Nigerianische Mafia verschärft Flüchtlings-Krise in Italien

 

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09.07.2019 17:01
Die nigerianische Mafia ist der Washington Post zufolge maßgeblich an der Verschärfung der Flüchtlings-Krise in Italien beteiligt. Dort wuchert die kriminelle Kooperation mit italienischen Mafiagruppen. Der BND warnt vor einer Expansion der Nigerianer nach Deutschland.
Nigerianische Mafia verschärft Flüchtlings-Krise in Italien
Hilflose Menschen werden in Italien von der nigerianischen Mafia missbraucht. (Foto: dpa)

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Einem Bericht der Washington Post zufolge expandiert in Italien die nigerianische Mafia und ist maßgeblich daran beteiligt, die Flüchtlings-Krise im Land zu vertiefen. Sie organisieren den Menschenschmuggel von Afrika nach Europa und verfügen über ein internationales Drogenschmuggel-Netzwerk. Die nigerianische Mafia habe, so die Post, Italien zu einem europäischen Zentrum für den Transit von Kokain aus Südamerika nach Europa, von Heroin von Asien nach Europa und von Menschen von Afrika nach Europa gemacht. 

Ein italienischer EU-Abgeordneter führt in einer Anfrage an die EU-Kommission aus: “In Italien - genauer gesagt in Turin - setzt die nigerianische Mafia (insbesondere die Gruppen „Eiye“ und „Maphite“) ihre kriminelle Gewalt ein, um Migranten und ,Illegale’ zu zwingen, als Drogenhändler für Drogen aus Kolumbien zu fungieren. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die nigerianischen kriminellen Vereinigungen und ihre Vorgehensweise mit der Zunahme der Migrationsströme aus Nigeria weiter verbreitet wurden. Dieses kriminelle Netzwerk, das pyramidenförmig und hierarchisch aufgebaut ist und je nach Position in der Hierarchie eine monatliche Vergütung erhält (,Don’, ,Deputy Don’, ,Chief’ usw.), befasst sich auch mit dem Menschenhandel und der Ausbeutung von Prostitutierten. Die Methoden der Mafia beinhalten auch Gewalt und Vergeltungsmaßnahmen gegen in Nigeria zurückgelassene Familien.”

In einer weiteren Anfrage führt der italienische Abgeordnete aus: “In Süditalien, an der domitianischen Küste und in der Nähe der Stadt Castel Volturno, werden Ermittlungsoperationen durchgeführt, an denen nicht nur die italienische Polizei, sondern auch das amerikanische FBI beteiligt sind.” Er macht darauf aufmerksam, dass die nigerianische Mafia auch am illegalen Organhandel Geld verdient. 

Cesare Sirignano, Richter bei der Nationalen Anti-Mafia-Direktion, sagt, dass die nigerianische Mafia in Italien von den italienischen Mafia-Organisationen geduldet werden, weil die Nigerianer bereit sind, einen Teil ihrer Gewinne an die italienische Mafia abzugeben. Solange das so bleibt, ist “die Anwesenheit der nigerianischen Banden für die italienischen Mafia-Gruppen kein Problem”, zitiert Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) Sirignano. 

Dass der Menschenschmuggel und regelrechte Handel mit Flüchtlingen und Migranten lukrativ ist, hat auch die italienische Mafia begriffen. Im Jahr 2014 ergab eine Untersuchung unter dem Namen “Mafia Capitale”, dass eine kriminelle Vereinigung seit Jahren die Stadtregierung von Rom kontrollierte. Die Gruppe, die von den Staatsanwälten als mafiaähnliche Vereinigung definiert wurde, hatte Millionen von Euro für die Finanzierung des öffentlichen Dienstes abgezogen. Die Gruppe hatte auch landesweit Asylzentren infiltriert und Namen und Details von Migranten, die längst verschwunden waren, gekauft und verkauft, um die staatliche Finanzierung pro Migrant zu sichern. 

Während der Ermittlungen wurde einer der mutmaßlichen Chefs der Gruppe, Salvatore Buzzi, nach der Aufzeichnung eines Telefongesprächs gefasst. Er hatte am Telefon damit geprahlt, wie viel Geld er auf dem Rücken von Asylbewerbern verdient hatte. “Haben Sie eine Ahnung, wieviel ich mit Einwanderern verdiene? Die sind rentabler als Drogen”, zitiert der Guardian Buzzi. Buzzi und seine Mitarbeiter wurden nach einem Gerichtsverfahren, das 2017 endete, zu jahrzehntelangen Haftstrafen verurteilt, obwohl ihre Haftstrafen im Berufungsverfahren reduziert wurden.

