Deutschland

Digitales Überwachungssystem: Datenschutzbehörde leitet Ermittlungen gegen Zalando ein

Der Onlinehändler Zalando verwendet eine Software, mit der die Mitarbeiter ihre Kollegen kontrollieren können. Nun ermittelt der Datenschutz.
28.11.2019 16:00
Lesezeit: 1 min
Digitales Überwachungssystem: Datenschutzbehörde leitet Ermittlungen gegen Zalando ein
Besucher der Modemesse „Bread and Butter“ von Zalando. (Foto: dpa) Foto: Jens Kalaene

Um den Onlinehändler Zalando ist ein heftiger Streit entbrannt: Die Berliner Datenschutzbehörde ist gerade dabei, eine Software des Unternehmens zu untersuchen, mit deren Hilfe die Mitarbeiter sich gegenseitig kontrollieren, bewerten und sogar faktisch denunzieren sollen, berichten die Nachdenkseiten.

Die Behörde hat dem Händler offenbar mitgeteilt, sie solle so lange das Programm nicht verwenden, wie die Untersuchung andauert. Dies ist allerdings nicht rechtlich verpflichtend, sondern nur eine Empfehlung. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, lässt sich nur schwer abschätzen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ geht davon aus, dass dies bis Anfang 2020 dauern. Das Blatt hatte als erstes Medium darüber berichtet und damit eine richtige Welle der Entrüstung losgetreten.

Zalando setzt eine Mitarbeitersoftware in, mit deren Hilfe die Leistung von Kolleginnen und Kollegen durch andere Kollegen bewertet werden. Darüber hinaus können damit die Vorgesetzten ihre Angestellten beurteilen. Nach einem bestimmten System werden dann die Mitarbeiter in besondere Kategorien eingeteilt, auf deren Grundlage dann Gehaltserhöhungen und die Aufstiegschancen geregelt werden. Kritiker sprechen von einem "digitalen Kastensystem" bei dem Onlinehändler.

Zwei Wissenschaftler der Humboldt-Universität in Berlin haben die Praktik inzwischen untersucht. Die Forscher hatte eine Studie veröffentlicht, die unterschiedliche Kritikpunkte bemängelte. Beispielsweise habe der Händler die Angestellten nicht ausreichend über die Funktionsweise des Tools informiert. Zalando hatte bereits in einer öffentlichen Stellungnahme die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, die Software werde in Übereinstimmung mit den Datenschutzgesetzen verwendet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik USA: Senat stimmt gegen Trumps eigenmächtige Iran-Kriegsführung
24.06.2026

Der US-Kongress will Trump beim Krieg gegen den Iran Grenzen setzen. Die auch von einigen Republikanern getragene Resolution gilt vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Vom Hoffnungsträger zum Problemflieger: Behörde zwingt 16 Airbus A380 zum Check
24.06.2026

Risse an den Tragflächen: 16 Airbus A380 von Emirates und Qantas müssen auf Anordnung der EASA kurzfristig überprüft werden. Fünf...

DWN
Politik
Politik Bundestag: Ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hat Nebeneinkünfte
24.06.2026

Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hat in der laufenden Legislaturperiode meldepflichtige Nebeneinkünfte bezogen - neben...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmer Dräger fordert klare Kante statt Kurswechsel
24.06.2026

Ständige Richtungswechsel schaden nach Ansicht von Unternehmer Stefan Dräger dem Standort Deutschland und untergraben Vertrauen bei...

DWN
Finanzen
Finanzen EU Listing Act entfesselt Europas Kapitalmärkte
24.06.2026

Europa will seine Unternehmen zurück an die Börse locken. Der EU Listing Act verspricht kürzere Prospekte, niedrigere Kosten und mehr...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Chip-Ausverkauf zieht Nasdaq-Titel nach unten
23.06.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Technologiewerte unter Druck setzen und wo Anleger jetzt noch Chancen sehen.

DWN
Politik
Politik Putin: "Nato bereitet sich auf Krieg mit uns vor"
23.06.2026

Wladimir Putin wirft der Nato offen Kriegsvorbereitungen gegen Russland vor und kritisiert die steigenden Militärausgaben im Westen. Seine...

DWN
Finanzen
Finanzen Urlaubseuro 2026: In diesen Ländern bekommen Sie am meisten Urlaub für Ihr Geld
23.06.2026

100 Euro klingen nach 100 Euro, doch im Urlaub entscheidet das Reiseziel über ihren wahren Wert. Eine neue Analyse zeigt, wo Reisende 2026...