Finanzen

Unternehmen erwarten deutliche Verschlechterung der Zahlungsmoral in Deutschland

Einer Umfrage zufolge erwarten deutsche Unternehmen, dass sie künftig länger auf ausstehenden Forderungen sitzenbleiben werden.
12.09.2019 10:15
Aktualisiert: 12.09.2019 10:30
Lesezeit: 1 min

Ein Wirtschaftsabschwung erhöht die Anzahl säumiger Zahler. Entsprechend rechnen 24 Prozent der Unternehmen in Deutschland in den nächsten zwei Jahren mit einer Verschlechterung der Zahlungsmoral. Ein Jahr zuvor waren nur 18 Prozent so pessimistisch. Das ist das Ergebnis der repräsentativen Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten“ 2019 des Finanzdienstleisters EOS in 17 europäischen Ländern. Die deutschen Finanzexperten sind damit deutlich pessimistischer als ihre europäischen Kollegen: Europaweit sehen nur 15 Prozent ein schlechteres Zahlungsniveau voraus. Eine Verschlechterung der Zahlungsmoral erhöht das Insolvenzrisiko und verringert die Profitabilität von Unternehmen erheblich und kann damit einen negativen konjunkturellen Trend verstärken.

Noch zahlen Kunden so pünktlich wie selten: 86 Prozent der Rechnungen werden hierzulande fristgerecht bezahlt. In Europa sind es durchschnittlich 81 Prozent. Das dürfte so nicht bleiben: „Der wachsende Zahlungspessimismus ist ein weiterer Indikator für eine bevorstehende, deutliche Konjunkturdelle“, analysiert Klaus Engberding, CEO der EOS Gruppe. „Und dieser Trend ist durchaus gefährlich: Jeder Prozentpunkt in Sachen pünktlicher Zahlung macht einen Milliarden-Euro-Unterschied für die Wirtschaft – bei schwacher Konjunktur leider eher zum Schlechten.“



Risiken für Deutschland besonders hoch

Umso wichtiger wird das professionelle Forderungsmanagement der Unternehmen gerade in Deutschland. Denn kommt es zum Verstreichen der Zahlungsfrist, müssen Unternehmen hier im Schnitt weitere 22 Tage auf ihr Geld warten – so lange wie in keinem anderen Land Westeuropas. Ein Grund: Unternehmen in Deutschland setzen bei ihrem Forderungsmanagement vergleichsweise selten auf professionelle Unterstützung. Erst 31 Prozent arbeiten mit Inkasso-Dienstleistern zusammen, in Europa sind es im Schnitt 42 Prozent. Dabei reduzieren die externen Profis den Anteil verspätet oder nicht vollständig bedienter Forderungen erheblich. Laut der EOS Studie wurden bei den deutschen Unternehmen, die im letzten Geschäftsjahr auf externe Unterstützung beim Forderungseinzug gesetzt haben, knapp zehn Prozent des Umsatzes durch die Dienstleister zurückgeführt.

„Gerade mit Blick auf eine schwache Konjunkturentwicklung oder gar eine Rezession sollten die Unternehmen ihr Forderungsmanagement weiter professionalisieren, um bei einem Rückgang des Zahlungsniveaus den Cash Flow stabil zu halten“, so Forderungsmanagement-Experte Engberding.

Gemeinsam mit dem unabhängigen Marktforschungsinstitut Kantar befragte EOS 3.400 Unternehmen in 17 europäischen Ländern via Telefoninterviews zu den dortigen Zahlungsgewohnheiten. Jeweils 200 Unternehmen (mit je mehr als fünf Millionen Euro Jahresumsatz) aus Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Kroatien, Polen, Rumänien, Russland, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn beantworteten im Frühjahr 2019 Fragen zu eigenen Zahlungserfahrungen sowie zu aktuellen Themen im Risiko- und Forderungsmanagement. Die jährlich stattfindende Studie wurde von EOS bereits zum zwölften Mal durchgeführt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft OpenAI-Ki bricht aus Testumgebung aus und attackiert andere KI-Firma
22.07.2026

Ein außergewöhnlicher Vorfall bei einem Testlauf des ChatGPT-Entwicklers OpenAI demonstriert drastisch das Risiko von KI-Cyberattacken....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Galeria-Schließungen drohen: Diese 33 Galeria-Filialen stehen auf der Kippe
22.07.2026

Die Zukunft zahlreicher Galeria-Standorte steht erneut auf der Kippe. 33 Galeria-Filialen werden derzeit auf ihre Wirtschaftlichkeit...

DWN
Finanzen
Finanzen BMW-Aktie: Rätsel um in Kaliningrad produzierte BMW – wie ist das möglich?
22.07.2026

Obwohl BMW seine Aktivitäten in Russland vor Jahren eingestellt hat, werden in Kaliningrad wieder SUV der Marke montiert. Die Herkunft der...

DWN
Immobilien
Immobilien Mietpreise entwickeln sich in deutschen Großstädten immer unterschiedlicher
22.07.2026

Steigende Mieten gelten vielerorts als Dauerproblem. Doch aktuelle Zahlen zeigen ein differenzierteres Bild: Zwischen den größten...

DWN
Politik
Politik USA-Iran-Krieg: Trump steckt in einer tödlichen Falle
22.07.2026

Der USA-Iran-Krieg ist militärisch festgefahren, doch die Gefahr einer unkontrollierten Eskalation wächst mit jedem weiteren Angriff....

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihen kaufen: Chancen beim Anleihehandel nutzen und nicht blind auf Sicherheit vertrauen
22.07.2026

Anleihen rücken zunehmend in den Fokus von Anlegern. Doch die vermeintliche Sicherheit ist nicht selbstverständlich. Wir zeigen, wie Sie...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gold steigt über 4.100 Dollar und setzt Erholung fort
22.07.2026

Der Goldpreis hat am Mittwochvormittag weiter zugelegt und sich klar oberhalb der Marke von 4.100 US-Dollar je Feinunze behauptet....

DWN
Finanzen
Finanzen Gea-Aktie: Starke Zahlen sorgen für Kurssprung – wie Anleger reagieren sollten
22.07.2026

Mit starken Quartalszahlen und höheren Jahreszielen rückt die Gea-Aktie wieder in den Fokus der Börse. Umsatz, Auftragseingang und...