erheblicher Teil der Anfang Februar ausgeschriebenen 700 Megawatt fand keine Abnehmer. Nur Windprojekte mit einem Gesamtvolumen von 476 Megawatt erhielten einen Zuschlag. Für mehr als 200 Megawatt fehlten die Bieter.

Ein möglicher Grund für die fehlenden Gebote besteht darin, dass sich der Betrieb von Windrädern an Land für Investoren derzeit nicht rechnet, wenn diese nur mit maximal 6,2 Cent pro Kilowattstunde gefördert werden.

Schon im Verlauf des Jahres 2018 waren die Angebote an Projekten für Windräder an Land geschrumpft. Die bewilligte Menge an neuem Windstrom blieb immer weiter hinter dem ausgeschriebenen Gesamtvolumen zurück.

Bei Ausschreibungen für Solaranlagen zeigt sich das umgekehrte Bild. Hier gab es zuletzt Photovoltaik-Projekte mit einem Gesamtvolumen, das etwa zweieinhalbmal so hoch war wie die ausgeschriebene Menge von 175 Megawatt.

Der Kostenvorteil großer Solaranlagen gegenüber Windenergieanlagen auf dem Land zeigt sich auch bei den zwei gemeinsamen Ausschreibungen. Im Frühling und Herbst 2018 setzte sich dabei jeweils das Solarenergie-Gebot gegen das Windenergie-Gebot durch.

In der Februar-Ausschreibung war sogar die teuerste Förderung bei den Solaranlagen noch billiger ist als die günstigste Windpark-Förderung (maximal 5,18 Cent pro Kilowattstunde bei Solar gegenüber mindestens 5,24 Cent bei Wind).

IW-Energieökonom Frank Obermüller kritisiert, dass der Staat so hohe Mengen Windenergie an Land fördert, obwohl diese viel stärker subventioniert werden muss als die Solarenergie. Umgekehrt wäre es sinnvoller, meint er.

Im laufenden Jahr beträgt der geplante Zubau bei der Windenergie an Land 2,8 Gigawatt. Das ist beinahe doppelt so viel wie die Ausschreibungsmenge für Solaranlagen in Höhe von knapp 1,5 Gigawatt.

Und die von Obermüller empfohlene gemeinsame Ausschreibung von Wind und Solar ist mit 0,4 Gigawatt noch geringer. Und auch in den kommenden Jahren ist hier keine Erhöhung vorgesehen.

Die höheren Kosten der Windenergie an Land sind nicht in der Stromerzeugung begründet, wo sie durchaus mit der Solarenergie konkurrieren kann. Daher lagen die Zuschlagswerte für Windenergie noch vor einem Jahr in derselben Größenordnung wie heute bei großflächigen Solaranlagen.

Die heute deutlich höheren Förderungskosten der Windenergie sind vor allem die Folge sehr aufwendiger Genehmigungsverfahren. Hinzu kommt die Unsicherheit, dass auch nach erfolgter Genehmigung noch Klagen gegen Windenergieanlagen möglich sind.

Neben einer höheren Ausschreibungsmenge bei der Solarenergie auf der einen Seite fordert IW-Energieökonom Obermüller daher auf der anderen Seite schnelle und zuverlässige Genehmigungsverfahren für Windparks.

Der Präsident des Bundesverband Windenergie (BWE), Hermann Albers, sieht das ähnlich. „Seit 2017 erleben wir einen Stillstand in den Genehmigungsverfahren. Über 10.000 Megawatt Wind an Land stecken bundesweit im Verfahren fest“, sagte er der F.A.Z.

Genehmigungsverfahren dauerten inzwischen mehr als zwei Jahre, ergänzt ein BWE-Sprecher. Zudem würden 80 Prozent aller Windpark-Projekte beklagt. Dabei argumentierten Anwohner und Umweltverbände vor allem mit dem Artenschutz, etwa weil sich auf einmal Vögel im genehmigten Gebiet ansiedeln und brüten.

