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07.05.2018 15:45
Die Aktien der angeschlagenen Air France sind am Montag zeitweise um bis zu 14 Prozent eingebrochen.

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Die Eskalation des Arbeitskampfes bei Air France-KLM mit dem Rücktritt des Vorstandschefs als jüngstem Höhepunkt stürzt die Airline immer tiefer in die Krise. Am Montag sollten wegen erneuter Streiks der Belegschaft in Frankreich 15 Prozent aller Flüge gestrichen werden. Für Dienstag erwartete die Fluggesellschaft ein Fünftel an Ausfällen bei Air France. Die Aktien des französisch-niederländischen Konzerns brachen an der Pariser Börse zeitweise um fast 14 Prozent ein. Am Ende des Handestags stand ein Minus von 13 Prozent. Zwischen Gewerkschaften und Management gibt es keine Gespräche mehr, nachdem Vorstandschef Jean-Marc Janaillac am Freitag wegen des Mitarbeitervotums gegen das Lohnangebot des Managements nach nicht mal zwei Jahren im Amt seinen Rücktritt angekündigt hatte.

Analysten schlugen buchstäblich die Hände über dem Kopf zusammen: "Die Airline steht jetzt ohne Chef, ohne Lohnabkommen da in einem andauernden Konflikt mit Gewerkschaften, die jetzt um so weniger bereit sein werden, von ihrer Forderung abzurücken", schrieben die Branchenexperten von Bernstein. Ein Aktienhändler befürchtete ein Schicksal wie bei Alitalia, die durch den Streit von Gewerkschaften und Management im vergangenen Jahr zur Insolvenz getrieben wurde. Wie auch die Lufthansa wird Air France-KLM von Konkurrenten auf zwei Seiten in die Zange genommen: Im Luxussegment zwingen die Golf-Carrier zu mehr Service, in der Holzklasse drücken die Billig-Airlines die Preise. Die Lufthansa schloss im vergangenen Jahr nach langem Arbeitskampf mit den Piloten Tarifverträge ab, welche die Personalkosten drücken. Allerdings flammte zuletzt ein Konflikt mit Piloten der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines über Gehälter auf. Streiks ab Freitag sind möglich.

Seit Wochen wird bei Air France immer wieder gestreikt, am Montag war es der 14. Tag mit Ausständen. Die Welle hat die Lufthansa-Rivalin bisher 300 Millionen Euro gekostet, für Mai sind schon vier Streiktage geplant. Die Gewerkschaften fordern 5,1 Prozent höhere Löhne für ein Jahr. Air France hat für 2018 ein Plus von zwei Prozent und weitere fünf Prozent in den folgenden drei Jahren angeboten. Mehr als die Hälfte der Belegschaft schloss sich dem Nein von zehn Gewerkschaften an und stimmte gegen die Offerte. Schon die Einsparversuche von Janaillacs Vorgänger Alexandre de Juniac waren am Widerstand der Gewerkschaften gescheitert.

Philippe Evain, Vorsitzender der Pilotengewerkschaft SNPL, erklärte im RTL Radio, der Dialog mit dem Management sei abgebrochen. "Keiner hat mich am Wochenende angerufen. Es gibt keinen Termin für weitere Verhandlungen", sagte er. So lange es unter einem neuen Chef keinen Management-Plan gibt, ist nach Angaben von Air France auf Unternehmensseite keiner zu weiteren Verhandlungen befugt. Ein neuer Chef soll am 15. Mai auf der Hauptversammlung eingesetzt werden. Die Gewerkschaften waren sich untereinander zuletzt allerdings nicht einig. Die zweitgrößte französische Gewerkschaft CFDT, bei der vor allem das Bodenpersonal organisiert ist, warf der Pilotengewerkschaft SNPL vor, die gesamte Belegschaft mit ihrem harten Kurs in Geiselhaft zu nehmen.

Die Fluggesellschaft hat als Folge des Arbeitskampfs ihre Gewinn- und Wachstumserwartungen für 2018 bereits zurückgeschraubt und erklärt, vom derzeit guten Marktumfeld in Europa könne sie nicht profitieren. Im ersten Quartal häufte sich ein Verlust von 118 Millionen Euro an, nach minus 33 Millionen vor Jahresfrist. Durch die Streiks in Frankreich stiegen die Kosten je Sitzplatzkilometer um 2,1 Prozent im ersten Quartal, wobei 1,7 Prozentpunkte an den Flugausfällen lagen. Die kleinere, kostengünstigere KLM konnte ihren Gewinn unterdessen steigern und den Verlust des Konzerns um 60 Millionen Euro dämpfen.

Die Regierung versuchte über das Wochenende weiter, mit eindringlichen Warnungen die Gewerkschaften zum Einlenken zu bewegen. "Wenn Air France sich nicht anstrengt, wettbewerbsfähiger zu werden und auf das gleiche Niveau wie die Lufthansa und andere Fluggesellschaften zu kommen, wird Air France verschwinden", sagte Finanzminister Bruno Le Maire dem Fernsehsender BFM. Der Staat werde nicht die Verluste der Airline, an der Frankreich 14 Prozent hält, auffangen.

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