Deutschland

Deutsche Forscher entdecken leistungsstarken Biokatalysator

Einer Forschergruppe der Universität Bayreuth ist im Bereich der Bioökonomie ein großer Durchbruch gelungen. Sie haben ein Enzym entdeckt, das als Biokatalysator ungeahnte Vorteile bietet.
24.05.2020 13:00
Lesezeit: 2 min
Deutsche Forscher entdecken leistungsstarken Biokatalysator
Studenten sitzen am 15.07.2015 auf dem Campusgelände der Universität in Bayreuth (Bayern) zusammen. (Foto: dpa) Foto: Nicolas Armer

Forschern an der Universität Bayreuth um Prof. Dr. Frank Hahn ist im Bereich der Bioökonomie ein bemerkenswerter Durchbruch gelungen.

In einer Mitteilung teilt die Universität mit: “In der Bioökonomie treten biotechnologische Verfahren an die Stelle von Syntheseverfahren, die fossile Ressourcen verbrauchen. Mikroorganismen und Enzyme werden dabei als Biokatalysatoren gezielt für die industrielle Produktion genutzt. Forscher der Universität Bayreuth haben jetzt ein Enzym entdeckt, das als Biokatalysator große Vorteile bietet. Es eignet sich hervorragend für die Herstellung von Wirkstoffen aus dem Bereich der Naturstoffe. Herkömmliche Syntheseverfahren dieser Wirkstoffe, die ein breites medizinisches Anwendungsspektrum haben, sind dagegen sehr aufwendig.”

Die Forschungsergebnisse werden in der Zeitschrift “ACS Catalysis”. “In ihrer Studie ist den Bayreuther Wissenschaftlern der Nachweis gelungen, dass sich mit AmbDH3 der antibiotisch aktive Wirkstoffkandidat „(–)-Centrolobin“ herstellen lässt. Auf dieser Basis will das Bayreuther Forschungsteam die Synthese weiterer, noch komplexerer Naturstoffe in Angriff nehmen. Ein Beispiel sind die Bryostatine, die wegen ihrer antiviralen Aktivität von großem Interesse für die Wirkstoffforschung sind. Sie könnten auch für die Behandlung von Krebs und Alzheimer in Frage kommen”, so die Universität.

Bundesregierung investiert in Bioökonomie-Forschung

Die Biokönomie umfasst verschiedene Teilbereiche. Die Bundesregierung will in den kommenden vier Jahren 3,6 Milliarden Euro in die Förderung der sogenannten Bioökonomie investieren. Das gaben Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Agrarministerin Julia Klöckner im Januar 2020 in Berlin bekannt. Zuvor hatte das Bundeskabinett eine sogenannte Bioökonomiestrategie beschlossen.

Konkret geht es dabei um die verstärkte Erforschung und Nutzung nachwachsender Rohstoffe, um fossile Rohstoffe wie Erdöl zu ersetzen. Zudem steht die Sicherstellung der Ernährung vor dem Hintergrund von Klimawandel und Bevölkerungswachstum im Fokus. Die Milliarden sollen unter anderem in Forschungsprojekte und Wirtschaftsförderung im Bereich Bioökonomie gesteckt werden.

Karliczek und Klöckner präsentierten mehrere Beispielprodukte: Einen Reifen, der aus Löwenzahn hergestellt wurde, eine Autotür aus Flachsfasern, statt aus Carbonfasern und einen Turnschuh aus Spinnenseide. "Auf unseren Äckern wächst, was wir sonst importieren müssten", sagte Klöckner. Sie fügte aber hinzu, die Hauptaufgabe bleibe die Erzeugung von Nahrungsmitteln.

In ihrer Bioökonomie-Strategie nimmt sich die Bundesregierung zudem vor, "ihre Aktivitäten im Bereich der Züchtung standort- und klimaangepasster, (...) resistenter beziehungsweise toleranter Pflanzensorten" auszubauen. "Neben Kulturpflanzen kommt aber auch Insekten, Pilzen, Mikroorganismen und aquatischen Lebensformen wie Algen zunehmend Bedeutung in der modernen Bioökonomie zu", heißt es weiter. Das werde durch entsprechende Fördermaßnahmen unterstützt. Geplant ist außerdem die Einrichtung eines Expertengremiums, das Empfehlungen und Stellungnahmen für die Bundesregierung im Bereich der Bioökonomie erarbeiten soll.

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