Politik

Medwedew: Wenn Amerika uns den Internet-Zugang kappt, können wir von nun an unser eigenes Netzwerk nutzen

Russland soll seit kurzem über die notwendige Technik verfügen, sein eigenes Internet zu errichten.
04.02.2021 08:00
Lesezeit: 1 min
Medwedew: Wenn Amerika uns den Internet-Zugang kappt, können wir von nun an unser eigenes Netzwerk nutzen
Der russische Fußballnationalspieler Fjodor Smolow auf dem Roten Platz. (Foto: dpa) Foto: Pavel Golovkin

Russland verfüge jetzt über die Technologie, sein eigenes Internet aufzubauen. Das hat der ehemalige russische Präsident (von 2008 bis 2012) und jetzige stellvertretende Leiter des Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, der nichtstaatlichen Nachrichtenagentur Interfax gesagt. Weiter führte er aus, dass derzeit nicht geplant sei, das Land von dem weltweiten digitalen Netzwerk abzuschneiden. Russland sei jedoch darauf angewiesen, sich diese Option offenzuhalten.

Grund dafür sei, dass die USA über Kontrollmechanismen verfügen, mit Hilfe derer sie Russlands Zugang zum Internet sperren könnten. Für einen solchen Fall „haben wir haben unser eigenes Übermittlungssystem eingerichtet, mit Hilfe dessen wir elektronische Nachrichten austauschen können“, so Medwedew.

Im November 2019 hatte die Duma ein neues Gesetz erlassen, welches es der russischen Regierung ermöglichte, das Land vom Internet abzuschneiden. Die Nationale Sicherheit habe dies notwendig gemacht, so die Regierung, von der die Initiative für das Gesetz ausgegangen war. Laut dem staatlichen Meinungsforschungsinstitut „WZIOM“ sprachen sich damals etwas mehr als die Hälfte der Russen (52 Prozent) gegen das Gesetz aus, nur etwas weniger als ein Viertel (23 Prozent) befürworteten es. Für Kreml-Kritiker dienen das Gesetz und das Russland-eigene Internet dazu, im Fall einer inneren Krise leichter die Kontrolle über den Nachrichtenfluss aufrechtzuerhalten.

Nach Angaben unterschiedlicher russischer zivilgesellschaftlicher Organisationen wird das Internet seit einigen Jahren von den russischen Behörden massiv zensiert. So sollen zehntausende Seiten blockiert worden und zahlreiche Nutzer des „Extremismus“ angeklagt und zu Gefängnisstrafen verurteilt worden sein. Vor zwei Jahren hatte der russische Innenminister Wladimir Kolokolzew an Freiwillige appelliert, das Internet nach verdächtigen Seiten zu durchforsten und diese an die Behörden zu melden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Exporte brechen ein
08.09.2026

Nach fünf Monaten Wachstum verzeichnen Deutschlands Exporte im Juli erstmals wieder einen Rückgang. Schwierig bleiben die Geschäfte mit...

DWN
Technologie
Technologie OpenAI-Agenten bauten geheimes Kommunikationsnetz auf deutschsprachiger Website
08.09.2026

KI-Agenten nutzten eine deutsche Website zur Koordination, zur Umgehung von Beschränkungen und zur Verschleierung ihrer Spuren. OpenAI...

DWN
Politik
Politik "Der Sieg ist nah", behauptet Kremlsprecher Peskow
08.09.2026

Die USA nehmen einen neuen Anlauf in ihren Vermittlungsbemühungen für ein Ende des Ukraine-Kriegs. Doch der Kreml betont die...

DWN
Finanzen
Finanzen Legende Warren Buffett hielt lange am Geld fest – jetzt sorgt er mit einer großen Investition für Aufsehen
08.09.2026

Warren Buffett hat jahrelang mehr Aktien verkauft als gekauft und bei Berkshire Hathaway einen gigantischen Geldberg aufgebaut. Nun sorgt...

DWN
Politik
Politik Deutschland entkommt russischem Gas und landet in der nächsten Falle
08.09.2026

Deutschland hat sich vom russischen Pipelinegas gelöst und setzt nun stark auf Flüssiggas. Doch inzwischen kommt ein Großteil des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der Winter kommt und Deutschlands Gasspeicher sind fast leer
08.09.2026

Deutschlands Gasspeicher sind deutlich schlechter gefüllt als vor einem Jahr. Ein sehr kalter Winter könnte die Reserven bereits Anfang...

DWN
Technologie
Technologie Kündigungsgefahr: Was Arbeitnehmer online auf Social Media posten dürfen – und was nicht
08.09.2026

Meinungsfreiheit ist nicht grenzenlos. Wann Social-Media-Aktivitäten arbeitsrechtliche Folgen haben und worauf Beschäftigte achten...

DWN
Finanzen
Finanzen Zucker-Preis schlägt die Rendite des S&P 500
08.09.2026

Der Zucker-Preis ist im August um 21,5 Prozent gestiegen und hat damit den stärksten Monat seit 2010 erlebt. Seit Jahresbeginn liegt die...