Im selben Jahr verhaftete die Anti-Mafia-Polizei 68 Personen, darunter den örtlichen Pfarrer, in der kalabresischen Stadt Isola di Capo Rizzuto. Seit mehr als einem Jahrzehnt befand sich dort eines der größten italienischen Aufnahmezentren für Migranten und Flüchtlinge. Den Ermittlern zufolge sollen die Verhafteten öffentliche Gelder in zweistelliger Millionenhöhe gestohlen haben, die eigentlich für die Versorgung der Asylsuchenden gedacht war, während die Asylanträge der Menschen geprüft werden. 

General Giuseppe Governale, Chef der Anti-Mafia-Polizei, sagte, das Zentrum sei eine lukrative Geldquelle für die kalabrische Mafia - die Ndrangheta. Dem Staatsanwalt Nicola Gratteri zufolge seien die Zustände im Aufnahmezentrum entsetzlich gewesen. “Es gab nie genug zu essen, und wir haben es geschafft, das angebotene Essen zu filmen. Es war die Art von Nahrung, die wir normalerweise Schweinen geben”, so Governale.

Die Kooperation der italienischen und nigerianischen Mafiaorganisationen ergibt sich vor allem im Bereich des Menschenhandels. Die Nigerianer schmuggeln die Menschen nach Italien, bringen sie in den Aufnahmezentren unter, während die italienische Mafia öffentliche Gelder veruntreut und weibliche Flüchtlinge direkt in die Zwangsprostitution in die italienischen Städte entsendet. Dort kümmern sich dann erneut nigerianische Mafiabanden, die auch viele weibliche Mitglieder haben, um die Sexsklavinnen.

Die nigerianischen Frauen arbeiten dann solange als Sexsklavinnen, bis sie ihre “Schulden” für die Überfahrt nach Italien bei der nigerianischen Mafia abbezahlt haben. Der Guardian führt aus: “Eine Zahlung geht an die Personalvermittler in Nigeria, eine Zahlung an die Schleuser und Schmuggler (...) und ein Großteil geht an die nigerianischen Gangmitglieder, die die Mafia aus Neapel, die Camorra oder andere kriminelle Gruppen bezahlen müssen, in deren Hoheitsgebieten die Frauen als Prostituierte eingesetzt werden.”

Jede Frau aus Nigeria hat nach der Überfahrt nach Italien Schulden in Höhe von durchschnittlich 60.000 Euro, die sie im Regelfall als Sexsklavin abbezahlen muss. Es kann fünf Jahre oder länger dauern, bis die Schulden beglichen sind.

Auch Deutschland läuft Gefahr, in den Sog der Umtriebe der nigerianischen und italienischen Mafiaorganisationen im Zusammenhang mit der Migrationspolitik gezogen zu werden. Im Jahr 2018 ist die Zahl der Asylbewerber aus Nigeria, die über Italien nach Deutschland einreisen, im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent gestiegen, wobei die Summe bei lediglich 10.000 Personen liegt. 

Der Bundesnachrichtendienst (BND) warnte im Februar 2019 davor, dass sich in Deutschland die nigerianische Mafia allmählich breit macht. Es gehe nach Angaben des Spiegels vor allem um die Gruppen “Supreme Eiye Confraternity und Black Axe”, die auch in Italien aktiv sind.  Der Spiegel wörtlich: “Der starke Zuzug nigerianischer Asylbewerber, die vermehrt aus Italien in die Bundesrepublik einreisten, werde zu einem Aufwuchs der ,äußerst brutal agierenden nigerianischen Strukturen der organisierten Kriminalität führen’, heißt es in dem Geheimdienstpapier unter Berufung auf eigene Erkenntnisse und die anderer Sicherheitsbehörden.”

In Italien würden sich derzeit 100.000 Nigerianer befinden, die den Weg nach Deutschland einschlagen möchten. Dem BND zufolge würden sich unter ihnen “sehr viele Opfer von Menschenhändlern, die den Kriminellen hohe Profite bescheren” befinden. Bemerkenswert ist auch die Feststellung des deutschen Auslandsnachrichtendiensts, dass die nigerianische Mafia sich mittlerweile auf Augenhöhe mit der italienischen Mafia befindet. 


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