Finanzen

Coronavirus: Investoren steigen weltweit aus Aktien aus, Goldpreis zieht deutlich an

Der deutsche und auch die weltweiten Aktienmärkte verzeichnen am Montagmorgen deutliche Verluste. Investoren schichten in Gold um. Der Preis des Edelmetalls nähert sich der 1.600 Dollar-Marke.
27.01.2020 10:26
Aktualisiert: 27.01.2020 10:26
Lesezeit: 2 min
Coronavirus: Investoren steigen weltweit aus Aktien aus, Goldpreis zieht deutlich an
Bulle und Bär an der deutschen Börse in Frankfurt. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Die Ausbreitung des Coronavirus in China setzt zum Wochenanfang erneut die internationalen Aktienmärkte unter Druck. Investoren befürchteten einen Dämpfer für das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft. Anleger flüchteten deshalb in "sichere Häfen" wie Gold, dessen Preis mit 1586,43 Dollar je Feinunze so hoch wie zuletzt während der USA/Iran-Krise vor drei Wochen war. Auch die Schweizer Währung war gefragt. Dies drückte den Kurs des Euro auf 1,0692 Franken und damit auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren. Der Dax rutschte am Vormittag 2,1 Prozent auf 13.290 Punkte ab. Der EuroStoxx50 büßte zwei Prozent auf 3702 Zähler ein.

Mittlerweile sind mehr als 2740 Menschen in China mit dem Erreger infiziert. Die Zahl der Todesfälle stieg am Wochenende auf 81. Die Behörden verlängerten die Feiertage zum chinesischen Neujahrsfest um drei Tage, um die Ausbreitung des neuen Erregers einzudämmen. Auch in mehr als zehn anderen Ländern wurden bereits Coronavirus-Fälle bestätigt, darunter Frankreich, Japan und die USA. "Das hat das Potenzial, die Märkte wirklich zu erschüttern", sagte Analyst Neil Wilson von Markets.com. Zugleich sei es ein guter Zeitpunkt, Gewinne mitzunehmen, da sich die Aktienmärkte auf oder sehr nahe an den Höchstständen befanden, bevor der Virus ausbrach.

ÖKONOMISCHE FOLGEN

Bei aller Sorge rechnen die Analysten der Commerzbank nicht damit, dass die unmittelbaren ökonomischen Folgen auf Chinas Wirtschaftskraft durchschlagen werden. Selbst der Sars-Erreger habe 2002/03 weniger Todesopfer gefordert als die Grippewelle 2012 allein in Deutschland, die keine sichtbaren ökonomischen Folgen gehabt habe. Kurzfristig könne der Corona-Virus das Konsumverhalten der Chinesen aber erheblich verändern. "Gerade in einer nicht-demokratischen Gesellschaft wie China ist die politische Reaktion atemberaubend heftig", sagen die Commerzbank-Experten. "Millionenstädte binnen Tagen unter Quarantäne zu stellen, die Feiertage zu verlängern: All das geht dort." Weil Konsum und Produktionsausfälle schnell wieder aufgeholt werden könnten, seien die mittelfristigen ökonomischen Folgen aber voraussichtlich gering.

LUXUS- UND REISEBRANCHE UNTER DRUCK

Aus Furcht vor einem Rückgang der wichtigen Nachfrage in China ziehen sich Anleger bei europäischen Anbietern von Luxusgütern am Montag zurück. Der Branchenindex büßte 1,8 Prozent ein. Zu den größten Verlierern zählten hier die Modefirmen Hugo Boss, Christian Dior und Burberry mit Kursverlusten von bis zu 5,4 Prozent. Seit Ausbruch des neuen Erregers verloren Europas große Luxusfirmen damit fast 50 Milliarden Dollar Kapitalwert. Den Analysten von Bernstein zufolge gaben chinesische Konsumenten im vergangenen Jahr während der Woche der Neujahrsfeierlichkeiten 149 Milliarden Dollar aus. Aufgrund der Reisebeschränkungen erwarteten sie für dieses Jahr deutlich niedrigere Ausgaben.

Die Reisebeschränkungen wegen des Coronavirus machten auch die Eigner von Luftfahrt- und Touristikwerten nervös. Der europäische Branchenindex verlor 2,4 Prozent und steuerte damit auf den größten Tagesverlust seit einem halben Jahr zu. Mit einem Minus von mehr als vier Prozent gehört hier die Lufthansa zu den größten Verlierern.

ROHSTOFFE SINKEN - BITCOIN LEGT ZU

Spekulationen auf eine geringere Nachfrage aus China wegen des grassierenden Virus schicken auch die Preise zahlreicher Rohstoffe auf Talfahrt. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 2,25 Prozent auf 59,38 Dollar je Barrel. Der Kupfer-Preis gab 1,6 Prozent nach. Dagegen profitierte die Kryptowährung Bitcoin von der Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Google löscht Online-Bewertungen: Was sind die Sterne noch wert?
21.07.2026

Die Sterne bei Google entscheiden mit darüber, welches Restaurant oder Hotel Kunden wählen – doch wie verlässlich sind sie noch? Immer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mercedes-Aktie: Warum ausgerechnet die C-Klasse über Europas Autozukunft entscheidet
21.07.2026

Mercedes verabschiedet sich von der Idee, Elektroautos wie eine eigene Produktwelt zu verkaufen. Die neue elektrische C-Klasse soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Edelmetall über Marke von 4.000 Dollar – Zinsausblick bleibt Belastungsfaktor
21.07.2026

Der Goldpreis erholt sich am Dienstag spürbar. Eine Feinunze Gold kostete im frühen Handel annähernd 4.060 US-Dollar. Damit bleibt das...

DWN
Panorama
Panorama DAK-Auswertung: Weniger Krankmeldungen – psychische Leiden rücken in den Fokus
21.07.2026

Weniger Krankschreibungen, aber neue Herausforderungen: Eine aktuelle Auswertung zeigt überraschende Entwicklungen bei den Fehlzeiten in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Automarkt kollabiert: Deutsche Autobauer zahlen den Preis
21.07.2026

China war jahrzehntelang die Gewinnmaschine der deutschen Autoindustrie. Nun brechen dort die Verkäufe westlicher Marken ein, während...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Ölpreis steigt auf 91 Dollar, während Trump erklärt, der Iran werde für US-Todesopfer „um ein Vielfaches zahlen“
20.07.2026

Welche Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten und wo Anleger jetzt genau hinschauen sollten.

DWN
Technologie
Technologie Atem-Biometrie: Wird unser Atem bald zum neuen Passwort?
20.07.2026

Passwörter lassen sich ändern, ein Atemmuster nicht. Forscher wollen Menschen künftig daran erkennen, wie sie ein- und ausatmen, und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Median-Entgelt: Einkommen steigen, doch die Lohnlücke besteht weiter
20.07.2026

Mehr Geld auf dem Gehaltszettel, sinkende Unterschiede zwischen Frauen und Männern und deutliche regionale Abweichungen: Die aktuellen...