Finanzen
Zahl der im Umlauf befindlichen Scheine verdoppelt

Vor der nächsten Krise: Die Welt hortet 100-Dollar-Scheine

Es ist ein Rückschlag für die Befürworter einer bargeldlosen Gesellschaft: Die Zahl der weltweit im Umlauf befindlichen 100-Dollar-Scheine wächst rasant.
10.08.2019 16:43
Lesezeit: 1 min

"Eine merkwürdige Sache ist passiert", sagte der Internationale Währungsfonds (IWF) letzte Woche. In einem Blogbeitrag stellte er fest, dass es heute zum ersten Mal in der Geschichte mehr 100-Dollar-Scheine gibt als 1-Dollar-Scheine. Damit ist die wertvollste Banknote der USA erstmals auch zur am weitesten verbreiteten geworden.

Nie zuvor hat es so viele 100-Dollar-Scheine gegeben wie heute. Ihre Anzahl hat sich seit der globalen Finanzkrise verdoppelt. Dieser Aufstieg steht im Gegensatz zu Schritten in Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft. So nutzt jede Woche fast ein Drittel der US-Bürger überhaupt kein Bargeld, wie Daten des Pew Research Center zeigen.

Laut der Angaben der Federal Reserve Bank of Chicago werden fast 80 Prozent der 100-Dollar-Scheine im Ausland gehalten. Ruth Judson, eine Ökonomin im Fed-Vorstand, sagte, dass der Trend zumindest teilweise auf geopolitische Instabilität zurückzuführen ist.

"Die Auslandsnachfrage nach US-Dollar wird wahrscheinlich von seinem Status als sicheres Anlagegut getrieben", sagte sie. "Die Geldnachfrage, insbesondere aus anderen Ländern, nimmt in Zeiten von politischen und finanziellen Krisen zu."

Der IWF sagte, es sei "unmöglich, mit Sicherheit zu wissen", wo die Dollar-Scheine gehortet werden. Ein Paradebeispiel sei Venezuela, wo die Verwendung von US-Dollars wegen der Hyperinflation von hohem Nutzen zum Werterhalt ist.

Andere Gründe für die Verwendung von Dollarscheinen anstelle von elektronischen Zahlungen sind Korruption und kriminelle Aktivitäten. Daher hat etwa der ehemalige US-Finanzminister Lawrence Summers gefordert, die 100-Dollar-Note abzuschaffen.

Aus demselben Grund hatte die Europäische Zentralbank im Jahr 2016 entschieden, die Produktion von 500-Euro-Noten einzustellen. Kürzlich stellte die Deutsche Bundesbank die Ausgabe von 500-Euro-Noten ein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

DWN
Technologie
Technologie Biometrische Daten: BKA und Bundespolizei erhalten neue Befugnisse
13.03.2026

Das BKA und die Bundespolizei sollen künftig biometrische Daten aus dem Internet nutzen dürfen. Kritiker warnen vor Bürgerrechtsrisiken,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg treibt Ölpreise nach oben: EZB wägt Zinsentscheidung neu ab
13.03.2026

Der Iran-Krieg sorgt für neue Unsicherheit an den Energiemärkten und verändert die Erwartungen an die Zinspolitik der Europäischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Verteidigungstechnik: Deutsches Drohnenunternehmen steigt bei HEVI Optronics ein
12.03.2026

Ein deutsches Drohnenunternehmen steigt beim estnischen Sensorhersteller HEVI Optronics ein und übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung....

DWN
Politik
Politik Konflikt im Persischen Golf: Trump ruft zur Nutzung der Straße von Hormus auf
12.03.2026

US-Präsident Donald Trump sieht die USA im Konflikt mit dem Iran militärisch im Vorteil und fordert Ölfirmen auf, die Straße von Hormus...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie in der Krise: Warum 2026 wieder besser werden könnte
12.03.2026

Die Gewinne brechen ein, die Unsicherheit wächst – doch die deutsche Autoindustrie setzt auf eine Wende. Warum Experten ausgerechnet...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zalando: Schließung in Erfurt überschattet starkes Wachstum
12.03.2026

Zalando meldet starkes Wachstum, steigende Umsätze und Fortschritte bei KI. Doch die Schließung des großen Logistikstandorts in Erfurt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo: Ölreserven halten nur drei Monate
12.03.2026

Die strategischen Ölreserven der Welt könnten schneller aufgebraucht sein als gedacht. Ifo-Chef Clemens Fuest warnt vor Knappheit,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fünf Warnsignale für Unternehmen: Woran lässt sich schwaches Management erkennen?
12.03.2026

Viele Unternehmen wirken nach außen stabil, obwohl sich intern bereits Schwächen in Strategie, Entscheidungsprozessen und Organisation...