Politik

Libyen: Haftar lässt Ölproduktion blockieren, Öl wird teurer

Trotz der Libyen-Konferenz in Berlin haben die Truppen des libyschen Warlords Haftar zwei große Ölproduktions-Stätten in Libyen lahmgelegt. Dies führte zu einer Erhöhung der Öl-Preise und der Öl-Futures.
20.01.2020 11:43
Aktualisiert: 20.01.2020 11:43
Lesezeit: 2 min
Libyen: Haftar lässt Ölproduktion blockieren, Öl wird teurer
Die Ölinfrastruktur in Libyen. (Foto: dpa)

Die Ölpreise zogen am Montag an, nachdem zwei große Rohölproduktionsstätten in Libyen nach einer Militärblockade durch die Truppen des Warlords General Chalifa Haftar stillgelegt worden waren und die Voraussetzungen dafür geschaffen hatten, dass die Rohölströme des bedeutenden Energieexporteurs auf ein Minimum reduziert wurden. Die Sorte Brent verteuert sich am Montag um bis zu 1,8 Prozent auf 66 US-Dollar je Barrel.

Die Brent-Rohöl-Futures stiegen um 75 Cent oder 1,2 Prozent auf 65,60 US-Dollar, nachdem sie zuvor mit 66,00 US-Dollar pro Barrel den höchsten Stand seit dem 9. Januar 2020 erreicht hatten. Der Kontrakt für West Texas Intermediate (WTI) stieg um 60 Cent auf 59,14 US-Dollar pro Barrel.

Wenn der Export für einen längeren Zeitraum eingestellt wird, füllen sich die Lagertanks innerhalb weniger Tage und die Produktion verlangsamt sich auf 72.000 Barrel pro Tag (bpd), sagte ein Sprecher der libyschen National Oil Corporation (NOC). Libyen hatte in letzter Zeit rund 1,2 Millionen bpd produziert.

“Die Situation dort [im Osten Libyens] ist nach wie vor sehr chaotisch. Vier wichtige Ölterminals wurden von Pro-Haftar-Demonstranten blockiert, darunter bewaffnete Gruppen und Milizionäre”, so der Al Jazeera-Korrespondent Mahmoud Abdelwahed.

Mustafa Sanalla, Vorsitzender der NOC, wörtlich: “Der Öl- und Gassektor ist das Lebenselixier der libyschen Wirtschaft und die einzige Einnahmequelle für die libysche Bevölkerung.”

Der Anstieg der Ölpreise ist eine rationale Reaktion auf die Nachrichten über Libyen und spiegelt den unruhigen Charakter des Marktes wider.

Libyens geographische und politische Herausforderungen

Libyen liegt in der Mitte der nordafrikanischen Mittelmeerküste und grenzt im Westen an Tunesien und Algerien und im Osten an Ägypten. In der Sahara berühren die südlichen Ränder des Landes Niger, Tschad und Sudan. Libyen ist in drei geografische Regionen unterteilt: Fezzan, das Wüsteninnere; Cyrenaica, die mediterranen Hügel, die östlich der ägyptischen Grenze verlaufen; und Tripolitanien, die Küstenwüsten und Oasen des Westens.

Da die beiden größten Städte des Landes, Bengasi und Tripolis, durch ein langes Stück dünn besiedelter Küste getrennt sind, neigt die libysche Macht dazu, sich zwischen Ost und West zu teilen. Libyen hat keine ganzjährigen Flüsse oder Seen und in der Kyrenaika gibt es nur kleine Wälder. Obwohl Libyen das viertgrößte Land Afrikas ist, liegt es an 36. Stelle der Bevölkerung und hat nur 6,2 Millionen Einwohner.

Der Staat verfügt jedoch über die neuntgrößten nachgewiesenen Ölreserven, wodurch der Handel und die Sicherung der Seewege für den Wohlstand und die Sicherheit Libyens von entscheidender Bedeutung sind. Von der Unabhängigkeit im Jahr 1951 bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2011 verwendete Libyen seine Energieressourcen, um Technologien und Güter zu importieren, die seine Wirtschaft transformierten.

Das wichtigste dieser Projekte war der Great Man-Made River, der die Wasserversorgung der Wüste unter Tage an die Küste brachte, die Handelskapazitäten Libyens verbesserte und seinen Einfluss in ganz Afrika verstärkte. Da es in Libyen keine natürlichen geographischen Hindernisse für die Befestigung der Landgrenzen gibt, haben die Regierungen oft Mühe, in ihrem gesamten Hoheitsgebiet Ordnung herzustellen und gleichzeitig die lange, exponierte Küste des Landes vor anderen Mittelmeermächten zu schützen. Freundliche Beziehungen zu den europäischen Ländern sind daher für die Sicherheit Libyens von entscheidender Bedeutung, da der Staat seine Küste nicht vor kontinentalen Marinen verteidigen kann. Die größte geographische Herausforderung für Libyen besteht daher darin, seine gewundenen Küsten und Grenzen zu schützen und gleichzeitig seine beträchtlichen Energieressourcen für die Entwicklung des Landes zu nutzen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: Anthropic-Börsenantrag beflügelt KI-Werte vor anstehenden Tech-Zahlen
26.10.2026

Erfahren Sie, wie eine überraschende Ankündigung die Märkte wieder belebt und welche wegweisenden Ereignisse Anlegern jetzt bevorstehen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Start-ups sammeln 4,5 Milliarden Euro ein – doch das Geld konzentriert sich auf wenige
26.10.2026

Deutsche Start-ups haben im dritten Quartal 2026 so viel Wagniskapital erhalten wie seit Ende 2021 nicht mehr. Doch sechs...

DWN
Politik
Politik Russland soll US-Gasprojekt heimlich geführt und finanziert haben
26.10.2026

Der ehemalige Geschäftsführer eines riesigen amerikanischen Gasexportprojekts im Wert von 25 Milliarden Dollar hat dem russischen...

DWN
Politik
Politik Streit um Starlink: Elon Musk erhebt Vorwürfe gegen die Ukraine
26.10.2026

Elon Musk wirft der Ukraine vor, Starlink für unerlaubte Drohnenangriffe eingesetzt zu haben. Ein entsprechendes Schlupfloch sei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lkw-Maut bereits fast ein Fünftel höher: Wo es teurer wird und was 2027 kommt
26.10.2026

Lkw-Maut wird in Europa immer teurer und komplizierter. Neben gefahrenen Kilometern entscheiden zunehmend CO₂-Ausstoß, Fahrzeugklasse...

DWN
Finanzen
Finanzen 10 Europa-Aktien, denen Analysten besonders großes Wachstum zutrauen
26.10.2026

Ich habe mir erneut die Empfehlungen der Analysten angesehen, um Aktien mit dem größten Aufwärtspotenzial zu finden. Diesmal habe ich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Opel Frontera Electric im Test: Viel Komfort, aber kaum Ausdauer
26.10.2026

Viel Platz, hoher Komfort und ein vergleichsweise günstiger Preis: Der Opel Frontera Electric könnte das perfekte Elektro-SUV für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Geschäftsklima steigt: Deutsche Wirtschaft trotzt hohen Energiepreisen
26.10.2026

Deutschlands Unternehmen blicken zuversichtlicher nach vorn: Das Ifo-Geschäftsklima steigt erneut und übertrifft die Erwartungen der...