Gemischtes

Entscheidet sich das Schicksal von Tesla in Niedersachsen?

Lesezeit: 2 min
22.08.2019 19:56
Tesla soll den Bau einer Gigafabrik in Niedersachsen erwägen. Darüber hinaus soll VW Interesse an einem Einstieg bei dem E-Auto-Pionier haben.
Entscheidet sich das Schicksal von Tesla in Niedersachsen?
Der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD, l) und Tesla-Chef Elon Musk bei einer Veranstaltung im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin, September 2015. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Entscheidet sich das Schicksal von Tesla in Niedersachsen? Diese Frage mit "ja" zu beantworten, wäre vielleicht übertrieben. Aber Tatsache ist, dass der angeschlagene kalifornische Autobauer seine Fühler in das norddeutsche Bundesland ausgestreckt hat. Nach einem Bericht des Fach-Informationsdienstes „Automobil-Industrie“, der sich auf ein Interview der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) bezieht, soll Tesla Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium des norddeutschen Bundeslandes aufgenommen haben. Der hochverschuldete Konzern von Querdenker Elon Musk hatte bereits vor einem Jahr bekannt gegeben, nach zwei Standorten für jeweils eine Giga-Fabrik in Europa zu suchen, wobei Musk Deutschland als bevorzugten Standort genannt hatte. Sollte die Fabrik Realität werden, würde sie wahrscheinlich in West-Niedersachen gebaut werden, und zwar entweder in Emden (wo VW bereits ein großes Werk betreibt) oder im Emsland. VW hat in Emden Anfang des Jahres die Verträge von Tausenden von Zeitarbeitern nicht verlängert, will mittelfristig - aufgrund des personalsparenden Ausbaus der E-Mobilität - die Zahl seiner Mitarbeiter verringern. Insofern stünde Tesla in Emden unter Umständen eine bereits in der Automobilproduktion geschulte Mitarbeiterschaft zur Verfügung. Die Freude über eine Industrie-Ansiedlung, die tausende Arbeitsplätze schafft (und durch den Nachzieheffekt mehrere weitere tausend Arbeitsplätze mit sich bringt) sollte aber nicht zu früh kommen: Mit seiner - teilweise - fertiggestellten Giga-Fabrik in Nevada sowie der sich im Bau befindlichen Giga-Fabrik in China hat der E-Auto-Pionier bisher eine Menge Probleme.

Mittlerweile machen Gerüchte die Runde, dass Niedersachsen noch in einer anderen Hinsicht große Bedeutung für Tesla bekommen könnte: Das „Manager-Magazin“ zitiert einen ranghohen VW-Mitarbeiter mit den Worten, VW-Chef Herbert Diess „würde sofort einsteigen, wenn er könnte“. Vorstellbar ist das schon; der 60-Jährige ist ein erklärter Verfechter der E-Mobilität, die er mit aller Macht durchzusetzen versucht, ungeachtet aller Kritik. Für Tesla könnte der Einstieg des größten Autokonzerns der Welt die Rettung bedeuten: Derzeit verbrennen die Kalifornier jeden Tag viele Millionen und haben Schulden in Milliardenhöhe. Auch die Aktionäre, auf deren Goodwill Musk in den vergangenen Jahren immer setzen konnte, verlieren allmählich die Geduld: Seit Jahresbeginn verlor die Aktie rund 20 Prozent ihres Werts.

Am heutigen Donnerstag stieg die Tesla-Aktie zunächst, nachdem der mögliche Einstieg von VW bekannt geworden war. Dann fiel sie wieder, nachdem die Wolfsburger die Nachricht vehement dementiert hatten. „Die Spekulation des Manager Magazin zu einer Beteiligung an Tesla ist haltlos“, teilte ein Volkswagen-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters mit.

Ob dem so ist, bleibt abzuwarten. Genauso, ob VW - wenn es denn zu einer Investition kommen würde - sich nur einkaufen oder gleich den ganzen Konzern übernehmen würde. Im Mai sagte Musk, mittelfristig erwarte er für Tesla eine Marktkapitalisierung von 500 Milliarden Euro: Ein lächerliche Aussage. Nach Schätzungen von Experten müsste Volkswagen 30 bis 50 Milliarden Dollar für Tesla zahlen. Eine kleine Summe ist das allerdings auch nicht gerade.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Interview mit Angela Merkel: "Man kann auch etwas von mir lernen"

DWN-Autor Arno Luik hat im März sein Buch "Als die Mauer fiel, war ich in der Sauna. Gespräche über den Wahnsinn unserer Zeit"...

DWN
Deutschland
Deutschland Rheinmetall: Wandel durch Krieg

"Wandel durch Handel": Bis vor kurzem galt dieses Motto noch.

DWN
Deutschland
Deutschland Ernst Wolff: "Friedrichs Traum von der Freiheit"

Ernst Wolff hat ein neues Buch veröffentlicht, das wir an dieser Stelle besprechen.

DWN
Finanzen
Finanzen Bärenmarkt voraus: Was Anleger derzeit von professionellen Tradern lernen können

Investoren und Trader betrachten Märkte aus geradezu gegensätzlichen Perspektiven, die beide Erfolg haben können. Doch in einem...

DWN
Technologie
Technologie Steht die Atomkraft vor einer Renaissance? Teil 2

Lesen Sie den zweiten Teil der Atomkraft-Analyse von Nicolas Dvorak: Die Bundesregierung könnte den Ausstieg aus der Atomkraft...

DWN
Politik
Politik Widerstand wächst: Befreit sich Südamerika von der Knute der USA?

Lesen Sie die große Analyse von DWN-Autor Rüdiger Tessmann: Wie Südamerika zwei Jahrhunderte lang unter US-amerikanischer Herrschaft...

DWN
Politik
Politik Macron will die EU abschaffen

Kaum jemand bekam mit, welche Pläne der französische Präsident diese Woche verkündete.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Trotz Sanktionen: Russlands Einnahmen aus dem Ölgeschäft steigen um 50 Prozent

Russlands Öl-Einnahmen sind dieses Jahr um rund 50 Prozent gestiegen, sagt die Internationale Energieagentur. Die Sanktionen gegen das...