Selbst Genehmigungen stellen nach Ansicht des BWE heute keine wirkliche Rechtssicherheit mehr dar. Der Verband fordert daher eine Beschleunigung der Verfahren, etwa indem man Fristen für die Klagebegründung verkürzt und Einsprüche auf eine Gerichtsinstanz beschränkt.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Produktions-Kapazitäten der deutschen Autobauer sind viel zu hoch: Massenentlassungen drohen

Die Produktionskapazitäten der deutschen Autobauer sind viel zu hoch – die Unternehmen werden deshalb massive Entlassungen vornehmen.

DWN
Deutschland
Deutschland Wir sollten Bürger sein und keine Untertanen: Eine Replik auf Hauke Rudolph

Vor einigen Tagen hat Hauke Rudolph einen Kommentar mit dem Titel „Deutschland – ein Nachtwächterstaat" veröffentlicht. In diesem...

DWN
Politik
Politik Corona: Das Meisterstück der Massen-Manipulation

Mit ihrem Appell, das Corona-Virus müsse unter allen Umständen bekämpft werden, appelliert die Politik an die Urängste der Menschen. Es...

DWN
Finanzen
Finanzen Ausländische Zentralbanken verkaufen US-Staatsanleihen wie nie zuvor

Im März haben ausländische Zentralbanken so viel US-Staatsanleihen verkauft wie niemals zuvor. Doch auch die Gegenmaßnahmen der Federal...

DWN
Finanzen
Finanzen Schuldenkrise, mehr Europa oder Ende der Globalisierung? So geht es nach Corona weiter

Die IKB Deutsche Industriebank liefert in einer interessanten Analyse Hinweise darauf, welche Folgen die Coronakrise haben könnte.

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen Corona: Deutsche Auto-Produktion bricht massiv ein

Aufgrund der Corona-Krise wird die Zahl der in Deutschland produzierten Autos dieses Jahr massiv zurückgehen.

DWN
Deutschland
Deutschland Lebensmittel-Lieferketten brechen: Erste Länder geraten in Bedrängnis, Preise steigen

Die ersten wichtigen Produzenten für Grundnahrungsmittel wie Weizen und Reis haben den Export eingeschränkt. Obwohl auf der Welt...

DWN
Finanzen
Finanzen 40 Prozent der Klagen gegen Finanzämter sind erfolgreich

Vor Deutschlands höchstem Finanzgericht haben 2019 vierzig Prozent der klagenden Bürger und Unternehmen ihre Prozesse gegen den Fiskus in...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Nachfrage steigt weltweit deutlich an

Weltweit ist die Nachfrage nach Bargeld drastisch angestiegen. Das teilt einer der weltweit führenden Banknotenhersteller aus München mit.

DWN
Deutschland
Deutschland Weil Stromversorgung in Gefahr ist? Energieversorger kasernieren hunderte Mitarbeiter am Arbeitsplatz ein

Der Energieversorger E.on hat hunderte Mitarbeiter am Arbeitsplatz einkaserniert, damit sie diesen nicht mehr verlassen. Auch andere...

DWN
Finanzen
Finanzen Wann bricht der Silberpreis nach oben aus?

Zwar wird im Zuge der laufenden globalen Rezession die industrielle Nutzung des Silbers zurückgehen, doch verringert sich derzeit auch die...

DWN
Finanzen
Finanzen Corona-Prämien für Arbeitnehmer bis 1.500 Euro steuerfrei

Beschäftigte, die wegen der Corona-Krise eine Prämie von ihrem Arbeitgeber bekommen, müssen darauf keine Steuern zahlen.

DWN
Politik
Politik Wie die Wall Street-Barone ihren Reichtum über die Gesundheit der Amerikaner stellen

Die Barone der Wall Street üben großen Druck auf US-Präsident Donald Trump aus. Sie fordern einen baldigen Stopp der Maßnahmen gegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Liquiditätskrise hinter den Kulissen? Die seltsame Entwicklung eines wichtigen Zinses wirft Fragen auf

Obwohl die Zentralbanken die Finanzmärkte mit billigem Kreditgeld fluten, deutet ein wichtiger Indikator auf eine sich verschärfende...

celtra_fin_Interscroller