Politik

Corona und der Überwachungsstaat: Bundesregierung prüft Apps zur Registrierung von Corona-Infizierten

Die Bundesregierung begrüßt den Vorstoß der Technologie-Giganten Apple und Google zur Entwicklung einer App, mit der mögliche Kontakte zu Corona-Infizierten registriert werden. Ganz vertrauen will man den Konzernen aber dann doch nicht und prüft deshalb eigene Apps.
14.04.2020 13:37
Aktualisiert: 14.04.2020 13:37
Lesezeit: 1 min
Corona und der Überwachungsstaat: Bundesregierung prüft Apps zur Registrierung von Corona-Infizierten
London: Ein Mann fotografiert mit seinem Smartphone das Bild «Debbie Harry». (Foto: dpa) Foto: Dominic Lipinski

In der Koalition gibt es Zustimmung zur Ankündigung von Apple und Google, bei der Entwicklung von Technologien zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie zusammenarbeiten. "Entscheidend ist die Freiwilligkeit. Wenn Apple und Google das ermöglichen, etwa indem Apps auf ihre Betriebssysteme gesetzt werden können, ist das in Ordnung", sagte der digitalpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Tankred Schipanski, am Dienstag zu Reuters. "Ich begrüße die Bereitschaft von Apple und Google, die Schnittstellen für die Funktion von Corona-Apps zu schaffen", sagte auch sein SPD-Kollege Jens Zimmermann. "Das ist ein sehr wichtiger Schritt, um deren Funktionsfähigkeit zu garantieren."

Die amerikanischen IT-Riesen Google und Apple hatten angekündigt, gemeinsam eine Technologie zu entwickeln, mit der Handy-Nutzer ein Signal bekommen, wenn sie sich in der Nähe eines Corona-Infizierten aufgehalten haben. Die Konzerne statten weit mehr als 90 Prozent aller Smartphones mit ihren Betriebssystemen aus und wollen die neue Technologie dort integrieren. Bereits seit einiger Zeit wird über eine sogenannte Corona-App debattiert, mit deren Hilfe Infektionsketten nachverfolgt werden können.

Die deutschen Koalitionspolitiker plädierten aber dafür, auf die Basis der US-Konzerne Eigenentwicklungen aufzusetzen. "Ich denke schon, dass wir dabei deutsche oder europäische App-Entwicklungen nutzen sollten, denen wir vertrauen", sagte der CDU-Politiker Schipanski. "Man muss ganz genau hinschauen: Die Hersteller der Betriebssysteme haben sehr große Eingriffsmöglichkeiten. Deshalb wäre wohl der bessere Weg, wenn sie nur die Schnittstellen ermöglichten und andere die Apps bereitstellten", betonte auch Zimmermann. Die Freiwilligkeit bei der Nutzung sei wichtig, weil Druck und Sanktionen nur dazu führten, dass mehr Leute ihre Handys gar nicht mehr mitnehmen würden.

In Europa hatten 130 Wissenschaftler aus mehreren europäischen Ländern angekündigt, dass sie mit der Initiative PEPP-PT eine Plattform entwickelt hätten, auf denen nationale Apps zum Corona-Tracing aufsetzen könnten. In Deutschland prüft das Gesundheitsministerium derzeit Koalitionskreisen zufolge drei Apps "in der engeren Auswahl".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
08.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Kauft zyklische und nukleare Aktien
08.11.2026

Technologieaktien hinken dem breiten Markt seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr so stark hinterher. Nach einem langen Boom um...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Weiterbildung im Reformstau: Deutschlands Unternehmen droht eine Kompetenzlücke
08.11.2026

Digitalisierung, Energiewende und demografischer Wandel verändern die Anforderungen an Beschäftigte. Doch Deutschlands...

DWN
Politik
Politik Erschreckende Expertenwarnung: Die Welt schlafwandelt in Richtung Dritter Weltkrieg
08.11.2026

Gideon Rachman ist außenpolitischer Chefkommentator der Financial Times und hat gerade ein neues Buch mit einem beunruhigenden Titel...

DWN
Panorama
Panorama Lebensverlängerung für Hunde: Neue Pille schenkt dem besten Freund des Menschen weitere gute Jahre
08.11.2026

In den USA arbeitet das Unternehmen Loyal an der Markteinführung einer lebensverlängernden Pille für Hunde. Zwei Tierärzte weisen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Big Brother: Wie Unternehmen KI zur Überwachung ihrer Mitarbeiter einsetzen
08.11.2026

Vom Mithören von Telefongesprächen über die Bewertung von Mitarbeitern bis hin zu Empfehlungen für Gehaltserhöhungen: Co-op, Walmart,...

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street: Die Börsenroboter können sich nachts frei bewegen
08.11.2026

Die Wall Street könnte sich bis Anfang Dezember in ein nahezu rund um die Uhr geöffnetes Börsencasino verwandeln. Mehrere US-Börsen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Importpreise steigen um 10,4 Prozent: Energie verteuert Deutschlands Produktion
08.11.2026

Deutschlands Importpreise sind im September so stark gestiegen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Besonders Energie und industrielle...